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Sie erteilen der Insel eine Abfuhr

Neuendorf/Bansin Sie erteilen der Insel eine Abfuhr

Auf Usedom-Tour mit Männern der Abfallwirtschaft von Alba / 240-Liter-Tonnen vor Hotels und Gaststätten geleert

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Reinhard Brandt (r.) und Ronny Manthey entsorgen die 240-Liter-Tonnen am Bansiner Sky-Markt. Fotos (6): Henrik Nitzsche

Neuendorf/Bansin. Die Bansiner Seestraße ist wie leergefegt. Ein, zwei Jogger laufen Richtung Strand, nur vor dem Bäcker bildet sich schon eine Schlange. Dabei biegt das Abfallauto gerade in die Einkaufsmeile des Kaiserbades ein – wenig Menschen sind zu sehen, dafür viele Mülltonnen: Es ist kurz nach 8 Uhr, Zeit für die sogenannte Gewerbetour der Firma Alba Nord GmbH. Wer die Tonnen der Hotels, Gaststätten und Pensionen leert, braucht ein breites Kreuz. So wie Reinhard Brandt. 24 Jahre sitzt der Zinnowitzer schon am Steuer – „ich wollte schon immer Kraftfahrer werden“, sagt der 61-Jährige und hält vor dem neuen Bansiner Beachhotel „Kaiserstrand“. Die Warnleuchten gehen an. Brandt und sein Kollege Ronny Manthey (32) schnappen sich nacheinander die fünf 240-Liter-Tonnen, die am Hotel stehen. In zehn Minuten ist der Gewerbemüll im Hecklader verschwunden. Brandt gibt Gas – es geht weiter in die Bergstraße.

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Gut zwei Stunden sind die Männer bereits mit ihrem dunkelblauen Lkw der Marke Scania unterwegs. Schichtbeginn ist 6.15 Uhr – pünktlich fahren sie vom Hof der Niederlassung in Neuendorf. „Um die 60 Kunden werden heute abgefahren“, sagt Niederlassungsleiter Maik Höbing. Die Tour beginnt in Zinnowitz und endet in den Kaiserbädern. Und das mehrmals die Woche. „15 bis 16 Tonnen können es pro Tour werden“, sagt Brandt. Ein nicht unerheblicher Teil kommt vom Beachhotel. „Es ist schon Wahnsinn, was bei uns im Haus an Müll anfällt“, sagt Hotelmanager Jan Sonnenburg. Dreimal in der Woche werden fünf der großen schwarzen Tonnen mit Gewerbemüll geleert. „Weil das nicht reicht, werden wir dem Hotel jetzt einen Pressbehälter zur Verfügung stellen. Dann kann die zehnfache Menge entsorgt werden“, kündigt Maik Höbing an. Zu Albas Kunden gehört die gesamte Seetel-Gruppe. Insgesamt vertrauen dem Unternehmen rund 640 Hotels, Pensionen, Gaststätten, Restaurants und Campingplätze in der Region Insel Usedom, Wolgast, Anklam, Greifswald, Stralsund und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. „Hausmüll, Gewerbeabfälle, Spülleistungen, Gelber Sack oder Papierabfuhr gehören zu unserem Portfolio“, sagt Höbing, der vor vier Jahren die Niederlassung in Neuendorf auf dem Gnitz übernommen hat.

Seine beiden Mitarbeiter sind inzwischen über Zinnowitz und Zempin nach Koserow gekommen. Brandt biegt in den Kreisverkehr ein und schimpft. „Der ist viel zu klein. Da fehlt eine Abbiegespur zu Karls. Dann hätten wir auch keine Staus mehr“, sagt der Zinnowitzer, der um die Zeit noch stressfrei auf der B 111 fahren kann. „Noch eine Stunde, dann sieht es hier ganz anders aus.“

Nächstes Ziel: Kiki’s Bootsverleih. Auf dem Gelände ist viel Platz – Brandt stößt zurück und holt mit seinem Wolgaster Kollegen die Tonne. Abgehakt. Wieder ist ein Auftragszettel abgearbeitet. „Jetzt geht es zum Strandhotel Seerose, eine schwierige Anfahrt“, sagt Brandt. Denn zum Hotel am Strand kann er nur rückwärts ranfahren. „Jetzt geht es aber noch, weil nicht so viele Radfahrer unterwegs sind“, so der Zinnowitzer, der bei Alba hauptsächlich Papier fährt. Und heute Neuling Ronny Manthey vieles auf der Tour erklärt. Der 32-Jährige ist erst seit 14 Tagen im Unternehmen. „Vorher war ich bei einer Umzugsfirma. Durch einen Bekannten habe ich gehört, dass hier Kraftfahrer gesucht werden“, erzählt Manthey, der Mitglied in der Wolgaster Feuerwehr ist. Und daher auch viel Zeit auf den Straßen verbringt. „Die Brutalität im Straßenverkehr hat zugenommen“, findet Manthey. Fahrer Brandt pflichtet ihm bei: „Bei der Entsorgung auf der Straße flattern einem schon die Hosen, wenn solche Wilden vorbeifahren.“ Die Zeit für Gespräche im Fahrerhaus ist knapp – die nächsten Tonnen warten am „Deutschen Haus“ in Ückeritz und am Sky-Markt in Bansin. Geleert. Der nächste Abfall wartet am Bansiner „Hotel zur Post“. Der Alba-Laster will nach links abbiegen – Brandt flucht: „Da komme ich nicht vorbei.“ Ein Pkw mit polnischem Kennzeichen steht in der Einfahrt. Gut, dass das Duo eine weitere Alternative hat. Nun geht es über die Waldstraße zum Hotel. Rückwärts schiebt er den Scania in die Einfahrt – sieben Tonnen sind randvoll. Inzwischen ist es neun Uhr. Warten bei der Ausfahrt, auf den Straßen ist nun mehr los. Viele Urlauber strömen jetzt zum Strand. Für die Alba-Mitarbeiter bleibt nur der Blick zur Ostsee, wenn sie in der Bansiner Bergstraße an den prächtigen Villen aus der Kaiserzeit vorbeifahren.

Die Kaiserbädertour ist geschafft. Nun geht es nach Neppermin in die Umladestation. Hier hat Platzmeister Christian Köster das Sagen. „Hier wird alles vorgetrennt, bis der Müll in die Aufbereitungsanlage nach Berlin geht. Wir trennen hier Metall, Kunststoffe, Holz, Pappe und Papier“, so Köster. Während sein Mitarbeiter Norbert Höppner mit dem Radlader die Müllberge in der großen Halle zusammenschiebt, sind Brandt und Manthey bereits wieder auf der Straße. Um 15 Uhr ist Feierabend. Um 4.30 Uhr klingelt bei Brandt der Wecker – knapp zwei Stunden später fährt er vom Hof zur nächsten Tor.

Umladestation in Neppermin

103 Mitarbeiter sind in Vorpommern in den Niederlassungen Neuendorf (72), Velgast und Gützkow beschäftigt.

40 Fahrzeuge stehen auf dem Hof der Niederlassung in Neuendorf. Das sind Hecklader, Containerfahrzeuge, Saugspülwagen und Pritschenfahrzeuge.

2500 Tonnen pro Jahr sind es bei Papier und Pappe.

5000 bis 6000 Tonnen gewerblicher Müll werden in der Umladestation in Neppermin im Jahr umgeschlagen.

2,2 Milliarden Euro erwirtschaftete die Alba Group 2015.

Henrik Nitzsche

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