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„Flughafen darf nicht in Privathand fallen“

Heringsdorf „Flughafen darf nicht in Privathand fallen“

Hotelier Thilo Naumann nennt im OZ-Gespräch Konzepte, wie der Airport Heringsdorf auch ohne fremde Hilfe gerettet werden kann.

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Hotelier Thilo Naumann

Heringsdorf. Der Flughafen Heringsdorf ist für Usedom eine der wichtigsten infrastrukturellen Einrichtungen. Er darf nicht verkauft werden, sagen die am Flughafengeschäft beteiligten Hoteliers. Der Kreis als alleiniger Gesellschafter möchte den defizitären Airport aber loswerden (die OZ berichtete). Der Chef der Arbeitsgemeinschaft der Hoteliers, Thilo Naumann, spricht im OZ-Interview über neue Finanzierungsmöglichkeiten und die Rolle der Gemeinde Heringsdorf dabei.

OSTSEE-ZEITUNG: Warum wollen die Hoteliers, dass der Flughafen in öffentlicher Hand bleibt?

Thilo Naumann: Der Airport ist mit Steuergeldern errichtet und betrieben worden zur Stärkung der Infrastruktur auf der Insel. Wir leben hier im äußersten Nordosten der Bunderepublik. Der Weg für Urlauber aus Süddeutschland ist sehr lang. Viele wollen diese Strecke nicht mit dem Auto zurücklegen. Wir sind froh über jeden Gast, der mit dem Flieger anreist. Wir Hoteliers machen uns für den Ticketverkauf stark, bieten Übernachtungen im Paket mit Flugtickets an. Jetzt will der Kreis den Flughafen an einem privaten Investor verkaufen, von dem nicht bekannt ist, dass er aus der Branche kommt. Für die laufenden Verhandlungen mit den Airlines für 2014 brauchen wir aber Sicherheiten. Der Flughafen darf nicht in Privathand fallen.

OZ: Aber der Flughafen arbeitet defizitär. Die Kosten liegen bei jährlich 1,1 Millionen Euro. 600 000 Euro erwirtschaftet der Airport, die fehlende halbe Million hat immer der Kreis beigesteuert. Der ist hoch verschuldet. Der Kreistag hat eine Halbierung der Zuschüsse beschlossen. Wo kommt der fehlende Rest von 250 000 Euro her?

Naumann: Über eine Ausweitung der Kapazitäten und durch eine moderate Erhöhung der Gebühren sollen 125 000 Euro aufgebracht werden. Und wir werden erneut den Kontakt zu den anderen Inselgemeinden suchen, denn wir profitieren alle von der schnellen Flugverbindung zur Insel. Denkbar wäre, dass sich die anderen Kommunen 2014 mit jeweils einem Euro pro Einwohner an der Unterstützung des Flughafens beteiligen.

OZ: Was verstehen Sie unter Ausweitung der Kapazitäten?

Naumann: Wir wollen größere Flugzeuge einsetzen. Bei den laufenden Verhandlungen soll erreicht werden, dass das kleinste Flugzeug 90 Sitzplätze hat. Das größte Flugzeug, das die Insel anfliegt, soll ein Airbus 319 mit 145 Plätzen sein. Insgesamt streben wir an, dass pro Woche gut 500 Fluggäste auf die Insel kommen. Je nach Saison könnten 70 bis 150 Gäste davon aus der Schweiz anreisen.

OZ: Was ist mit Polen?

Naumann: Wir arbeiten bereits zusammen. Die polnische Airline Eurolot holt Urlauber aus Dortmund und Köln und bringt Gäste aus Warschau hierher. 2014 könnte diese Airline auch die Urlauber aus der Schweiz abholen. Da die Stadt Swinemünde riesiges Interesse hat, den Flughafen Heringsdorf zu erhalten, sind auch Gespräche mit dem Stadtpräsidenten über eine Beteiligung am Flughafen sinnvoll.

OZ: Trotz erweiterter Kapazitäten und des 250 000-Euro-Zuschusses vom Kreis fehlen aber immer noch 125 000 Euro. Wo kommen die her?

Naumann: Wir hoffen auf die Unterstützung durch die Gemeinde Heringsdorf. Zwar hat die Gemeindevertretung nur beschlossen, dass eine Beteiligung der Usedom Tourismus GmbH am Airport geprüft wird. Aber es ist noch nicht zu spät: Die Arge schlägt vor, dass sich die Gemeinde nur für das Jahr 2014 zur Zahlung von 125 000 Euro verpflichtet. Das könnte, wie von der Verwaltung angeregt, aus der Fremdenverkehrsabgabe oder einem 2012 erwirtschafteten Überschuss entnommen werden. Der Tourismusausschuss befürwortet das. Für eine dauerhafte Lösung zur Flughafenfinanzierung ab 2015 schlagen wir die Bildung eines zeitweiligen Gemeindeausschusses vor. Dem sollten nur kompetente Leute — Mitglieder der Arge, der Bürgermeister und Vertreter der drei größten Fraktionen des Heringsdorfer Gemeindeparlaments — angehören. Der Ausschuss hat dann ein Jahr lang bis zum Herbst 2014 Zeit, eine solide Lösung für das Fortbestehen des Flughafens in öffentlicher Hand zu erarbeiten und mit dem Kreis zu verhandeln.

Aktionstag am Sonnabend
„Pro Flughafen Heringsdorf“ nennt sich der Aktionstag am Sonnabend für den Erhalt des Heringsdorfer Airports. Von 10 bis 18 Uhr finden direkt auf der Freifläche neben dem Airportgebäude zahlreiche Aktionen statt. Dazu gehört auch eine Unterschriftensammlung.

 

Interview: Cornelia Meerkatz

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