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Strandkorb-Frust in den Kaiserbädern

Heringsdorf/Ahlbeck Strandkorb-Frust in den Kaiserbädern

Ferienwohnungsvermieter dürfen keine Körbe mehr aufstellen / Kurdirektor: Müssen Überangebot eindämmen

Heringsdorf/Ahlbeck. Aus der Traum vom Rundum-Komfort-Angebot inklusive Strandkorb in Ferienwohnungen der Kaiserbäder! Kurverwaltung und Gemeinde setzen jetzt eine spezielle Satzung („Über die Einschränkungen des Gemeingebrauchs ... am Ostseestrand“) energisch um. Und das bedeutet, dass nur noch Einwohner mit Haupt- oder Nebenwohnsitz in Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck eine Strandkorbmarke erhalten. Sie erlaubt es ihren Besitzern, ein solches Sonnenmöbel direkt an der feinsandigen Wasserkante aufzustellen. Für Vermieter von Ferienwohnungen ist eben das ab sofort nicht mehr erlaubt. Sie werden, wenn sie in Einrichtungen der Kurverwaltung in dieser Absicht vorsprechen, seit wenigen Wochen abgewiesen und bleiben ohne Korb-Marke.

Der Frust über diese Verfahrensweise ist bei etlichen unmittelbar Betroffenen groß. So bei Reimund und Dunja Juliana Schimmel, die in Ahlbeck eine Villa inklusive zweier Ferienwohnungen haben, die bislang beide mit einem Strandkorb zusätzlich aufgewertet wurden. „Es gab an unsere Adresse keine schriftliche Information über die veränderte Verfahrensweise, und wir sind über die Art und Weise, wie Verantwortliche mit uns als Vermieter kommunizieren, richtiggehend entsetzt“, beschreibt Dunja Schimmel ihren Gemütszustand nach inzwischen diversen Gesprächen. Außerdem weiß sie nun gar nicht, wohin mit dem guten Sitzmöbel ... Post bekommen von der Kurverwaltung hat hingegen eine Vermieterin aus Frankfurt/Oder, die ebenso sauer über das Vorgehen der Kaiserbäder ist. Da sie erst im Winterhalbjahr einen neuen Korb gekauft hat und dieser nun am Strand steht (was er aber eigentlich nicht mehr dürfte), ist sie ratlos: Was mit der nicht gerade billigen Neuanschaffung nun machen?

Für Schimmels ist das veränderte Gebaren der zuständigen Stellen und Mitarbeiter auch deshalb fragwürdig, weil es noch im April in der Kurverwaltung sinngemäß hieß: Stellen Sie die Körbe ruhig schon auf, das mit den Marken wird später erledigt. Für die Berliner klang das so wie: Es wird alles wie bislang gehandhabt.

Aber Irrtum! Tatsächlich setzen Kurdirektor Thomas Heilmann und sein Team nunmehr jene Satzung um, die vom 30. April 2015 stammt. Bürgermeister Lars Petersen (CDU) gibt zumindest zu, dass dies in der Vergangenheit womöglich fehlerhaft, zumindest aber nicht resolut genug gehandhabt worden sei. Hintergrund für den Sinneswandel könnte indes ein erfolgreich geführter Rechtsstreit der Gemeinde sein, in dem es genau um diese Frage ging: Hat ein Ferienwohnungsbesitzer und -vermieter das Recht, nach seinen Vorstellungen Strandkörbe an einem speziellen Strandabschnitt aufzustellen, oder nicht?

Während die Kläger, Christina und Hein Buschkowsky (langjähriger, aber inzwischen ausgeschiedener Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln mit SPD-Parteibuch) genau dies glaubten durchsetzen zu können, wurde erst im Mai ihre Beschwerde gegen das von der Gemeinde ausgesprochene und vom Verwaltungsgericht bestätigte „Nein“ vom Oberverwaltungsgericht zurückgewiesen. Buschkowskys wollten sich auf OZ-Anfrage dazu jetzt nicht mehr äußern, doch wissen sicher beide beteiligte Seiten des Rechtsstreites, dass auch die Kaiserbäder mit der Urteilsbegründung eine ganze Reihe von noch zu erledigenden Hausaufgaben auferlegt bekommen haben. Das bezieht sich sowohl auf fehlende Eindeutigkeit der bereits genannten Satzung als auch auf die Zweitwohnsitz-Regelung im Zusammenhang mit der nun eingeschlagenen Verfahrensweise. Bei der Bestückung einzelner Strandbereiche von einer bestimmten Zahl von Strandkörben auszugehen, werde nach eigenem Ermessen (offenbar der Kurverwaltung) vorgenommen. Auch das rügt das Urteil des OVG.

Kurdirektor Heilmann indes erklärt die Hauptgründe für die veränderte Regelung so: „Wir wollen und dürfen keine weitere Verdichtung von Strandkörben zulassen. Es sind genügend da, die Besitzer von Ferienwohnungen sollen sich, wie die Hotels und Pensionen auch, an die gewerblichen Korbvermieter wenden.“ Dann könne man ja auch zu rabattierten Kontingenten für die ganze Saison kommen. Ihm sei zugearbeitet worden, dass bis Mitte Mai 201 Strandkorbbesitzer in Sachen Korbmarken schriftlich informiert worden wären. Heilmann ahnt jedoch auch, dass die tatsächliche Zahl der Betroffenen weitaus größer sein dürfte. Pikant: Ein direkter Datenabgleich mit dem Meldeamt der Gemeinde sei leider aus Datenschutzgründen bislang nicht möglich, moniert er.

Bürgermeister Petersen verhehlt nicht, dass er Betroffenen empfiehlt, sich per Zweitwohnsitz in Heringsdorf anzumelden, um damit das Recht auf einen – allerdings ausschließlich privat zu nutzenden – Strandkorb zu erlangen. „Dann profitiert die Gemeinde wenigstens steuerlich davon; immerhin wird unsere Infrastruktur ja auch von allen Leuten im Ort genutzt.“ Ihm ist freilich klar, dass eine solche Regelung neue Trickserei bei der tatsächlichen Strandkorbnutzung auslösen dürfte.

Heilmann sichert derweil zu, dass die umstrittene Satzung noch einmal überarbeitet werden soll, um Missverständlichkeiten bei der Interpretation gänzlich auszuschließen. Und er versichert: „Es gibt keine Ausnahmen für einzelne Hoteliers oder Pensionsbetreiber.“

Steffen Adler

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