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Immer mehr Senioren arbeiten auch noch im Rentenalter

Greifswald/Netzeband Immer mehr Senioren arbeiten auch noch im Rentenalter

Bundesweit ist jeder sechste Deutsche über 65 Jahre noch erwerbstätig / MV liegt mit einer Beschäftigungsquote von 13,5 Prozent auf Platz 12 / Im Kreis liegt sie darunter

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Monika Engel arbeitet auch mit 74 Jahren noch. In der Vorpommern Haustechnik GmbH bearbeitet sie die Wartungsaufträge.

Quelle: Cornelia Meerkatz

Greifswald/Netzeband. Arbeitende Rentner: Längst gehören sie in etlichen Unternehmen der Region zum gewohnten Bild. Mittlerweile ist jeder sechste Deutsche nach dem Eintritt ins Rentenalter noch berufstätig. In den industriellen Ballungszentren geht es ohne Hilfe der Älteren überhaupt nicht. Im Nordosten ist die Zahl arbeitender Senioren zwar deutlich geringer als in anderen Bundesländern, doch immer mehr Firmen beschäftigen vor allem wegen der großen Berufserfahrung und Kompetenz Rentner in Teilzeit.

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Bundesweit ist jeder sechste Deutsche über 65 Jahre noch erwerbstätig / MV liegt mit einer Beschäftigungsquote von 13,5 Prozent auf Platz 12 / Im Kreis liegt sie darunter

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Monika Engel ist eine von ihnen. Allwöchentlich am Montag, Mittwoch und Donnerstag setzt sie sich in die Usedomer Bäderbahn und fährt von Stralsund nach Hohendorf. Von dort geht es nach Netzeband.

Der 74-Jährigen steht dabei der Sinn nicht nach Ausflug, auf sie wartet an diesen Tagen ein Schreibtisch voller Arbeit. Denn in der Vorpommern Haustechnik GmbH verdient sich die Seniorin ein Zubrot zu ihrer kleinen Rente: Sie erstellt Angebote für Bauherren und überprüft Wartungsverträge.

Für ihren Arbeitgeber Karsten Schönfeldt ist die Rentnerin ein Juwel, ein „Engel“. „Sie arbeitet seit 15 Jahren bei uns und hat den totalen Überblick“, lobt der Firmenchef, der früher mit seiner Mitarbeiterin in einem Stralsunder Betrieb tätig war. „Dann kam die Pleite. Ich war 59 Jahre alt und habe die Firma ’zugeschlossen’“, erinnert sich Monika Engel. Zum Glück sei Karsten Schönfeldt in die Selbstständigkeit gegangen und habe sie dazugeholt.

Dennoch macht die Ingenieurökonomin kein Hehl daraus, dass sie vor allem noch arbeitet, weil die Rente gerade für das Notwendigste reicht. „Die Miete kostet schon über 500 Euro. Auch die Versicherungen fressen ein Vermögen. Wenn dann beim Auto eine Reparatur dazukommt, fehlt das Geld“, erklärt sie. Deshalb sei sie auch auf den Zug umgestiegen. „Ich hoffe, dass ich noch zwei, drei Jahre ’was tun kann, arbeite ja seit meinem 16. Lebensjahr und fühle mich noch fit“, so Engel. Der jetzige Zuverdienst ermögliche es ihr, auch mal mit den Enkeln einen Ausflug zu unternehmen oder ihnen eine Kleinigkeit extra zukommen zu lassen.

Arbeiten im Rentenalter: Auch Helga Thrun kennt das, wenngleich sie mittlerweile keinem bezahlten Job mehr nachgeht. „Doch die ersten zwei Jahre, nachdem ich zu Hause blieb, habe ich noch regelmäßig gearbeitet. Immer sonntags beim Bäcker Brötchen verkauft“, erzählt die heute 72-Jährige. Fast 45 Jahre habe sie im Handel gearbeitet, das letzte Drittel bei jenem Bäcker. Zu Reichtum habe sie es nicht gebracht. „Mit meiner Rente von 800 Euro und der kleinen Witwenrente reiche ich gerade so über den Monat. Passieren darf eigentlich nichts“, erzählt die Greifswalderin. Und dennoch gebe es Phasen, in denen sie nicht wisse, wie sie über die Runden kommen soll. „2015 war für mich so ein schwieriges Jahr. Erst die Zahnprothese, dann der Tüv fürs Auto. Der Wagen ist zwar schon zwölf Jahre alt, aber mein einziger Luxus, den ich mir gönne. Ich brauchte damals neue Sommerreifen“, blickt Helga Thrun zurück. Um die Rechnungen begleichen zu können, habe sie einen erhöhten Dispokredit beantragt. Mittlerweile sei wieder alles im Lot. Aber wehe, ein Haushaltsgerät gebe den Geist auf ... Für solche Fälle etwas auf die hohe Kante zu legen, sei ihr kaum möglich. „Ich schaue ja schon immer die Angebote der Discounter durch, um so sparsam wie möglich einzukaufen“, berichtet Helga Thrun. Auch die Wohnung in Schönwalde sei für ihr Empfinden nicht zu groß: Zwei Zimmer mit Balkon – 58 Quadratmeter für 475 Euro Warmmiete. Und wo bleiben die Wünsche, die jeder hat? „Einen kleinen Urlaub würde ich gern mal wieder machen. Der letzte war 2006 mit meiner Tochter. Aber demnächst ist da nichts drin“, sagt Helga Thrun.

Landkreis / Stadt 2015 2010 2005 2000 Anstieg
Vorpommern-Greifswald 10,8 % 6,3 % 4,0 % 3,8 % + 188,5 %
Mecklenburgische Seenplatte 12,2 % 6,3 % 4,8 % 4,6 % + 164,7 %
Nordwestmecklenburg 12,5 % 7,7 % 4,9 % 4,8 % + 160,6 %
Vorpommern-Rügen 13,2 % 6,9 % 4,6 % 4,0 % + 227,9 %
Ludwigslust-Parchim 14,2 % 8,7 % 6,0 % 5,1 % + 179,2 %
Landkreis Rostock 14,3 % 9,4 % 5,9 % 5,2 % + 175,7 %
Rostock 14,5 % 8,0 % 5,7 % 5,7 % + 152,1 %
Schwerin 20,2 % 13,1 % 12,4 % 11,1 % + 81,5 %
Durchschnitt MV 13,5 % 7,9 % 5,5 % 5,0 % + 167,6 %
Durchschnitt Deutschland 16,6 % 11,4 % 9,1 % 8,0 % + 108,3 %

Petra Hase und Cornelia Meerkatz

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