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„Wir wollen, dass die Schüler die Region nicht verlassen“

Ahlbeck „Wir wollen, dass die Schüler die Region nicht verlassen“

28 Betriebe und Bildungseinrichtungen bei der Azubi-Börse in Ahlbeck

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Wir müssen uns alle der Sache stellen und uns bei den Schülern bewerben.Kai Kruse, Kfz-Innung

Ahlbeck. Von A wie Apothekerkammer bis Z wie Zweckverband Wasser/Abwasser reichte die Palette der insgesamt 28 Ausbildungsbetriebe und Bildungseinrichtungen, die sich gestern in der Ahlbecker Pommernhalle den Schülern der Europaschule präsentierten. Die Azubi-Börse gibt es bereits seit mehr als zehn Jahren, wie Mitorganisator Kai Kruse vom Ahlbecker Autohaus Kruse und als Vertreter der Kfz-Innung erklärte. Für die Europaschule hatte die stellvertretende Schulleiterin Petra Meißner den Hut auf. „So viele Aussteller wie in diesem Jahr hatten wir noch nicht“, sagte die Konrektorin.

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28 Betriebe und Bildungseinrichtungen bei der Azubi-Börse in Ahlbeck

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Die Schülerinnen und Schüler besuchten während des regulären Unterrichts klassenweise die Börse. Sie waren mit Fragebögen ausgestattet, um den Ausbildern gezielt Fragen zum nötigen Schulabschluss, zur Ausbildungsdauer oder zu Weiterbildungsmöglichkeiten zu stellen. „Wir machen ja eine langfristige Berufsorientierung ab der 6. Klasse und mit diesem Fragebogen soll auf verschiedene Schwerpunkte hingewiesen werden. Im AWT-Unterricht werden die Fragebögen ausgewertet“, erklärte Schulleiter Jürgen Räsch.

Der Ahlbecker Benjamin Holtz befragte als erstes Optiker Jan Meutzner und trug dessen Antworten in das Formular ein. „Ich will auf der Insel bleiben und möchte was machen, wo man etwas herstellt“, verriet der Neuntklässler.

Einen Stand weiter war Elektromeister Mirko Städing von einer Traube Jungs umlagert, die ihn mit Fragen löcherten. „Die Wirklichkeit sieht entgegengesetzt aus“, antwortete er auf die Frage, ob er so auch mit Bewerbungen überschüttet werde. Da sei die Konkurrenz doch groß, wie man auch an der Vielzahl der Aussteller sehe.

Kai Kruse brachte es mit anderen Worten auf den Punkt: „Wir müssen uns alle der Sache stellen und uns bei den Schülern bewerben. Das heißt aber nicht, dass wir jeden nehmen können. Die Leistung muss stimmen.“ Dem Ahlbecker Handwerksmeister ist es ein Anliegen, die Jugend auf der Insel zu halten: „Wir wollen, dass die Schüler nicht die Region verlassen. Deshalb werben wir als einheimische Firmen dafür, ihnen eine berufliche Heimat zu bieten.“

Genau das war der ausschlaggebende Grund für Alexander Heiland, beim Eigenbetrieb Kaiserbäder eine Lehre zu beginnen. „Viele zieht es weg“, findet der angehende Veranstaltungskaufmann, er jedoch wollte auf Usedom bleiben. Während eines Praktikums hat er in die Kulturabteilung des Eigenbetriebes hineingeschnuppert und festgestellt, „das ist einfach mein Ding“. Umso schöner für ihn, dass es dann auch mit der Ausbildungsstelle geklappt hat.

So weit sind viele der Schülerinnen und Schüler noch nicht. Ihre Berufsvorstellungen sind teilweise noch sehr vage. Lena Watzke (16) schwankt noch zwischen einem naturwissenschaftlichen Studium und einer Ausbildung bei der Polizei. Ihre Freundin Lotte Dall (15) will auf jeden Fall die Insel verlassen und studieren, „so was in Richtung Medizin“, deutete sie an. Lilly Ehlert (15), die ebenfalls die 10. Klasse besucht, hat sich noch nicht festgelegt. „Es soll aber schon eher etwas Soziales sein, vielleicht Psychologie“, ließ sie sich entlocken.

Berufliche Perspektiven hat Vorpommern einige zu bieten, sei es im Tourismus, der Gesundheitswirtschaft, im Handwerk oder in der Industrie. Die Peene-Werft Wolgast beispielsweise, die seit 2013 zu Lürssen gehört und erstmals bei der Azubi-Börse dabei war, bietet zurzeit acht Ausbildungsplätze an, sowohl für Mechaniker als auch für Industriekaufleute.

Happy über seinen Ausbildungsplatz als Koch ist der Swinemünder Jakub Agatowski. Der 22-jährige Pole ist im Travel-Charme-Hotel Strandidyll Heringsdorf im zweiten Lehrjahr. „Hier auf der Insel ist die Gastronomie top, da kann ich viel lernen“, so Agatowski, der vor seiner Lehre noch kein Deutsch konnte.

Die Sprache lernt er nun nebenbei privat. Stolz ist er, dass er bereits einen Posten in der Küche besetzen darf. Seiner Ausbildungsleiterin Britta Hormann spricht er aus der Seele, wenn er sagt, „ich mache das aus Leidenschaft“. Diese fügt an: „Einfach ist es nicht, man muss den Beruf lieben, für das Hotelfach brennen. Wir brauchen Leute mit Leidenschaft.“ Sie dürfte für viele Ausbilder sprechen, wenn sie darauf hinweist, über ein Berufspraktikum in einen Betrieb hineinzuschnuppern.

Dietmar Pühler

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