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Eine ganze Generation Landwirte fehlt

Usedom Eine ganze Generation Landwirte fehlt

Der Geschäftsführer der Usedomer Agrar GmbH Jörg Espig beschreibt Branchenprobleme

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Sven Schindelmeiser ist als Fütterer auch für das Wohl der Kälber verantwortlich. In dem Inglu sind sie vor Wind und Wetter geschützt. In der Milchviehanlage beschäftigt die Agrar GmbH 12 Mitarbeiter. Zum Bestand gehören 350 Melkkühe. Mit dem Tierwohlstall soll er um 15 bis 20 Prozent erhöht werden.

Quelle: Foto: Ingrid Nadler

Usedom. „Totgesagte leben länger!“, sagt Jörg Espig zu den wilden Gerüchten, die seit Tagen im Usedomer Inselsüden die Runde machen. „Nein, wir müssen unsere Ernte nicht verpfänden und nein, wir haben auch kein Land verkauft", versichert der Geschäftsführer der Agrar GmbH in Usedom.

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Der Geschäftsführer der Usedomer Agrar GmbH Jörg Espig beschreibt Branchenprobleme

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„Im Gegenteil, wir haben gerade ein kleines Stück Land dazu erwerben können. Dass wir im vergangenen Jahr im Gegenzug 85 Hektar verloren haben, weil der Gemeindekirchenrat unsere Pacht nicht verlängert hat, hat mich sehr geärgert. Immerhin bieten wir 32 Leuten Arbeit und schätzungsweise 60 Prozent von denen sind in der Kirche.

Soziale Verantwortung

Rechnet man 45 Hektar pro Angestellten, hätten wir nach dieser Entscheidung der Kirche eigentlich zwei Mitarbeiter entlassen müssen. Tun wir aber nicht. Wen sollten wir auch entlassen? Die über 50-Jährigen würden keine andere Arbeit mehr bekommen und die Jungen, die würden sofort ihre Sachen packen und die Region verlassen. Die aber brauchen wir für die Zukunft. Uns fehlt eine ganze Generation dazwischen“, beschreibt Espig, wie das Agrarunternehmen seine soziale Verantwortung wahrnimmt und den sich daraus ergebenen Zwiespalt.

Das Unternehmen habe gleichwohl ein schwieriges Jahr hinter sich, räumt Espig ein. „Aber wir halten durch. Und wir werden auf dem Voßberg auch, wie geplant, den neuen Stall bauen. Ich hoffe, dass in diesem Jahr unser Antrag durch kommt und wir Mitte 2018 unseren Tierwohlstall einweihen können. Die halbe Investitionssumme kann zu 40 Prozent gefördert werden.“

Während anderswo der Milchviehbestand reduziert oder gar aufgegeben wird, setzen die Usedomer auf den traditionellen landwirtschaftlichen Kreislauf zu dem Ackerbau und Viehzucht gleichermaßen gehören. „Wir werden unseren Bestand noch um 15 bis 20 Prozent erhöhen wenn der neue Stall fertig ist. Alles andere würde keinen Sinn machen.“

Frühjahrsbestellung beginnt Der Geschäftsführer wartet mit Spannung darauf, dass die neue Düngeverordnung in Kraft tritt, weil diese genau den Kreislauf befördert, nach dem die Hauptnährstoffe für den Ackerbau aus Gülle und Dung bestehen.

In dieser Woche wollen die Usedomer mit der Frühjahrsbestellung beginnen. Als erstes kommen Bohnen und Erbsen in den Boden, danach Sommergetreide und zum Schluss Mais und Zuckerüben.

Um die Wiesen für die Weidewirtschaft trocken zu bekommen, wird an den Schöpfwerken noch fleißig gepumpt.

Mit Sorge betrachtet auch Jörg Espig die Deiche und die Zerstörungen, die der Biber anrichtet. „Wir haben über den Bauernverband eine Petition an das Landwirtschaftsministerium gerichtet und wollen erreichen, dass ein Biberbeauftragter eingestellt wird. Der muss von Fall zu Fall entscheiden, ob die Tiere eingefangen und umgesiedelt oder zum Abschuss freigegeben werden.“ In Bayern sei das schon gängige Praxis, sagt er.

Kosten steigen immens Espig bedauert, dass er neulich verhindert war, als sich in Usedom Landwirte und Bürgermeister mit Behördenvertretern von Kreis und Land getroffen und das Thema Hochwasser diskutiert hatten. Das dort von Dr. Thomas Zarncke, einem Experten des Schweriner Umweltministeriums, vorgebrachte Szenario, wonach ein Teil der Landflächen früher oder später aufgegeben werden müsse, weil die Kosten für die Erhaltung der Flurflächen ins Unermessliche steigen, sieht auch Espig kommen.

Der wichtige Unterschied Allerdings müsse hierbei zwischen Festland und Insel unterschieden werden. „Dass zum Beispiel die Thur überschwemmt wird, kann ich nicht befürworten. Das würde 20 Berufskollegen im Haupt- und Nebenerwerb treffen.“ Und die Mahnung von Detlef Wenzel, Landwirt und Geschäftsführer des Wasser- und Bodenverbandes, dass anscheinend niemand eine mögliche Hungersnot im Hinterkopf habe, hält sein Usedomer Kollege für eine sehr kluge Anmerkung. „Für jede Versiegelung von Boden wird durch die vereinnahmte Ausgleichsfläche gleich doppelt soviel Land verbraucht. Und wenn auch noch die Deiche weggenommen werden, wird die Insel immer kleiner“, befürchtet er.

Ingrid Nadler

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