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Ein Ausblick zum Verlieben

Lubmin Ein Ausblick zum Verlieben

Björn Kastner baute die alte Wetterstation in Lubmin in ein schmuckes Lokal um.

Lubmin. Dieser Ausblick! Einmalig! Kaum ein anderer Platz in Lubmin dürfte ihn so bieten. Wer an der früheren Wetterstation des Seebads steht, hat den ganzen Bodden vor Augen. Und nicht nur den! Auch den Strelasund, die Gewässerenge zwischen Rügen und dem Festland von Stralsund bis Stahlbrode, kann man von hier aus überschauen. Unglaublich, aber wahr: Bei guter Sicht taucht am Horizont Stralsunds 74 Meter hohe Werfthalle auf.

Björn Kastner wusste den Blick zu schätzen: Als die Seebadgemeinde das alte, nicht mehr genutzte Stationshaus an den Dünen 2012 zur Pacht anbot, um die Versorgung an ihrem westlichen Strandabschnitt zu verbessern, warf Kastner seinen Hut in den Ring. „Anfänglich hatten wir darüber nachgedacht, die alte Wetterstation zum Wasserwanderrastplatz zu machen“, erinnert sich Lubmins Bürgermeister Axel Vogt. Dieser Gedanke aber sei schnell verworfen worden. Schließlich seien auf dem Bodden kaum Wasserwanderer unterwegs. Ein Bistro allerdings schien der Gemeinde sinnvoll. Kastners Konzept habe überzeugt, sagt Vogt.

Björn Kastner, in Lubmin aufgewachsen und Zuhause, kannte den Bau an den Dünen von früher. „Sicher hätte es gereicht, Eis und Bockwurst aus einem Fenster zu reichen“, sagt er. „Aber das Potential war größer.“ Mit Vater und Bruder betreibt Kastner eine Bau- und Möbeltischlerei im Ort. Wie sein Bistro aussehen sollte, wusste er, bevor ihm die Immobilie zuteil wurde.

Mit Hilfe der Familie machte sich Björn Kastner im Winter 2013 an die Arbeit: Nicht alles am Stationshaus durften sie verändern. Weil es im Küstenschutzstreifen steht, hat es Bestandsschutz. Dennoch gelang es den Kastners, mit handwerklichem Geschick ein schmuckes kleines Lokal aufzubauen. Das allerdings war dann doch Neuland für sie. „Wir hatten mit Gastronomie bis dahin ja nichts am Hut“, gibt Björn Kastner zu bedenken. Ohne Tamtam habe er die neue „Alte Wetterstation“ im Juni 2013 eröffnet. Dass sie ankommen würde, davon war Björn Kastner überzeugt. „Aber ich hätte nicht vermutet, dass es so einschlägt“, räumt er ein. Die Leute kamen im Sommer und sie kamen im Herbst, es kamen auch noch welche im Winter. So blieb die „Alte Wetterstation“ ganzjährig geöffnet. Für Kastner und seine Familie brachte das eigene Bistro eine Menge zusätzlicher Arbeit. „Meine Frau, die einen Frisiersalon betreibt, verbrachte so manchen Abend im Lokal und mixte Cocktails“, schildert Lubmins Gastronomie-Newcomer. Vater Helmut, Tischlermeister, wusch und wäscht hin und wieder ab. Kastners Mutter aber bäckt einen Kuchen nach dem anderen. Noch immer steht Björn Kastner von Zeit zu Zeit höchstselbst hinterm Tresen. Nach Feierabend, versteht sich.

Es spricht einiges dafür, die „Alte Wetterstation“ auch im kommenden Herbst und im Winter zu öffnen. Nur wenige Schritte entfernt betreibt der Kreisverband des Roten Kreuzes ein großes Senioren-Wohn- und Begegnungszentrum. Alte Menschen, weiß Björn Kastner, lieben Kaffee und Kuchen. Und sie mögen es gemütlich. Wenn sie dabei auch noch aufs Meer blicken können, dürfte ihr Glück für den Moment fast perfekt sein.

 



Sven Jeske

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