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Usedom „Wir wollen, dass die Schule zur gewaltfreien Zone wird“
Vorpommern Usedom „Wir wollen, dass die Schule zur gewaltfreien Zone wird“
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00:00 01.03.2013
Auch so kann man seine Kr�fte messen. Trainer Holger Kickhefel und Nick machen es vor. Quelle: Ingrid Nadler
Zirchow

„Die Vermeidung von Gewalt muss zu einem zentralen Thema der Erziehung werden“, hat Heinz-Egon Achterkerke appelliert, als er vor Jahren die gleichnamige Stiftung gegründet hat und zum Beispiel das Projekt „Schritte gegen Tritte“ initiierte.

Einer der qualifizierten Gewaltpräventionstrainer in der Region ist der Zinnowitzer Holger Kickhefel. „Hast du in der vergangenen Woche jemanden geschubst, gehauen oder beleidigt?“, fragt Kickhefel bei zehn Jungen die Hausaufgaben der letzten Unterrichtsstunde ab. „Wenn ja, warum? Versuch' uns zu erklären, warum du dich nicht an unsere Regeln gehalten hast.“ Es gibt die Stillen, wie überall, und es gibt die Vorlauten. Wer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, kriegt Liegestützen und Kniebeugen aufgebrummt. Wer beim Lügen erwischt wird, muss zusätzlich den Hampelmann machen. Übrigens auch, wer seine Mitschüler auslacht.

Es ist die zweite Doppelstunde „Gewaltprävention“ an der „Schule am Stettiner Haff“, deren Schwerpunkt die geistige Entwicklung der Kinder ist. „Insgesamt werden es zehn solcher Übungseinheiten sein, die die Achterkerke-Stiftung finanziert“, erklärt die amtierende Schulleiterin Ingrid Luczak. „Wir haben im Vorfeld im Kollegium beraten und zehn Schüler ausgewählt, bei denen wir aus den unterschiedlichsten Gründen einen besonders großem Bedarf festgestellt haben.“

Die Antworten, die die elf- bis 13-jährigen Jungs ihrem Trainer geben, sind Kickhefel nur all zu bekannt. Sie haben aus Langeweile geschubst, oder weil der andere angefangen hat. Sie haben gehauen, weil sie nicht gelernt haben, Konflikte mit Worten auszutragen. Oder einfach, weil der Tag zu Hause schon so mies angefangen hat und irgendjemand dafür büßen muss. „Wie könnten wir noch reagieren, wenn wir beleidigt werden?“, bohrt der Trainer weiter. „Einfach weitergehen und nicht hinhören“, kommt eine Antwort. Oder ganz laut „Stopp, lass mich in Ruhe sagen!“, lernen die Jungs im Laufe der Stunde bei einem Rollenspiel. „Wer genügend Selbstbewusstsein hat, erlangt mehr Sicherheit und Durchsetzungsvermögen“, erklärt Holger Kickhefel den pädagogischen Ansatz. Der Aufgabenkomplex erscheint riesig: „Die Kinder sollen lernen, ein natürliches Frühwarnsystem für gefährliche Situationen zu entwickeln, durch Körpersprache und Rhetorik Streit zu verhindern, aber auch, wie sie sich notwehrgerecht verteidigen können.“

Der sportliche Zinnowitzer ist seit acht Jahren an Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen unterwegs und bietet in Zusammenarbeit mit Psychologen, Poizeibeamten, Lehrern und Sozialpädagogen spezielle Kurse zur Gewaltprävention an. „Wir wollen, dass die Schule zur gewaltfreien Zone wird.“

Zwischen Mobbing und Streitmodellen
Elternversammlung einmal anders: Zusammen mit ihren Kindern aus der 3. und 4. Klasse der Krösliner Grundschule waren Mütter und Väter einer Einladung von Ursula Heldt gefolgt. Sie ist Konfliktvermittlerin. Sie kennt sich aus mit aggressiven Verhaltensweisen, mit Schulmobbing, mit Benachteiligung und Ungerechtigkeit — ja selbst mit kriminellen Jugendlichen.

Im Mittelpunkt ihrer monatelangen Projektarbeit in der Grundschule Kröslin standen diesmal Kinder im Alter zwischen acht und neun Jahren. In zahlreichen Schulstunden hatte sie zusammen mit den Pädagogen der Dritt- und Viertklässler ein System erarbeitet, dass es den Kindern ermöglicht, mit den täglichen Streitigkeiten und Auseinandersetzungen besser umzugehen. Ihr Thema:

„Antiaggressions-Training mit Grundschülern“. Das Projekt war auf eine Initiative des Elternrats der Fritz-Reuter- Schule entstanden. „Frau Held ist uns ein wichtiger Partner geworden“, sagt Lehrerin Silvia Rönnau. Und: „Ihre Arbeit mit den Kindern hat auch mir viel gegeben.“ Dem Vorschusslorbeer der Lehrerin schlossen sich am Ende viele Eltern mit kräftigem Beifall an. Auch sie hatten dazu gelernt.

Ursula Heldt demonstrierte zusammen mit den Kindern, wie man das Leben meistern kann. Ihr Credo: „Konstruktives Streiten kann erlernt werden.“ Auch Kinder sollten nach Konflikten lernen, miteinander zu reden. Wichtig sei, so erläuterte die Kursleiterin, nach Streitigkeiten aufzuhören, Schuldzuweisungen auszusenden, sondern vielmehr „meinen eigenen Schuldanteil“ herauszufinden, also aufeinander zuzugehen.

Es gäbe viele gute ausgearbeitete Modelle, die das Einfühlungsvermögen der Kinder mit Geschichten, Liedern und festen Ritualen fördern. „Doch es gibt auch ein konstruktives Streitmodell für die Kleinsten, das dem Erwachsenen-Mediations-Modell nachempfunden wird. Wir gehen mit der Methode des ,sozialen Lernens‘ und Materialien des ,Bensberger-Mediations-Modells“ in Schulen und Kitas und bilden Kräfte darin aus, mit Kindern ein anderes Konfliktverhalten einzuüben. stbr

Das ist EWTO
Die Europäische WingTsun-Organisation (EWTO) widmet sich drei Aufgaben: der Weiterentwicklung der WingTsun-Technik, dem Zusammenhalt aller europäischen WT-Schüler und -Ausbilder sowie die Repräsentanz von WingTsun in der Öffentlichkeit.

Die EWTO-Gewaltprävention hilft Gewalt in der Schule zu vermeiden. Die Schüler lernen nach einem Notensystem, die hilflose Opferrolle (ungenügend) zu verlassen und stattdessen selbstbewusst zu handeln (sehr gut).

www.kickhefel.de

Ingrid Nadler

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OZ

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