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Traditionsfleischer in Usedom macht dicht

Usedom Traditionsfleischer in Usedom macht dicht

Ursula und Heinz Wilhelm schließen Geschäft in der Peenestraße / Hier konnte man auch „hintenrum“ einkaufen

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Es macht Spaß, bei ihnen einzukaufen: Ursula Wilhelm (r.) und Verkäuferin Monika Döring haben den selben Humor. Fotos (2): Ingrid Nadler

Usedom. Ursula und Heinz Wilhelm schließen ihren Laden in der Usedomer Peenestraße in einer Woche für immer. Sie sind 65 und 66 Jahre alt und fühlen sich nun alt genug für den Ruhestand. Den mehr als verdienten Ruhestand! Wer also noch einmal ihre „DDR-Jagdwurst“ kaufen möchte oder den über Buchenspänen geräucherten Speck ....

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Ursula und Heinz Wilhelm schließen Geschäft in der Peenestraße / Hier konnte man auch „hintenrum“ einkaufen

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Wir waren immer da. Sie haben am Tor- weg gekloppt.“Ursula Wilhelm

Nein, lassen wir das. Werbung haben die bescheidenden Geschäftsleute überhaupt nicht nötig. Die Zahl der Stammkunden, die ihnen seit Dezember 1989 die Treue halten, ist beträchtlich. Selbst Urlauber, die Jahr für Jahr kommen, kaufen bei Wilhelms ein, bevor sie ihr Ferienquartier an der Küste ansteuern. Usedom hat nicht viele solcher Anlaufpunkte. Umso bedauerlicher ist es, dass Ursula Wilhelm ihren Laden vergeblich einem Nachfolger als Filiale angeboten hat.

Der Laden mit den wunderschönen blau-weißen Fliesen hat eine lange Geschichte. Ursulas Großvater, der Schlächtermeister Heinrich Schulz, hat das Grundstück 1908 gekauft und das Geschäft begründet.

Später hat es sein Sohn Georg bis 1977 weitergeführt. „Noch heut’ und diesen Tag“ sagen die alten Usedomer, dass sie bei Schulz' einkaufen.

Dann hat der Konsum bei ihnen Einzug gehalten. Und Heinz Wilhelm und seine Frau, mittlerweile Eltern von Kathrin und Frank, haben den Fleischwagen der Genossenschaft durch die Dörfer kutschiert. Bis die Wende ihnen eine Entscheidung abverlangte. Sollen sie das Risiko einer Selbstständigkeit auf sich nehmen? Sie müssten eine Menge investieren und Arbeitstage in Kauf nehmen, die nicht enden wollen. Sie haben es gewagt. Wie viele in dieser schwierigen Umbruchzeit. Heinz Wilhelm hat seinen Meistertitel erworben und fortan einen Großteil der Wurst selber gemacht.

„Unser Vorteil war, dass man uns kannte. Wir sind beide ja gebürtige Usedomer“, sagt Ursula Wilhelm. Heinz hat sich reingekniet in seine Arbeit und Leberwurst, Streichmettwurst, Schinken, Speck und Co. zu etwas Besonderem gemacht. Das aber hatte seinen Preis. „Wir haben kein Wochenende frei gehabt und in den ersten zehn Jahren auch keinen Urlaub gemacht“, blickt die 65-Jährige zurück. Die Usedomer wussten, dass Uschi und Heinz eigentlich immer da waren und haben einfach „am Torweg gekloppt“, wenn sie etwas vergessen hatten oder sich unerwartet Besuch angemeldet hat. „Hintenrum einkaufen“, wo gibt es das sonst noch! „Besonders schlimm war es in der Grillsaison. Da sind die Stolper Jungs oft angekommen.“ Ursula Wilhelm schmunzelt bei der Erinnerung. Sie ist gutmütig, hat immer einen Scherz auf den Lippen. Auch noch, als sie sich vor 18 Jahren einen Fußgelenkbruch zugezogen hat, der ihr bis heute Schmerzen bereitet.

Höchste Zeit, von ihrer Verkäuferin Monika Döring zu sprechen. Moni ist nämlich eine besondere Aufgabe zugekommen. Ursula Wilhelm erzählt, wie sich vor ihnen ein neues Geschäftsfeld aufgetan hat:

„Wir haben zwischendurch für uns Mittag gemacht und wenn es gut nach Essen gerochen hat, sind wir manchmal gefragt worden ,haste nich noch einen Teller für mich übrig?' So ist es gekommen, das aus dem üblichen Imbissangebot wie Bockwurst und Boulette ein komplettes Mittagsmenü geworden ist. Mit Kartoffeln und Gemüse aus dem eigenen Garten. Mittlerweile sind es 50 bis 60 Portionen, die Tag für Tag über den Ladentisch gehen oder am Stammtisch nebenan eingenommen werden. Auch damit ist nun leider Schluss. „Es ist schon ein bisschen Wehmut dabei“, gesteht Ursula Wilhelm. Aber ihr Fuß tut ihr weh und braucht Ruhe. Soweit sie sich Ruhe überhaupt vorstellen kann. Denn: „Ich mag Gartenarbeit und meine Hühner und Enten...“ Und ihr Mann? „Ich spiele bei den Alten Herren von Grün-Weiß Fußball.“

Und, werden sie nun reisen? Sie zögern. Man merkt, dass sie am liebsten zu Hause sind. Zu Hause in Usedom. Aber dann nennt Heinz Wilhelm doch noch einen Reisewunsch: „Nach München werden wir beid'

noch mal hinfahren. München möcht' ich sehen.“

Ingrid Nadler

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