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„Es gibt erhebliche Sicherheitsbedenken“

Ückeritz „Es gibt erhebliche Sicherheitsbedenken“

Schulleiter Peter Biedenweg weiter in Sorge / Schul-Verbandschef Franz Wöllner: Achterland wird abgehängt

Ückeritz. Es ist Mittwoch, 13 Uhr. An der Ostseeschule ist der Unterricht für heute zu Ende, und 160 Mädchen und Jungen streben dem Bahnhof zu. Ab heute fährt von hier aus kein Schulbus mehr. Wer nicht im Seebad wohnt, wird wohl oder übel zum Zugreisenden.

In wenigen Minuten sind die schmalen Bahnsteige voll. Voll quirligen Lebens. Lachen und Rufe schallen hin und her. „Wann machst du Mathe?“, „Kommst du heute noch vorbei?“ Die Bahnsteigkante ist nur Zentimeter von den herumalbernden Schülern entfernt. Besorgt mischen sich Bundespolizisten und Mitarbeiter der UBB unter die Schüler. „Passt auf und tretet zurück!“ Doch die Mahner finden kaum Gehör.

Noch ist kein Zug zu sehen.

Schulleiter Peter Biedenweg und seine Stellvertreterin Sonja Fischer sind trotzdem besorgt. Sie beobachten die Neuerung im Schülertransport mit Argwohn. „Was, wenn ab morgen hier keine Aufsicht mehr eingreift?“.

Der elfjährige Alex steht etwas abseits. Er mag das Gedränge nicht. Er muss nach Usedom und wirkt etwas angespannt. „In Schmollensee muss ich aussteigen und dann mit dem Bus nach Hause fahren“, erklärt er. Daneben taucht Max auf. Der 15-Jährige hat sich zwei Busnummern auf den Unterarm geschrieben. 282 und 281. „Mit dem einen fahr' ich bis Pudagla und mit dem anderen von da dann nach Morgenitz.“ In Morgenitz sind er und sein jüngerer Bruder Felix zu Hause. Aber bis sie dort ankommen, dauert es noch.

Die Schülerschar kommt in Bewegung, denn der Zug läuft ein. Max ruft noch, dass ihm Kumpels im ersten Wagen einen Platz freihalten mögen und rennt los. Irgendwie haben dann alle einen Sitz gefunden.

Ein Pärchen, das an seinem Gepäck unschwer als Urlauber zu erkennen ist, versucht tapfer, das Gewusele zu ignorieren.

Und es geht schon los. Die ersten bringen sich an der Zugtür sprungbereit in Position. Schmollensee kommt in Sicht. Nur die Bansiner bleiben sitzen. Über 100 Kinder, die in den vielen Dörfern des Achterlandes zu Hause sind, stürzen nach draußen und auf die Busse zu, die mit laufendem Motor bereitstehen. Die Schulleitung hatte jedem Kind noch schnell einen Fahrplan in die Hand gedrückt. Sie sollten sich damit ein bisschen sicherer fühlen. Es nützt nichts, wer nicht schnell genug war, muss stehen. Peter Biedenweg steigt kurz mit ein. Verschafft sich einen Überblick. Am Ende des Tages wird er einen Bericht schreiben. Einen, der sich „gewaschen“ hat.

In Pudagla angekommen, heißt es, aussteigen und auf den nächsten Bus warten. Aber der ist schon weggefahren. Die Kinder sind genervt. Ein paar schmeißen sich auf den im Schatten liegenden Rasen.

Biedenweg telefoniert mit der UBB. „In zehn Minuten kommt ein anderer Bus für euch! Was, wenn wir jetzt nicht hier gewesen wären?“.

Zu den kritischen Beobachtern gehören jetzt auch Angela Teichmann, stellvertretende Bürgermeisterin von Pudagla, und Franz Wöllner. Er ist Vorsitzender des Schulzweckverbandes. „Es empört mich, dass wieder das Achterland abgehängt wird“, sagt er und sieht dringenden Handlungsbedarf. Auch er will sich weiter wenden. „Ich schicke Ihnen die E-Mail-Adresse“, sagt Angela Teichmann. Auch sie ist fest entschlossen, hier nicht tatenlos zuzusehen.

Peter Biedenweg holt die Fahrpläne aus der Tasche und beschreibt einen unglaublich langen Heimweg: „Schauen Sie, wenn unsere Schüler nicht sechs, sondern acht Stunden Unterricht haben, sind die Kinder aus Gummlin, Stolpe und Welzin erst kurz vor 17 Uhr zu Hause, weil sie in Usedom noch eine Stunde auf ihren Anschlussbus warten müssen.“ Ein voller Arbeitstag! Unfassbar, wer wollte das bestreiten!

Sonja Fischer, Biedenwegs Stellvertreterin, ist wütend: „Schade, dass die Wahl schon vorbei ist. Sonst hätte sich ein Kandidat vielleicht um den Schülertransport verdient gemacht. Das Problem muss von der Politik gelöst werden. Dazu gehören alle Beteiligten an einen Tisch. Und das möglichst schnell.“ Auch der Schulleiter hat seine Beschwerde im Kopf schon fast fertig. „Das, was wir heute gesehen haben, bestärkt meine Besorgnis. Es gibt erhebliche Sicherheitsbedenken.“

Mittlerweile ist der Ersatzbus da. Lysann muss noch in den Lieper Winkel und hofft, dass der Bus in Usedom auf sie wartet. Leon wird inzwischen von seiner Mutter mit dem Pkw abgeholt. „Er muss ja auch noch Hausaufgaben machen“, sagt Nicole Kühl ärgerlich und braust los in Richtung Balm.

Ingrid Nadler

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