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Usedomer im Kampf gegen Plastiktüten

Zinnowitz/Koserow Usedomer im Kampf gegen Plastiktüten

Viele Einzelhändler verlangen seit Anfang April eine kleine Gebühr für jedes Stück

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Wer möchte, bekommt jetzt für zehn Cent eine Tüte zum Buch bei Buchhänderlin Maria Lauke (29) aus Zinnowitz.

Quelle: Fotos: Hannes Ewert

Zinnowitz/Koserow. „Die Anzahl der herausgegebenen Tüten ist spürbar zurückgegangen“, sagt Brigitte Hausmann von der Strandbuchhandlung in Zinnowitz. Seit Anfang April geben sie und ihre Mitarbeiterinnen die kleinen Plastiktüten nur noch gegen Geld heraus — zehn Cent kostet ein Exemplar. Eine große Tüte, wo zum Beispiel ein Kalender hinein gepackt werden kann, wechselt für 20 Cent den Besitzer. Anfang des Monats wurde die Abgabe für eine Plastiktüte vom Handelsverband Deutschland (HDE) flächendeckend eingeführt. Damit soll die Vermüllung der Landschaft, aber vor allem der Weltmeere eingedämmt werden. Forscher berichten, dass allein im Jahr 2010 rund 12 Millionen Tonnen Plastikmüll im Wasser landeten. Auch auf Usedom sind viele Händler bereit, ihren Beitrag für die Umwelt zu leisten.

 

OZ-Bild

Drei von zehn Kunden wollen noch eine Tüte.“Brigitte Hausmann, Buchhändlerin

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In der Praxis kosten diese Tüten je nach Größe zwischen fünf und 50 Cent. „Unsere Tüten sind für zehn und 15 Cent zu haben“, sagt ein Sprecher von Kaufhaus Stolz, die von insgesamt 30 Filialen eine in Koserow betreibt. „Pro Jahr wandern hunderttausende Tüten über die Ladentheke. Genau kann ich das gar nicht sagen, wieviel es sind“, sagt er. Er plädiert dafür, sich gegen eine Plastiktüte zu entscheiden, statt dessen auf einen Mehrwegbeutel zurückzugreifen. „Die kosten in der Anschaffung bis zu einem Euro, haben von uns aber eine lebenslange Haltbarkeitsgarantie“, erklärt er.

Auch in „Karls“-Erlebnisdorf in Koserow wandern täglich tausende Tüten über die Ladentheke. „Unsere Exemplare sind jedoch aus umweltfreundlicherem Papier“, betont Teamleiter Gunnar Schwarz. Vor Kurzem orderte Schwarz drei große Paletten Papiertüten. „Dort sind 135000 Exemplare enthalten. Diese halten mit Sicherheit drei bis vier Monate. Dann sind alle weg, und wir bestellen neue. 95 Prozent aller Tüten bestehen aus Papier, nur ein geringer Teil ist aus Plastik “, erklärt Schwarz.

Auch die Drogerie-Märkte sind von der neuen Regelung betroffen. „Weil die Gewinnspanne bei kleineren Artikeln nicht groß ist, schlagen wir noch einen kleinen Obolus für die Tüte drauf“, sagt Andreas Reuschel, Leiter von drei „Ihr Platz“- Märkten aus Zinnowitz. „Mit der Einführung des Grünen Punktes Ende der 1990er-Jahre verteuerten sich für die Einzelhändler die Tüten im Einkauf. Wenn jemand nur Wattestäbchen kauft, dann fällt die Tüte schon ins Gewicht. In der Drogerie kaufen die Kunden viele kleine Sachen“, erklärt er. Für eine normale Tüte nimmt Reuschel zehn Cent, für eine große Tüte sogar 30 Cent. „Bei großen Textilgeschäften fallen die Tütenpreise nicht ins Gewicht, wenn jemand für 50 Euro etwas einkauft.“ Buchhändlerin Brigitte Hausmann macht den Tütenkauf sogar wetterabhängig. „Bei Regen geben die Kunden auch Geld für eine Tüte aus“, sagt sie.

Neue Richtlinie

71 Tüten verbraucht der Deutsche im Durchschnitt pro Jahr.

198 Kunststoffbeutel verbraucht ein durchschnittlicher Europäer im Jahr. Deutschland steht bislang in der Statistik gut dar.

Hintergrund: Die Zahl der Kunststofftüten soll in Europa deutlich reduziert werden. Bis 2019 soll der pro-Kopf-Verbrauch auf 90 Tüten gesenkt werden, bis 2025 sogar auf nur 40 Tüten. Mit dieser neuen Richtlinie soll ein Beitrag dazu geleistet werden.

Am wenigsten Tüten werden derzeit in Irland verbraucht. Dort sind es nur 18 Tüten pro Jahr pro Person.

Von Hannes Ewert

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