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Greifswald Wissenschaft kontra Lungenentzündung

Loefflerinstitut und Uni Greifswald kooperieren bei Untersuchung von Doppelinfektionen bei Schweinen und Menschen

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Frank Schmidt, Thomas Mettenleiter, Sven Hammerschmidt, Kathrin Riedel, Dörte Becher, Uwe Völker und Barbare Bröker (von links) gehören zum Team von Koinfekt.

Quelle: Eckhard Oberdörfer

Greifswald. Eine Influenza allein muss noch nicht gefährlich sein. Kritisch wird es für Betroffene häufig, wenn eine weitere Infektion hinzukommt. Denn der Organismus ist aufgrund der Bekämpfung der Grippeviren bereits geschwächt, das erleichtert es den Bakterien in den Körper einzudringen und sich dort zu vermehren.

„An Infektionen mit Grippeviren und Bakterien, die eine schwere Lungenentzündung hervorrufen, sterben jedes Jahr viele Menschen“, betont der Infektionsbiologe Sven Hammerschmidt. Er ist Professor am Interfakultären Institut für Genetik und funktionelle Genomforschung der Uni Greifswald. Auch der umkehrte Verlauf, erst Bakterien-, dann Vireninfektion ist möglich.

„Wir wollen in den nächsten Jahren neue Strategien und Vorbeugungsmöglichkeiten für solche Erkrankungen aufzeigen“, so Hammerschmidt. Die Möglichkeit für diese Forschung eröffnet eine erfolgreiche Bewerbung bei der Landesexzellenzinitiative unter Greifswalder Leitung. Das Friedrich-Loeffler-Institut auf dem Riems ist Kooperationspartner. Auch Rostocker Kollegen gehören zu den 14 erfolgreichen Antragstellern. Fünf Millionen Euro gibt das Land bis 2020 für das Vorhaben „Pathomechanismen bakto-viraler Koinfektionen mit neuen biomedizinischen Modellen“, kurz Koinfekt.

Diese Grundlagenforschung kann genauere Antworten auf praktische Fragen für Patienten und deren Behandlung geben. Beispielsweise, wann man mit einer Grippe zum Arzt gehen sollte oder wann ist der richtige Zeitpunkt, Antibiotika einzusetzen? Dafür ist allerdings mehr Wissen über die Wechselwirkung von Erreger und Wirt, die Antwort des Immunsystems und den Krankheitsverlauf nötig. „Wir suchen Biomarker, mit denen Diagnosen und Prognosen möglich sind“, verdeutlicht Hammerschmidt.

Universität und FLI bieten gemeinsam exzellente Voraussetzungen für diese Forschung. Auf dem Riems können unter Hochsicherheitsbedingungen Viruskrankheiten erforscht werden. An der Greifswalder Hochschule gibt es ausgewiesene Experten für die Arbeit mit den für diese Forschung wichtigen Bakterien. „Die Nähe beider Einrichtungen ist ein großer Standortvorteil“, sagt Thomas Mettenleiter. Und das eröffnet eine auch für viele andere Vorhaben zur Erforschung von Krankheiten von Menschen und Tieren in der Zukunft vielversprechende Möglichkeit und Chancen auf Förderungen beispielsweise durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft: Tierische Modelle sollen bei Koinfekt nicht wie meist üblich in solchen Fällen Mäuse, sondern Schweine sein. Erbgut und Physiologie stimmen in hohem Maße mit dem Menschen überein, argumentiert Mettenleiter. Wegen ihrer größeren Verwandtschaft mit den Menschen eignen sich die Borstentiere besser als die meist verwendeten Mäuse für solche Untersuchungen. Auch Schweine bekommen solche Doppelinfektionen, die untersucht werden sollen. Allerdings sind Mäuse besser als Schweine als biomedizinische Modelle erforscht. „Darum ist dafür Grundlagenforschung nötig“, so Mettenleiter.

Die Beteiligten

An Koinfekt sind aus Greifswald Sven Hammerschmidt (Koordinator), Uwe Völker, Frank Schmidt (alle Genetik und funktionelle Genomforschung), Dörte Becher, Kathrin Riedel, Tim Ulrich (alle Mikrobiologie), Michael Lalk (Biochemie), Barbara Bröker (Immunologie), Lars Kaderali (Bioinformatik) und Ulrike Seifert (Medizinische Mikrobiologie) beteiligt. Riems vertritt Thomas Mettenleiter (Ko-Koordinator). Aus Rostock sind Bernd Kreikemyer (Medizin. Mikrobiologie), Brigitte Müller-Hilke (Immunologie) und Jochen Schubert (Intensivtherapie) dabei.

Eckhard Oberdörfer

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