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„Die Ostsee muss erlebbar sein“

„Die Ostsee muss erlebbar sein“

Heringsdorfs Kurdirektor Thomas Heilmann im OZ-Gespräch über Frust, Herausforderungen und Dünenholz

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Auf Höhe des Hotels „Upstalsboom“ in Heringsdorf können die Urlauber nicht direkt auf die Ostsee schauen.

Quelle: Foto: Oz-Archiv

Drei von sieben Mitgliedern des Tourismusausschusses waren während der Sitzung am Mittwochabend anwesend. Wie denken Sie darüber?

 

OZ-Bild

Thomas Heilmann, Kurdirektor der Kaiserbäder.

Quelle: Foto: Mandy Knuth

Thomas Heilmann: Wir sind mit 3,6 Millionen Übernachtungen im Jahr 2016 eine der größten Tourismusgemeinden in Deutschland. Dass das Thema Tourismus so wenig Beachtung findet, frustriert. Vielleicht lag die fehlende Resonanz auch dem Empfehlungscharakter des Ausschusses. Wenn man allerdings ein Mandat hat, sollte man auch zu solch einer Sitzung kommen – oder den Vertreter schicken.

Trassenheide hat diesen Ausschuss nicht mehr. Zieht Heringsdorf nach?

Das geht nicht. Wir leben hier alle vom Tourismus – durch den Generationsvertrag bis hin zum Rentner. Ich denke, dass wir das alle wissen, aber gelebt wird es oftmals nicht.

Gibt es Sachen, die Sie frustrieren?

Man bringt so viele Ideen wie möglich auf den Weg. Alle Ideen haben nur einen Grund: Die Gemeinde und die Insel voranbringen. Zum Beispiel das Hundeschlittenrennen „Baltic Lights“. Wir erreichen durch dieses Event eine mediale Aufmerksamkeit, wie mit keiner anderen Geschichte. „Baltic Fashion“ hätte davon nur geträumt. Für mich ist der lange, oft sehr zähe Weg bis zum Ziel sehr weit. Noch ein Beispiel: Die Bibliothek sollte in Heringsdorf schon längst stehen. Aber nein, da gibt es ein Landesförderinstitut, in welchem die Bearbeitungszeiten unkalkulierbar und zäh sind. Es ist wie Kaugummi.

Ideen sind da, aber „von draußen“ gibt es Hindernisse?

Auf der Insel könnte es funktionieren, aber welche Entscheidungsgewalt haben wir auf der Insel selbst? Ein Beispiel: Der Bauboom. Ich bin der Meinung, dass wir viel zu viele Betten auf der Insel haben. Wenn sich das Reiseverhalten wieder normalisiert, werden wir das deutlich spüren. Welche rechtliche Handhabe besitzen wir denn? Auch wenn wir sagen, dass dort nicht gebaut werden soll, entsteht dort trotzdem ein Haus mit weiteren Ferienwohnungen, weil die Genehmigungsbehörde in Greifswald nur das Baugesetzbuch zur Hand nimmt und nicht das Gesamte betrachtet.

Welche Erfahrungen machen Sie mit Behörden?

Für die Landesregierung spielt das Thema „Tourismusland Nummer 1“ keine große Rolle. Man unterhält sich ministerienübergreifend über viele Sachen nicht. Ich bin kein Fan davon, viele Bäume zu fällen, aber man möchte den Gästen die Ostsee erlebbar machen. 98 Prozent kommen hierher, weil sie die Ostsee erleben möchten. Ein Ziel wäre, die Ostsee viel öfter von der Promenade aus zu sehen.

Stichwort Dünenkopfpromenade: Wir haben ab der Sternwarte in Richtung Ahlbeck eine Anlandungsküste und gerade in dem Bereich vom Upstalsboom bis zur Grenzstraße ist der Rad- und Fußweg sehr eng. Bei 3,6 Millionen Übernachtungen und vielen Tagesgästen ist es dort zu gefährlich. Eine Dünenkopfpromenade würde die Angelegenheit entschärfen. Da stehen sich zwei Abteilungen eines Ministeriums – das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt und die Forst – absolut konträr gegenüber. Gegenstand der Diskussion ist, dass die Düne als Küstenschutzmaßnahme erhalten bleibt. Die Forst möchte jeden Strauch erhalten. Das ist ja prinzipiell auch in Ordnung, aber an der Stelle wirklich das Richtige? Wir wollen ja nicht die Kiefern wegnehmen, sondern diese besser in Szene setzen. Das Totholz hat da aus meiner Sicht nichts zu suchen. Dann hätten wir den Blick auf die Ostsee. Im Moment schauen wir in ganz viel Kleingehölz.

Welche Angst haben Sie um die Insel?

Dass das Verhältnis zwischen Tourismusintensität und der Insel als Wohnort ins Ungleichgewicht fällt. Durch die vielen polnischen Mitarbeiter, über die Usedom nur glücklich sein kann, entsteht ein neues Sozialgefüge in unserem Ort. Denn diese fahren abends wieder über die Grenze nach Hause und die hiesigen Gaststätten sind nach dem Feierabend nicht mehr Treffpunkt für die Mitarbeiter der Gastronomie und Hotellerie. Die letzte Disko in Heringsdorf hat nun auch geschlossen. Warum? Weil nicht mehr so viel Bedarf da ist, dass es sich lohnt.

Was ist Ihr Wunsch für die Insel?

Ein Bettenstopp für alle. Und, dass die Insel Usedom insgesamt cooler wird. Der Gast von heute findet den Charme sicherlich noch schön. Aber bei meinen Kindern, 14 und 15 Jahre alt, wird das nicht mehr der Fall sein. Bekannte aus Großstädten sagen zu mir, dass es nicht „cool genug“ hier ist. Die Bäderarchitektur und die Ostsee werden immer ihren Reiz behalten, doch am Drumherum müssen wir gemeinsam arbeiten.

Interview: Hannes Ewert

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