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Handwerkernotstand: „Wann haben Sie nächstes Jahr Zeit?“

Greifswald Handwerkernotstand: „Wann haben Sie nächstes Jahr Zeit?“

Die Firmen freut’s, die Kunden eher weniger: Zum Teil müssen sie bis zum nächsten Juni auf einen Termin warten / Firmen fehlt Personal: „Der Markt ist wie leergefegt“

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Wolfgang Becker (vorn) und Christian Riemer vom Baugeschäft Udo Piest in Koserow bei Arbeiten am örtlichen „Charlottenhof“.

Quelle: Steffen Adler

Greifswald. Kleinigkeiten ließen sich möglicherweise noch dazwischenschieben. „Aber große Sachen, die gehen erst nächstes Jahr“, sagt ein Greifswalder Dachdecker. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen, „weil sonst ja noch mehr Leute anrufen“. Telefon und Fax würden kaum mehr stillstehen. „Ich habe schon versucht, Kunden an andere Handwerker weiterzuvermitteln. Aber bei denen sieht es ähnlich aus.“

Die Umsätze der Baubranche wachsen schnell (siehe Infokasten), die Auftragslage ist beachtlich. „Der Motor brummt“, fasst Heiko Miraß, Chef der Arbeitsagentur, zusammen. In diesem Jahr sei die Situation sogar „besonders extrem“, sagt Franziska Pens, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Vorpommern-Greifswald. Mitunter würden schon Leistungen fürs nächste Jahr ausgeschrieben, um die Firmen zu sichern. „Für die Betriebe sind volle Auftragsbücher natürlich schön, für Kunden, die deshalb länger warten müssen, eher weniger.“ Die Situation sei vom Prinzip her wohl landesweit vergleichbar, möglicherweise sehe es in der gesamten Bundesrepublik so aus.

„Nach der Wende wurde viel gebaut. Nun, mehr als 25 Jahre später, ist die Zeit fürs Sanieren gekommen“, nennt Pens einen möglichen Grund. Ebenso könnte der Flüchtlingszuzug eine Rolle spielen: Für die Unterbringung wurde viel Wohnraum benötigt, der erst mal auf Vordermann gebracht werden musste.

Viel Arbeit, viel Umsatz: Erlebt das Handwerk goldene Zeiten? Bedingt. Firmengründungen gibt es nicht mehr als sonst, die Preise für die Leistungen steigen nicht stärker als üblich. Die Unternehmen in Vorpommern-Greifswald würden gerne noch mehr Aufträge annehmen, können es aber oft nicht, weil sie schon ausgebucht sind. Eine Lösung wäre, den Betrieb zu vergrößern und mehr Leute einzustellen.

Einer Umfrage der OZ bei Firmen in der Region zufolge plant dies aber kaum jemand. Es wäre auch nur schwer möglich, denn es mangelt an qualifiziertem Personal. Und die Situation verschärft sich weiter. „Die Betriebe haben noch zahlreiche freie Lehrstellen“, bedauert Pens.

„Ich könnte sofort fünf Maler und einen Auszubildenden einstellen“, sagt etwa Axel Hochschild, der in Greifswald einen Maler- und Lackierbetrieb hat und auch der Landes- und der Regionalinnung vorsteht. „Der Markt ist aber wie leergefegt.“ Mittlerweile müsse auch er Kunden schon auf 2017 vertrösten. „So früh im Jahr mussten wir das noch nie machen.“

Auf der Insel Usedom ist die Situation nicht ganz so eindeutig, Dachdecker haben beispielsweise noch freie Plätze im Terminkalender. Die Genossenschaft in Ückeritz schickt ihre Mitarbeiter sogar auf Montage bis nach Hannover, wie Geschäftsführerin Cornelia Buch berichtet. Für die 15 Mitarbeiter und drei Azubis gebe es auf der Insel im Sommer zu wenig zu tun. Ferienwohnungen würden in der Hochsaison vermietet und nicht saniert. „Ab September steppt hier aber der Bär“, sagt sie. „Bis der erste Schnee kommt.“

Auch für die Bauklempnerei von Daniel Brandt aus Ahlbeck fängt die Hochsaison nach Ende der touristischen Saison an. „Dann ist es brutal voll.“ Aufträge würde er aber noch – mit etwas Vorlauf – annehmen können.

Völlig ausgebucht ist hingegen der Betrieb von Udo Piest aus Koserow, der Neubau, Umbau und Sanierung anbietet. „Nächstes Jahr im Juni ist wieder etwas frei.“

Freie Lehrstellen in prosperierender Branche

68,7 Millionen Euro wurden im Jahr 2014 im Landkreis Vorpommern-Greifswald im Ausbaugewerbe umgesetzt. 2013 waren es noch 64,2 und 2012 noch 56,8 Millionen.

637 Ausbildungsstellen sind in diesem Jahr im Landkreis Vorpommern-Greifswald noch unbesetzt, obwohl das Ausbildungsjahr teilweise schon im August begonnen hat. Auf die insgesamt 1498 Stellen kamen 1063 Bewerber. Somit standen jedem Bewerber statistisch gesehen 1,5 Plätze zur Verfügung. Im Handwerk ist

das Verhältnis teilweise höher als 1:2. Unbesetzte Stellen gibt es zum

Beispiel noch in diesen Bereichen:

Hochbau 14, Tiefbau neun, Aus- und Trockenbau fünf, Klempnerei, Sanitär, Heizung und Klimatechnik zwölf.

• Mehr Infos: www.arbeitsagentur.de

Kai Lachman

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