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„Qualität soll vor Quantität stehen“

Zinnowitz/Koserow „Qualität soll vor Quantität stehen“

Dehoga-Vorsitzender Krister Hennige spricht über Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit auf Usedom

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Das Ostseebad Koserow bekam im Jahr 2011 den 3. Preis in der Kategorie „Tourismus für alle“ für ihre Barrierefreiheit am Strand.

Quelle: Foto: Kv Koserow

Zinnowitz/Koserow. Zwei Tage tagten Vertreter aus dem Tourismus- und Gaststättengewerbe gemeinsam mit der Kurverwaltung und bundesweiten Experten in Zinnowitz, um sich über die Herausforderungen zu verständigen, welche Anforderungen es an einen barrierefreien Urlaub gibt. Auf der Tagesordnung stand auch das Thema Nachhaltigkeit. Die OZ sprach mit Krister Hennige, Usedomer Hotelier und Vorsitzender der Dehoga in Ostvorpommern.

OZ-Bild

Dehoga-Vorsitzender Krister Hennige spricht über Nachhaltigkeit und Barrierefreiheit auf Usedom

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Was bedeutet Nachhaltigkeit im Tourismus?

Krister Hennige: Wir bieten Dinge an, die für beide Seiten von Vorteil sind – sowohl für den Touristen als auch für die Menschen vor Ort. Die Grundidee ist, ein Handlungsprinzip zur sinnvollen Ressourcennutzung zu finden und damit einen Nutzen für alle Beteiligten.

Bitte ein Beispiel!

Die Mehrfachbenutzung der Handtücher oder die Nutzung von Blockheizkraftwerken. Im Bereich des Essens könnte es bedeuten, dass man keine Einweg-Plastik- Teller und Besteck nimmt, sondern mehrfachverwendbares Material. Man könnte die Imbissstände dazu bewegen, wiederverwertbare Geschirrsachen zu benutzen. Nachhaltigkeit bedeutet auch, dass das Essen aus der Region kommt und nicht um die halbe Welt transportiert werden muss. Damit wird auch die eigene Wirtschaft nachhaltig gestützt. Eine weitere Möglichkeit ist, die Mobilität der Urlauber zu verändern, indem sie vom Fahrrad mehr Gebrauch machen. Es muss dafür attraktive Angebote geben. Die Urlauber sollten auf der Insel das Auto stehen lassen und auf die Angebote zurückgreifen, die es gibt.

Inwieweit wird dies schon auf Usedom praktiziert?

Im Bereich der Hotellerie ist die Nachhaltigkeit sehr stark durchstrukturiert. Dieses Interesse haben die Hotelbetreiber schon vor vielen Jahren entdeckt. Wirtschaftliche Prozesse müssen optimiert werden. Wir müssen dem Gast aber auch klar machen, was Nachhaltigkeit bedeutet.

Wie geht es mit der Umsetzung der Imbissstände in Zinnowitz voran?

Die Kurverwaltung besorgt dieses Geschirr künftig, welches aus einem nachhaltigen Rohstoff hergestellt ist. Die Verwendung dieser Materialien ist die Voraussetzung für die Genehmigung der Imbissstände. Was übrig bleibt, wird wiederverwertet. Auf dem Bauhof gibt es einen Container, der das Geschirr zersetzt. Das wird in einem Komposthaufen angesetzt und nach ein paar Jahren entsteht daraus Erde. Dieses Projekt gilt Dank der Initiative der Kurverwaltung ab sofort.

Wie groß ist die Nachfrage von Urlaubern mit eingeschränkter Mobilität?

Sehr groß. Wir befinden uns in einem demografischen Wandel, in dem die geburtenstarken Jahrgänge in wenigen Jahren ganz stark mit möglichen Mobilitätseinschränkungen auf den Markt drängen. Aber auch heute ist es wichtig, dass wir mobilitätseingeschränkten Urlaubern die Möglichkeit bieten, leicht an den Strand zu kommen und sie müssen sich auch am Strand einfach bewegen können. Dünennahe Wege wie in Koserow sind eine Lösung. Es geht aber auch darum, dass in den Hotels Barrierefreiheit vorhanden ist. Keine Schwellen, breitere Türen, Haltegriffe, Aufzüge, breite Duschen, rollstuhlgerechte Wege in die Restaurants, geeignete Toiletten.

Wie hoch ist der Anteil der Touristen, die darauf angewiesen sind?

Wir haben auf der Insel Usedom sehr viele ältere Urlauber. Viele von ihnen haben bereits ihre Einschränkungen, wie zum Beispiel Knie- oder Hüftschäden. Sie müssen sich beim Duschen festhalten, dürfen keine steilen Treppen laufen und so weiter. Aber auch die Gemeinden müssen darauf achten. Zum Beispiel bei den Strandabgängen – dort sind Haltestangen von Vorteil. Ein Vorzeigebeispiel ist Koserow. Dort gibt es Holz- und Kunststoffplatten, auf denen die Urlauber fahren können – direkt bis zum Strandkorb. Eine ganz tolle Sache. Zinnowitz bereitet gerade diese Umsetzung vor.

Was müsste sich ändern, damit dies alle haben?

Die Geldgeber sind die jeweiligen Kurverwaltungen. Die müssen sagen, dass sie die Optimierungen im Strandzugangsbereich haben wollen.

Wie und wo sehen Sie die Insel Usedom und die Region in fünf bis zehn Jahren?

Der Tourismus ist weiterhin die bestimmende Wirtschaftskraft auf der Insel. Die Qualität der Angebote steht vor der Quantität. Der öffentliche Verkehr mit Bus und Bahn ist dann der wesentliche Verkehrsträger auf der Insel. Die Bahn hat sich in ihrer Leistungsfähigkeit erheblich gesteigert, die Taktzeiten sind verkürzt, die Züge sind länger und in ihrer Anzahl mehr. Damit ist eine Verlagerung des Verkehrs auf den Öffentlichen Personennahverkehr um mindestens 40 Prozent gegenüber heute erreicht. Die Kurkarten gelten als Ticket für Bus und Bahn inselweit und für die Einheimischen gibt es eine günstige Jahreskarte. Die Insel wird nachhaltiger und lebenswerter für Inselbewohner, Gäste und Arbeitende. Das Erhalten unserer Natur und des gemeinsamen Lebensraums als das Ursprüngliche an Usedom sollte im Focus allen Handelns stehen.

Interview: Hannes Ewert

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