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Usedom „Flughafen darf nicht verkauft werden“
Vorpommern Usedom „Flughafen darf nicht verkauft werden“
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03:36 09.09.2013
Eine Q 400 der polnischen Eurolot landete aus Köln kommend mit 75 Passagieren an Bord auf dem Flughafen Heringsdorf. Quelle: Cornelia Meerkatz
Heringsdorf

Es scheint „Klick“ gemacht zu haben bei vielen Touristikern, Hoteliers und Vermietern auf der Insel Usedom: Zum kurzfristig von der Arbeitsgemeinschaft der am Ticketverkauf beteiligten Hoteliers (Arge) organisierten Aktionstag für den Erhalt des Flughafens Heringsdorf in öffentlicher Hand waren viele von ihnen zusammen mit Einheimischen und zahlreichen Schaulustigen aufs Flughafengelände nach Zirchow gekommen. Interessiert verfolgten sie die Landungen der Passagiermaschinen aus Wien, Düsseldorf, Stuttgart, Köln, Warschau, Dortmund, Zürich und Bern, die von Mai bis Oktober am Wochenende die Insel Usedom anfliegen. „Durch die Flüge kommen jede Woche rund 500 Urlauber auf die Insel, die nicht mit ihren Autos anreisen“, macht der Bansiner Hotelier und Arge-Chef Thilo Naumann deutlich.

Er sammelte zusammen mit weiteren Akteuren Unterschriften für den Erhalt des Flughafens in öffentlicher Hand. Allein am Sonnabend kamen dadurch 500 Unterschriften zusammen. Außerdem nahmen Reisende Unterschriftenlisten mit nach Köln und Düsseldorf. Zudem werden in vielen Hotels der Kaiserbäder Unterschriften gesammelt.

Ingrid und Peter Peiffer reisten ebenso wie Martin und Brigitte Fuchs mit der Maschine aus Köln an. Die Rentner machen alle das erste Mal Urlaub auf Usedom und sehen in der Flugverbindung eine ideale Anreisevariante. „Für uns sind lange Autofahrten mit Stau und Baustellen nichts mehr. Wenn es diese Möglichkeit, mit dem Flieger hierher zu kommen, nicht gäbe, hätten wir Usedom nicht im Urlaubsplan“, sagt Ingrid Peiffer (74) aus Gnevenbroich. Auch Martin Fuchs aus Köln ist begeistert vom schnellen Anflug. „In anderthalb Stunden sind wir an der Ostsee. Das ist ein Standortvorteil gegenüber anderen Ostseeinseln. Wenn man mit dem Auto anreist, dauert es ewig und teuer ist es auch bei den Spritpreisen. Das Flugzeug war voll, das Angebot findet Zuspruch“, resümiert er.

Naumann kann ihm da nur beipflichten. 6225 verkaufte Tickets pro Jahr garantiert die Arge auf innerdeutschen Flügen. Die Nachfrage sei steigend. Aus diesem Grund sollen ab 2014 größere Maschinen eingesetzt werden, darunter ein Airbus 319 mit 145 Sitzplätzen. „Aber das geht nur, wenn der Flughafen noch existiert“, macht Naumann mit Blick auf die heutige Kreistagssitzung deutlich, auf der über einen möglichen Verkauf des defizitären Airports an einen russischen Privatinvestor (OZ berichtete) informiert werden soll.

Damit genau dies nicht passiert, hat sich noch am Freitagabend die Gemeindevertretung Heringsdorf in einer Sondersitzung mehrheitlich positioniert. Unter dem Vorbehalt ergebnisoffenener Verhandlungen mit dem Kreis zur Beteiligung am Flughafen ist Heringsdorf bereit, im Jahr 2014 zum Ausgleich des Defizits 125 000 Euro aus dem Gewinn der kommunalen Kaiserbäder Tourismus Service GmbH (KTS) beizusteuern. Weitere 125 000 Euro sollen durch mehr verkaufte Tickets und höhere Gebühren aufgebracht werden. Die Verhandlungen mit dem Kreis zum Anteilserwerb soll ein zeitweiliger Ausschuss führen, dem neben Arge-Chef und KTS-Geschäftsführer je ein Vertreter der drei großen Fraktionen im Heringsdorfer Gemeindeparlament sowie Bürgermeister angehören.

Die Bündnisgrünen im Kreistag Vorpommern-Greifswald haben sich bereits strikt gegen eine komplette Privatisierung des kreiseigenen Flughafens Heringsdorf ausgesprochen. „Der Flughafen muss in öffentlicher Hand bleiben, damit die Steuerung seiner Entwicklung auf demokratischem Weg erfolgen kann“, erklärte Fraktionsmitglied Waldemar Okon. „Denkbar aus unserer Sicht ist höchstens eine Teilprivatisierung mit Sperrminorität des Kreises und Streuung der Trägerschaft auf weitere Gemeinden und Akteure auf der Insel“, stellte Okon klar. Neben der Gemeinde Heringsdorf profitierten viele andere Gemeinden vom Flughafen — sie sollten auch ihren Beitrag zur Stabilisierung des Betriebes leisten.

Der Insel-Airport
45 000 Passagiere sind im vergangenen Jahr mit dem Linienflugzeug auf die Insel Usedom gekommen. Sie reisten aus Dortmund, Düsseldorf, Köln/Bonn, Frankfurt, Stuttgart, Zürich und Bern sowie aus Wien und Warschau an.

3 Millionen Euro an Steuern würden laut einer Studie der Uni Bielefeld dem Land Mecklenburg-Vorpommern jährlich entgehen, wenn der Flughafen geschlossen würde.

6225 verkaufte Flugtickets garantiert eine Arbeitsgemeinschaft von Hoteliers der Kaiserbäder jährlich.

Cornelia Meerkatz

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