Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 11 ° wolkig

Navigation:
Bereit für den Wegzug von Usedom

Zinnowitz Bereit für den Wegzug von Usedom

Der Wahl-Zinnowitzer Gerd Rauschenbach verlässt nach 32 Jahren die Insel / Neuanfang an der Feldberger Seenlandschaft

Zinnowitz. Das Leben von Gerd Rauschenbach ist in Umzugskartons verpackt. Hunderte Bücher, Hocker, Matratzen und Schränke – in seiner Garage stapeln sich die Einrichtungsgegenstände bis unter die Decke. Der 66-Jährige zieht weg aus Zinnowitz und weg von der Insel Usedom. Nach 32 Jahren will er nicht mehr dort wohnen, wo andere hinziehen, um ihren Lebensabend zu verbringen. Die Beweggründe für den Wegzug hat er sich reiflich überlegt. „Diese Insel ist nur noch für den Massentourismus geeignet. An vielen Orten entstehen neue Hotels, viele Stellen werden zubetoniert. Das hat nichts mehr mit sanftem Tourismus zu tun. Es ist ein verlorenes Paradies geworden. Schade eigentlich“, sagt er.

 

OZ-Bild

In der Garage stehen die Möbel und Einrichtungsgegenstände von Gerd Rauschenbach.

Quelle: Foto: Hannes Ewert

Rauschenbach kam 1985 nach Zinnowitz, um die Sanierung der 1981 fertiggestellten Schwimmhalle, die schwere bauliche Mängel aufwies, als Oberbauleiter zu führen. Danach sollte das Kulturhaus saniert werden. Doch kurz vor der Wende stoppten die Arbeiten am Haus. „Das Gebäude wurde ausgeschlachtet wie eine Weihnachtsgans und sich selbst überlassen. Da waren so viele Vandalen drin und zerstörten alles“, sagt er. Dass aus dem einstigen Vorzeigeobjekt wieder ein ansehnliches Schmuckstück im Ostseebad wird, bezweifelt Rauschenbach. „Ich bin noch guter Hoffnung, dass es abgerissen wird und es entsteht mehr Grün im Ort“, betont er. Gerd Rauschenbach gehört zu den Menschen, die oft sprichwörtlich gegen den Strom schwimmen und bei Missständen den Mund aufmachen. Das drückt der Noch-Zinnowitzer häufig in Leserbriefen in der OZ aus. Ob Krankenhausproblematik in Wolgast, Bürgerinitiativen auf der Insel oder Kommunalpolitik – Rauschenbach stieß mit seinen Äußerungen oft auf Widerstand. „Das war schon zu DDR-Zeiten so, dass ich nicht immer der Meinung aller Leute war“, sagt er.

Gerd Rauschenbach ist kein Freund von Bürgerinitiativen, von denen es auf der Insel Usedom und in der Region Vorpommern verschiedene Formen gibt. „Weil die sich oft von ihrem eigentlichen Anliegen lösen und zum Selbstzweck werden und dabei vereinsähnliche Strukturen entwickeln wie ein Gartenverein“, sagt er. „Sie scheuen dabei auch nicht das Zusammengehen mit Rechtspopulisten der übelsten Sorte.“

Ein Grund, warum er Usedom den Rücken kehrt, ist die für ihn gefühlte „provinzielle Enge“. „Ich habe 15 Jahre lang auf Montage gearbeitet, war weltweit unterwegs. Das Reisen weitet den Blick in die Welt. Auf Usedom habe ich das Gefühl, dass viele diesen Weitblick nicht haben.“ Eigentlich wollte Rauschenbach nach dem Abitur Diplomat werden. Doch die Staatssicherheit der DDR hatte ihn im Visier und wollte ihn als Inoffiziellen Mitarbeiter anwerben. Er lehnte das Jobangebot jedoch ab. „Aus dem Diplomaten wurde nichts und ich wurde Schlosser“, erzählt er.

Damals, in den 1980er Jahren, lockten ihn unter anderem Strand und Meer von Thüringen in den Nordosten, doch die Euphorie ist mit den Jahren verflogen. „Die Lebensqualität sinkt durch den immer weiteren Bau von Ferienwohnungen und Hotels. Viele Menschen haben im Winter gar keine Nachbarn mehr, weil dort nur leerstehende Ferienwohnungen stehen. Und im Sommer ist nur Krawall, weil die Urlauber da sind.“

Sein neues Domizil wird nun die Feldberger Seenlandschaft. „Dort gibt es noch sanften Tourismus und keine vollgestopften Straßen“, sagt er. Seine Eigentumswohnung verkaufte er an einen jungen Geldanleger. „Wir ziehen in eine Gegend, in der schon die Schriftsteller Hans Fallada und Fritz Reuter wohl fühlten und berühmt wurden. „Deswegen mühe ich mich gerade mit Reuters ’Dörchläuchting’“, sagt er und lacht.

Hannes Ewert

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Swinemünde
Sara Hamadyk möchte als Barkeeperin in ihrem Job hoch hinaus. Nun nimmt sie an internationalen Wettbewerben teil.

Gebürtige Swinemünderin will zur Barkeeper-WM nach Mexiko

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Wirtschaft
Verlagshaus Zinnowitz

Neue Strandstraße 31
17454 Ostseebad Zinnowitz

Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. von 10:00 bis 17:00

Leiter Lokalredaktion: Dr. Steffen Adler
Telefon: 03 83 77 / 36 10 14
E-Mail: zinnowitz@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.