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Usedom droht durch Tunnel bis 2030 deutlich mehr Verkehr

Usedom Usedom droht durch Tunnel bis 2030 deutlich mehr Verkehr

Die polnische Stadt Swinemünde plant den Bau eines Tunnels unter dem Fluss Swine. Mit dem Projekt - so die Befürchtungen auf Usedom - wird die Insel noch stärker durch Verkehr belastet. Das würde dann gelten, wenn der Grenzübergang für große Laster geöffnet werden würde.

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Christian Pegel (SPD).

Quelle: Jens Büttner/archiv

Usedom. Mit dem Bau eines auf polnischer Seite geplanten Tunnels unter dem Fluss Swine droht der Insel Usedom zum Teil deutlich mehr Verkehr. Wie aus Gutachten des Verkehrsministeriums hervorgeht, könnte je nach Szenario vor allem der Schwerlastverkehr bis 2030 massiv ansteigen. Das Worst-Case-Szenario mit einem Schwerlastanteil von 45 Prozent würde dann eintreten, wenn zusätzlich zum Bau des Tunnels die Tonnage-Begrenzung für Lastwagen am Grenzübergang Garz (bislang 7,5 Tonnen) aufgehoben und die Bundesstraße 110 ausgebaut werden würde. „Usedom würde dann zu einem Zubringer zum Hafen Swinemünde werden“, sagte Gutachter Christian Bock am Freitag.

Unabhängig vom Bau des Tunnels rechnen die Verkehrsplaner bis 2030 mit einer Zunahme des Gesamtverkehrs auf Usedom um 13 und des Schwerlastverkehres um 32 Prozent. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) sprach sich gegen eine Öffnung des Grenzüberganges für große Lastwagen aus. Unter Berufung auf ein Rechtsgutachten zeigte sich Pegel zuversichtlich, dass eine Begrenzung auch europarechtlich Bestand haben werde.

Eine Freigabe am Grenzübergang zöge einen immensen LKW-Verkehr auf die Insel, ohne dass er zu einem Mehrwert führen würde, sagte Pegel. Bleibe der Grenzübergang für große Laster geschlossen, würden vorrangig Tagesausflügler den Tunnel nutzen. Die Verkehrszuwächse seien dann moderat. Pegel räumte ein, dass die bereits jetzt obere Leistungsfähigkeit der Straßen auf der Insel erreicht sei.

Die polnische Stadt Swinemünde plant den Tunnel, der 2022 befahrbar sein soll. Ihr Stadtgebiet erstreckt sich auf Teile der Inseln Usedom und Wollin. Über den Fluss gibt es bislang keine feste Straßen- oder Schienenverbindung. Hinzu kommt, dass der Hafen von Swinemünde ausgebaut wird. Neben einem Flüssiggas-Terminal planen die Swinemünder ein großes Terminal, über das künftig der gesamte Getreideumschlag von Polen abgewickelt werden könnte. Bereits jetzt gehen 12,5 Millionen Tonnen Güter pro Jahr über den Hafen.   

Die Gutachten lösten heftige Diskussionen aus. Der Heringsdorfer Bürgermeister Lars Petersen (CDU) bezeichnete die Studien als „Gutachten ohne Realitätsbezug“, weil bei der Bewertung des Touristenverkehrs nur die Übernachtungszahlen des Statistischen Landesamtes in die Prognosen eingegangen seien. Zu den dort registrierten 2,1 Millionen Übernachtungen pro Jahr allein in den Kaiserbädern kämen gut eine Million Gäste hinzu, die nicht gezählt würden, da sie in kleineren Pensionen oder Ferienwohnungen mit weniger als zehn Betten übernachteten.

Der Amtsvorsteher von Usedom-Süd, Karl-Heinz Schröder (CDU), kritisierte, dass die Prognosen zudem nur eine Ertüchtigung der Bundesstraßen nach Usedom vorsähen, aber nicht auf der Insel selbst. Eine Bürgerinitiative sammelt seit Sommer Unterschriften für den Bau von mehr Kreisverkehren. Bislang kamen rund 5500 Stimmen zusammen.

Verkehrsminister Pegel verwies darauf, dass der Straßenausbau generell problematisch sei, da die Insel sehr schmal sei und es zu den bestehenden Straßen keine Alternativen gebe. Die Usedomer erneuerten ihre Forderung, die im Weltkrieg zerstörte Bahnstrecke nach Usedom über Karnin zu revitalisieren. Das Projekt ist allerdings aus dem letzten Bundesverkehrswegeplan herausgefallen. „Wir sind nicht gegen den Tunnel in Swinemünde“, sagte der Usedomer Günther Jikeli. Wichtig sei, dass die Tonnage-Begrenzung für Laster am Grenzübergang langfristig Bestand habe. Die Wiederinbetriebnahme der Bahnstrecke würde die Straßen entlasten.

dpa/mv

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