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„Kann mir eine Bohrstelle im Gewerbegebiet Ahlbeck vorstellen“

Wirtschaft „Kann mir eine Bohrstelle im Gewerbegebiet Ahlbeck vorstellen“

Heringsdorfs Bürgermeister Lars Petersen (CDU) sieht durchaus auch Alternativ-Standorte für die geplante Gasförderung in Bansin

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Bürgermeis- ter Lars Petersen

 

Heringsdorf In der Debatte um Erdgas-Förderpläne des französischen Energiekonzerns Engie bringt Heringsdorfs Bürgermeister Lars Petersen (CDU) einen neuen Stando

rt für den Förderbetrieb ins Gespräch: Statt des alten Klärwerks in Bansin seien auch Flächen am Ahlbecker Gewerbegebiet prinzipiell geeignet. Zu verhindern ist die Ausbeutung des Gasvorkommens aus seiner Sicht jedoch nicht.

Touristiker fürchten um den Ruf der Urlaubsinsel Usedom, Anwohner warnen vor Schäden an ihren Häusern, wenn bei Bansin Erdgas gefördert werden sollte. Trotzdem appellierten Sie bei der Vorstellung der Pläne durch den französischen Energiekonzern Engie, „der Firma eine Chance“ zu geben. Sie teilen die Sorgen nicht?

Lars Petersen: Ich bin nicht begeistert darüber, dass in der Tourismusgemeinde an der Ostseeküste mit jährlich über drei Millionen Übernachtungen Erdgas gefördert werden soll. Ich fürchte aber, dass wir die Gasförderung am Schloonsee und damit im Zentrum haben werden, wenn wir sie nicht verhindern können. Das wäre für die Gemeinde der Super-Gau.

Warum sollte die Förderung nicht zu verhindern sein? Die Mehrheit der Bürger und der Touristiker ist dagegen, und die Gemeinde besitzt die Planungshoheit.

Petersen: Es geht um das Bergrecht — das ist ein sehr hochrangiges Recht. In Gesprächen mit dem Bergamt, dem Energie- und dem Wirtschaftsministerium ist uns als Gemeinde deutlich gemacht worden, dass Engie die rechtlichen, technischen und finanziellen Möglichkeiten zur Gasförderung am Schloonsee besitzt. Damit gibt es aus Sicht der Verwaltung keine Chance, das Vorhaben zu verhindern.

Die politischen Gremien können sich zwar dagegen aussprechen — aber dann könnte der Landkreis als Genehmigungsbehörde für alle Bauvorhaben die fehlende Zustimmung der Gemeinde ersetzen. Übrigens hat sich der Landkreis für die Gasförderung ausgesprochen.

Das klingt nach vorauseilendem Gehorsam ...

Petersen: Man sollte die Chancen abwägen. Deshalb rate ich als Bürgermeister dazu, eine von Engie angebotene einvernehmliche Lösung zu finden: Das könnte aus meiner Sicht heißen, dass das Gas nicht am Schloonsee gefördert wird. Sondern dort, wo der Tourismus am wenigsten beeinträchtigt wird und die Auswirkungen auf Natur und Umwelt am geringsten sind.

Also am alten Klärwerk in Bansin?

Petersen: Das wäre eine Variante. Ich könnte mir aber auch vorstellen, dass man die Bohrstätte am Gewerbegebiet in Ahlbeck errichtet oder bei der ehemaligen Russenkaserne hinter dem Ahlbecker Sportplatz. Das sind jedoch nur Ideen, die noch nicht eingehend geprüft sind. Aber: Wir hätten an jenen Stellen keine Anlieger, auch keine Hotels.

Engie hat berechnet, dass ein anderer Förderplatz als jener am Schloonsee zusätzliche Kosten von 40 bis 50 Millionen Euro verursachen würde. Warum sollte ein großer Energiekonzern so viel investieren, nur um einer relativ kleinen Gemeinde einen Gefallen zu tun?

Petersen: Es ist angenehmer, solch ein Projekt gemeinsam zu bewältigen. Auch besteht die Gefahr, dass sich das Vorhaben bei einer Klage der Gemeinde lange hinzieht. Wir sprechen über eine Förderung von 25 000 Kubikmetern Gas pro Stunde über 30 bis 40 Jahre. Da kommt also eine Summe zusammen, gegenüber der die 50 Millionen nur ein Tropfen auf den heißen Stein wären. Ich halte es für eine mehr als faire Geste von Engie, eine einvernehmliche Lösung zu suchen — obwohl das Unternehmen aus meiner Sicht darauf nicht angewiesen ist. Wenn andere (Gemeindevertreter; d.Red.) meinen, sie können erfolgreich klagen, ist das deren gutes Recht. Als Bürgermeister sehe ich es aber so, dass ich das Vorhaben nicht verhindern kann und deshalb versuchen muss, das Beste für die Gemeinde herauszuholen. Etwa bei der Gewerbesteuer: So viele Unternehmen, die pro Jahr sechs- bis fast siebenstellige Beträge zahlen, haben wir in der Gemeinde nicht. Man darf auch nicht vergessen, dass Engie andere Förderoptionen besitzt, die aber nicht vom Heringsdorfer Gemeindegebiet ausgehen würden. Stichwort Offshore: Dann hätten wir einen Förderturm vor der Küste.

Angenommen, die Gemeinde erhält von Engie im Gegenzug für eine andere Förderfläche das bisher reservierte 28 Hektar große Filetstück am Schloonsee. Was will die Gemeinde damit machen?

Petersen: Als Verwaltung haben wir uns darüber noch keine Gedanken gemacht, weil uns das Grundstück noch nicht gehört — auch wenn es natürlich verschiedene Ideen gibt: von der Schloonsee-Promenade über Parkraum, vielleicht auch sozialer Wohnungsbau

Sozialer Wohnungsbau in solch einer Lage? Ist es nicht wahrscheinlicher, dass Pläne für einen Yachthafen am Schloonsee wieder aufleben, die bis vor drei Jahren für Debatten sorgten?

Petersen: Eine Marina steht uns als Ostseebad sicher gut zu Gesicht. Aber es wären riesige Einschnitte in die Natur nötig: Wir müssten den Strand und eine Straße (für die Hafenzufahrt;

d.Red.) trennen — ich weiß nicht, ob das mehrheitsfähig ist.

Sozialer Wohnungsbau würde sicher nicht direkt unten am See stattfinden; aber das Gelände zieht sich bis zur Landesstraße hin, nämlich bis hinter die Feuerwehr. Aber wie gesagt: Konkrete Pläne gibt es noch nicht.

 



Siegfried Denzel

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