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Usedom IHK-Präsident: Mindestlohn wäre der Ruin
Vorpommern Usedom IHK-Präsident: Mindestlohn wäre der Ruin
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03:48 29.08.2013
Im Süden kriegt man ein hohes Gehalt, hat aber auch hohe Ausgaben.“Walter Kienast, IHK Neubrandenburg

Greifswald — Was tun gegen den Fachkräftemangel in der Region? Die OZ sprach darüber mit Walter Kienast, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Neubrandenburg.

OZ: Herr Kienast, viele Unternehmen in Vorpommern finden nicht mehr genügend geeignete Mitarbeiter. Selbst schuld, könnte man sagen. So lange die Löhne in MV deutschlandweit am geringsten sind, werden keine Arbeitnehmer aus anderen Bundesländern oder Polen hierher kommen. Richtig?

Kienast: Geld ist ja nur das eine. Vor allem jungen Leuten können wir hier durchaus etwas bieten, weil bei vielen Unternehmen in Vorpommern bald ein Generationenwechsel ansteht, also ein großer Teil der Arbeitnehmer in Rente geht. Das bedeutet, man hat als neuer Mitarbeiter bei uns Aufstiegschancen, Bildungschancen.

OZ: Was nützt das, wenn man kaum etwas verdient?

Kienast: So wenig verdienen die Arbeitnehmer hier ja gar nicht. Unlängst habe ich wieder gehört, dass es inzwischen viele Rückkehrer gibt — Leute, die etwa aus der Schweiz zurück nach Vorpommern gehen, weil sie im Süden zwar ein hohes Gehalt bekamen, aber auch sehr hohe Lebenshaltungskosten hatten. Das wird in der Debatte immer vergessen.

OZ: Wollen Sie damit sagen, wir brauchen hier gar keine höheren Löhne?

Kienast: Doch, in vielen Branchen müssten wir nachbessern, das stimmt. Aber man kann das nicht einfach verordnen. Diese 8,50 Euro Mindestlohn für alle Branchen, die derzeit im Gespräch sind, wären für viele Unternehmen ein Problem.

OZ: Existenzbedrohend?

Kienast: Ja, wir haben das mal für einzelne Betriebe durchgerechnet. Wenn der am geringsten qualifizierte Mitarbeiter, etwa ein ungelernter Hausmeister, 8,50 Euro pro Stunde bekommt, dann muss ich als Chef auch bei allen anderen die Löhne erhöhen, damit das Verhältnis wieder stimmt. Aber da gibt es sogar gut laufende Firmen, die nach drei Monaten pleite wären, wenn sie das täten.

Lohnerhöhungen gehen nur Schritt für Schritt. Dafür müssen wir die Effektivität der Betriebe voran bringen. Das geht allerdings in vielen Fällen langsamer als gedacht.

OZ: Woran liegt das, was hören Sie von Unternehmern in Ihrem Bereich: Worüber klagen die noch, wenn nicht über fehlende Fachkräfte?

Kienast: Die meisten klagen im Moment gar nicht, das zeigt unsere aktuelle Konjunkturumfrage. Große Sorgen machen den Firmenchefs in der Region aber die steigenden Energiepreise. Sie fragen sich, wo das noch hingeht. Die Endpreise der Produkte werden steigen müssen, und man weiß nicht, ob die Verbraucher da mitspielen.

OZ: Was fordert die IHK Neubrandenburg?

Kienast: Wir sagen, den Ausstieg aus der Atomenergie haben wir alle gewollt und dass die Energiepreise damit steigen würden, war klar. Aber die Relationen müssen gewahrt bleiben. Wir sammeln derzeit Fakten, um zu überprüfen, welche Preiserhöhung tatsächlich gerechtfertigt wäre. Der einzelne Unternehmer ist der Erhöhung bisher hilflos ausgeliefert.

Klar ist auch: Allein mit alternativen Energien wird es in Deutschland nicht gehen. Für eine verlässliche und bezahlbare Energieversorgung brauchen wir einen Energiemix.

OZ: In ein paar Monaten werden die Neubrandenburger IHK-Vollversammlung und der Präsident neu gewählt. Würden Sie den Job gern weiter machen?

Kienast: An sich schon, aber ich werde nicht mehr zur Verfügung stehen. Ich bin ja auch Chef des Greifswalder Unternehmens Greifenfleisch und gehe dort 2015 in Rente. Der Präsidentenposten ist außerdem ein Ehrenamt, für das viel Zeit drauf geht. Aber ich mache das schon auch gern. Von Unternehmern bekomme ich immer wieder das Gefühl vermittelt, dass wir hier schon viel erreicht haben.

Das motiviert mich.

Sybille Marx

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