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Läuft Usedoms einziges Zeesboot bald auf Grund?

Usedom Läuft Usedoms einziges Zeesboot bald auf Grund?

Seglerin Rika Harder sieht sich von allen Seiten ausgegrenzt

Usedom. Behalten die Feriengäste das einzige Usedomer Zeesboot als maritime Attraktion? Oder bringen widrige Umstände und verantwortliche Personen ihre Eignerin samt Gefährt um ihre Existenz? Rika Harder, die seit vielen Jahren Zeesbootsegeln mit ihrer „Romantik“ vom Usedomer Stadthafen aus gewerblich anbietet, sieht sich jedenfalls in allergrößten Nöten. Zwar nutzt sie derzeit, während der Hafen der Inselstadt ausgebaut wird, interimsmäßig einen Liegeplatz in Karnin, doch ist die hohe Pacht dafür inzwischen anwaltlich umstritten und die Perspektive für 2018 düster. Darüber hinaus weiß sie nicht, ob sie nach Fertigstellung des Millionen schweren Hafenprojektes wieder einen Liegeplatz bekommen wird. Ihre Skepsis jedenfalls ist beträchtlich.

Bürgermeister Jochen Storrer (parteilos), mit dem sie darüber bereits viele Gespräche und einen umfänglichen Briefwechsel geführt hat, winkt ab. Zwischenzeitlich hätten schon etwa 15 bis 20 Bootseigentümer einen solchen Liegeplatz-Antrag gestellt. Beschieden sei noch kein einziger. Das werde die Stadtvertreterversammlung erst in etwa einem Jahr machen, wenn die Fertigstellung zur Saison 2019 naht. Geduld, mahnt er an. Warum sollte bei 30 geplanten Plätzen Frau Harder nicht dabei sein?, fragt das Stadtoberhaupt. „Zur Zeit werden die Anträge im Amt aber erst einmal gesammelt.“

Doch das beruhigt Harder nicht. So, wie ihr vor und während der Hafen-Bauzeit von vielen Seiten unmissverständlich bedeutet worden sei, „wir wollen Sie hier nicht“, geht sie davon aus, weiteren Enttäuschungen ausgesetzt zu werden. Kein Wunder, dass sie sich deshalb mit Dunja Schimmel, einer Berliner Mediatorin mit Wohneigentum in Ahlbeck, Beistand gesucht hat. Deren Überzeugung, sich intensiv um Lösungen zu kümmern, basiert auf schlechten Erfahrungen ihrer Mandantin. Da sei die aus 2014 stammende, nicht eingehaltene, Zusage des Ministerialrates Klaus-Dieter Frey aus dem Wirtschaftsministerium für einen Ausweichliegeplatz; dann die von den Pächtern des Karniner Hafens, dem Ehepaar Bärenwald, gegenüber Harder aufgemachte Pachtforderung von 4100 Euro (bei einer selbst zu zahlenden Pacht von nur 5600 Euro/Jahr), die sie als wirtschaftlich für Harder unannehmbar bezeichnet. Und schließlich auch noch die latente Gefahr, dass mit deren Zeesboot das maritime Angebot vom Usedomer See „weggemobbt“ werde. Alles zusammengenommen, hat der Vorgang für Schimmel, die aktive Sozialdemokratin und eine erfahrene Streitschlichterin ist, mit „sozialer Gerechtigkeit“ nichts mehr zu tun. „Es mangelt offenbar an Transparenz, Klarheit und Offenheit“ unter den Verantwortlichen, beklagt sie. Ihre Mandantin werde, obwohl verhandlungsbereit, immer wieder eiskalt ausgebremst.

Kompromissbereitschaft sehen indes auch Bürgermeister Storrer und der ebenfalls inzwischen zu Rate gezogene Staatssekretär Patrick Dahlemann (SPD) als Grundvoraussetzung für jedwede Lösung an. Doch Harder habe sie bislang nicht in ausreichendem Maße aufgebracht. Laut Storrer reichen deren Attacken von einer Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn bis zu völlig unrealistischen Forderungen, etwa für Werbebanner und -schilder in der Stadt nichts bezahlen zu wollen. „Alles soll sich nur um ihre Belange drehen“, moniert der Rathauschef und bestätigt, dass deshalb keiner mit der resoluten Frau zu tun haben möchte. Harder und Schimmel wiederum mutmaßen eine handfeste Männerrunde um den Amtschef Karl-Heinz Schröder (CDU), die niemandem mit politischer Courage eine wirtschaftliche Chance einräume. Ihr beispielsweise das marode Bollwerk von Ost- oder Westklüne als Liegeplatz zu empfehlen, grenze schon an Frechheit.

Nun naht 2018, und Harder steht „vor dem Nichts“. Zwar hat sie Avancen anderer Inselhäfen, sie zu günstigeren Bedingungen festmachen zu lassen, doch stehen ihr Haus und Hof eben nahe Usedom. Und in der Saison täglich zwischen der Inselstadt und Krummin zu pendeln, funktioniere überhaupt nicht.

Hilfe, die sich die Skipperin auch vom Insel-Tourismusverband erhofft hatte, sei ausgeblieben. Verbandsvize Michael Raffelt habe per Brief unter anderem lediglich mitgeteilt, dass sich Harder um die Lösung ihrer ureigenen geschäftlichen Interessen schon selbst kümmern müsse.

Staatssekretär Dahlemann hat sich nach eigenen Worten Zeit für Gespräche und Telefonate genommen, am Ende weist aber auch er auf die Notwendigkeit hin, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Da er selbst ein begeisterter Zeesbootfahrer (von Mönkebude aus) sei, werde er schon „genau hinsehen“, wie sich das Problem am Ende darstellt. Er setzt auf eine verträgliche Lösung: „Das Zeesboot gehört in den dann top sanierten Hafen.“

Zu einer ähnlichen Position mag sich René Bergmann vom Süd-Amt nicht versteigen. Er sammelt Anträge und kündigt an, erst dann, wenn der Hafenausbau in die finale Phase geht, kalkulieren zu können, wieviel für Liegeplätze zu zahlen sein wird. Die Entscheidung über die Vergabe liege dann bei den gewählten Volksvertretern.

Steffen Adler

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