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Wolf entpuppt sich als Goldschakal

Greifswald Wolf entpuppt sich als Goldschakal

Tierfoto aus dem Stadtwald sorgt für viel Trubel / Förster holt Expertisen von Wildtierexperten ein

Greifswald. Das Tier, das vor Wochen im Stadtwald nahe Greifswald in eine Fotofalle tappte, war doch kein Wolf, sondern ein Goldschakal (die OZ berichtete). Stadtförster Bent Knoll war sich beim Auswerten der Kamera, die er für das Wildmonitoring installiert hatte, sicher: Größe, Profil und Zeichnung des Felles sprachen für einen Wolf.

Doch er musste sich eines Besseren belehren lassen. „Ich habe mittlerweile mehrere Expertisen von Fachleuten eingeholt. Sie alle vertreten die Meinung, dass es sich auf dem Foto um einen Goldschakal handelt“, sagt Knoll.

Der vermeintliche Wolf schlug in den vergangenen Wochen hohe Wellen. Knoll kann sich nicht erinnern, schon einmal annähernd so viele E-Mails und Anrufe zu einem Thema erhalten zu haben. Leider seien längst nicht alle Briefe und Gespräche zielführend gewesen. Einige selbsternannte Experten hätten es an Sachlichkeit vermissen lassen. Dabei taten sich angesichts des dunklen und nicht ganz scharfen Fotomotivs selbst Fachleute mit einer Beurteilung schwer.

Knut Weidemann etwa, mit 40-jähriger Berufserfahrung ein anerkannter Präparator im Zoologischen Institut der Uni Greifswald, war sich anfangs „relativ, aber nicht hundertprozentig sicher, dass es sich um einen Wolf handelt“. Die weiße Schulterzeichnung und die dunkle Lunte (Schwanz) hätten für den Isegrim gesprochen. „Ein mickriger Wolf“, so Weidemann und räumte im Gespräch mit der OSTSEE-ZEITUNG ein: „Im Zweifelsfall könnte es aber auch ein sehr großer Goldschakal sein.“ Bent Knoll selbst griff, um Gewissheit zu erlangen, zu einer bewährten, wenn auch nicht wissenschaftlich anerkannten Methode: Er installierte Messlatten an der Stelle, an der die Wildkamera das Raubtier aufnahm. Mittels Durchstechen identischer Fotos konnte er die Tiergröße errechnen: Die Schulterhöhe betrug demnach 48,71 Zentimeter – für einen Wolf zu klein.

Und in der Tat: Der deutsche Säugetierspezialist Eckhard Grimmberger kommt zu dem Schluss, dass es sich bei dem fotografierten Tier im Stadtforst „um einen Goldschakal handelt“. Um sicher zu gehen, hat er Knolls Foto bearbeitet. „Schwanz, Verteilung von Rückenfärbung und gelblicher Färbung von Flanken und Beinen, Kopfform, eigentlich der gesamte Habitus“, sprächen für den Schakal.

Dasselbe Urteil fälle Kristin Zscheile vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie in MV, berichtet Bent Knoll von seinem Briefwechsel mit der Behörde. Des Weiteren beruft sich der Stadtförster auf gleichlautende Äußerungen des Wildbiologen Norman Stier vom Lehrstuhl für Forstzoologie an der TU, zugleich Koordinator des Wolfsmonitorings in MV, sowie Wilfried Starke, ehemaliger Kreisnaturschutzbeauftragter.

„Unterm Strich“, betont Bent Knoll, „ist ein Goldschakal im Stadtwald die viel größere Sensation. Nur dass er aktuell nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit erreicht wie die Nachricht von einem Wolf“. Denn in Deutschland wurde der Goldschakal – übrigens auch als Rohrwolf bezeichnet – bisher nur vereinzelt gesichtet. Der Wolf indes breitet sich aus: Allein in Mecklenburg-Vorpommern sollen mittlerweile zwei Rudel leben, nach Expertenaussagen seien es bundesweit etwa 30.

Deshalb bleibt Förster Bent Knoll auch guten Gewissens bei seiner Aussage, dass der Wolf in den vergangenen zwei Jahren bereits öfter durch die Wälder rings um Greifswald zog. Nicht nur einmal habe er entsprechende Fährten gesichtet. „Wölfe haben in unserer Region zudem nachweislich mehrfach Tiere gerissen, unter anderem vor etwa zwei Jahren elf Schafe auf der Insel Koos“, erinnert Knoll.

Petra Hase

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