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Usedom Wohnraum entsteht in früherer Scheune
Vorpommern Usedom Wohnraum entsteht in früherer Scheune
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00:00 27.10.2016
Michael und Cornelia Sontag bauen das Fachwerkhaus der Vorfahren originalgetreu wieder auf – eine Bereicherung für das Gebäudeensemble am Wolgaster Kirchplatz. Quelle: Fotos: Tom Schröter

Wieder mal ein Lichtblick im Wolgaster Stadtzentrum: Auf dem Hof des Wohnhauses, Lange Straße 3, sind Michael und Cornelia Sonntag sowie Regina Rohrbach, geborene Sontag, dabei, die alte Fachwerkscheune originalgetreu wieder aufzubauen. „Wir haben nach der Wende erst unser Wohnhaus Stück für Stück baulich wieder in Ordnung gebracht“, berichtet Cornelia Sontag.

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Familie Sontag baut am Wolgaster Kirchplatz ein großes Fachwerkhaus in ursprünglicher Form wieder auf

Was folgte, war die ebenso aufwendige Sanierung der auf dem Hof befindlichen einstigen Waschküche, die zuletzt ebenfalls eine Wohnung beherbergte.

Und jetzt ist die ehemalige Scheune an der Reihe. Im Februar 2007 waren das völlig marode Dach und der Giebel dieses um 1810 errichteten Nebengebäudes aus Sicherheitsgründen abgenommen worden.

„Mehrere Teile waren sehr verfallen“, schildert Cornelia Sontag. „Außerdem hatten einige frühere Mieter des Wohnhauses die Scheune zur Brennholzgewinnung genutzt und Bauteile entfernt, so dass das Haus teilweise schon eingestürzt war.“ Um zu verhindern, dass der Giebel in Richtung Kirchplatz umkippt, habe schließlich eingegriffen werden müssen – verbunden mit der behördlichen Auflage eines späteren Wiederaufbaus.

Drei Jahre lang, so war zu erfahren, haben sich die Eigentümer um die notwendige Baugenehmigung bemüht. Nun endlich erhält der einstmals als Lagergebäude, Pferdestall und Scheune genutzte Fachwerkbau seine ursprüngliche Gestalt zurück. Sofern dies möglich gewesen sei, seien die Teile des alten Fachwerks wiederverwendet worden. Dennoch hätten schätzungsweise nur fünf Prozent der alten Holzkonstruktion in das neue, eichene Ständerwerk integriert werden können, berichtet Michael Sontag. Relativ viele alte Balken finden sich in der Giebelmitte, wo sich zu früherer Zeit ein eisernes Schiebetor befand, und wo auch künftig die Nutzer des Hauses ein- und ausgehen werden.

Die frühere Scheune, so sagt Cornelia Sontag, solle nach dem Umbau als Wohnraum dienen. „Wir brauchen in der Innenstadt unbedingt schöne Wohnungen, sonst sterben wir bald ganz aus“, meint die Wolgasterin, die froh ist, dass ihr Ehemann als selbstständiger Handwerker die Bauarbeiten in Eigenregie erledigen kann, und das Vorhaben sichtbar Fortschritte macht.

Die Familie Sontag ist seit langer Zeit in Wolgast ansässig. Michael Sontag ist es auch deshalb ein Herzensanliegen, das Wohn- und Geschäftshaus seiner Vorfahren und die dazugehörigen Nebengebäude zu erhalten. Der Scheune, so informiert er, sei der Denkmalstatus aberkannt worden, weshalb er keinerlei öffentliche Fördermittel für deren Wiederaufbau erhalte. Bis zum Frühjahr 2017 solle die äußere Gebäudehülle wieder hergestellt sein und anschließend der Innenausbau beginnen.

Kolonialwarenhandlung „I. D. Sontag“

Die Scheune, die derzeit wieder aufgebaut wird, wurde ursprünglich um 1810 errichtet. Sie gehört zum Gebäude Lange Straße 3, das um 1730 gebaut wurde und in dem im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts das Hauptzollamt seinen Sitz hatte.

Um 1900 erwarb der Kaufmann Ignaz David Sontag, der unter der Bezeichnung „I.D. Sontag“ im Nachbarhaus Lange Straße 2 ein Kolonialwarengeschäft samt Wein- und Zigarren-Handlung sowie eine Kaffee-Rösterei und einen Bier-Verlag betrieb, das Haus Nr. 3 und nutzte dieses als Wohnhaus.

Später übernahm dessen Sohn Max Sontag das Geschäft, das er um eine Eisen- und Kohlenhandlung ergänzte.

Tom Schröter

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