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Wolgast: Bekenntnisse fürs Krankenhaus

Wolgast: Bekenntnisse fürs Krankenhaus

Gefordert wird eine Kooperation zwischen den Uni-Kliniken in Rostock und Greifswald zum Nutzen kleinerer Häuser

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Unter den Gästen des OZ-Wählerforums waren auch Mitglieder der Bürgerinitiative, die um den Erhalt des Kreiskrankenhauses kämpft.

Sehen Sie noch eine Chance, etwas am derzeitigen Status des Wolgaster Krankenhauses zu ändern, damit nicht noch weitere Stationen geschlossen werden?

Lars Bergemann: Ich bin Mitglied der Bürgerinitiative. Sollte ich gewählt werden, habe ich natürlich auch das Mandat, mich weiter um diese Fehlentscheidung zu kümmern. Die Entscheidung war absolut falsch, muss weiter Thema im Landtag sein. Nichtsdestotrotz muss das Krankenhaus als Ganzes erhalten und weiter entwickelt werden – ansonsten ist das nur eine Hülle. Das, was derzeit im Krankenhaus passiert, kann man durchaus auch sehr kritisch sehen.

Karl-Heinz Schröder: Es ist bekannt, dass ich hinter dem Krankenhaus stehe. Ich habe am 9. Dezember 2015 mit vielen Eltern demonstriert. Dem Landtag und der Regierung muss klargemacht werden, dass dieses Thema nicht beendet ist. Dafür werde ich mich einsetzen. Bedauerlich, dass Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) ihr Versprechen zu einem weiteren Gespräch mit Amtsvorstehern der Insel und Bürgermeistern von Wolgast und Heringsdorf nicht eingehalten hat. Ich werde mich dafür einsetzen, dass das Thema im Landtag wieder auf die Agenda kommt. Dazu zwingen uns schon die aktuell langen Wartezeiten für Kinder. Ob das Krankenhaus wieder so werden kann, wie es mal war, ist allerdings sehr fraglich.

Falko Beitz: Ich habe mit anderen für den Erhalt des Krankenhauses demonstriert und Unterschriften gesammelt. Wollte, dass die Entscheidung überdacht wird. Wir haben gemeinsam gekämpft und verloren. Die Fachleute sagen, die Standorte in Anklam und Wolgast waren gefährdet. Jetzt haben wir eine arbeitsteilige Lösung, mit der wir uns wohl abfinden müssen. Dafür hat das Land übrigens rund 20 Millionen Euro investiert. Ich setze mich weiter dafür ein, dass die Notfallversorgung sichergestellt ist. Politik ist immer gut beraten, wenn sie sich auf ein Fachurteil stützt. Dieses Fachurteil ist hier bekannt. Ich setze mich weiter dafür ein, dass wir eine Notfallversorgung sicherstellen. Kein Kind darf abgewiesen werden. Im Juli wurden 170 Kinder in der Wolgaster Notaufnahme behandelt.

Wir brauchen Anlaufpraxen in Wolgast und auf Usedom, um den Bedarf abzufangen.

Prof. Ralph Weber: Herr Beitz, das ist unrichtig. Die Entscheidung zur Schließung von Abteilungen in Wolgast ist nur ein Glied in einer Kette von lokalen Fehlentscheidungen, die mit der Gebietsstrukturreform begann und mit der Justizstrukturreform fortgesetzt wurde. Unser Kreis ist 1,8mal so groß wie das Saarland. Mag sein, dass man weite Weg zu Verwaltungen verkraften kann, noch eher vielleicht weite Wege zu Gerichten. Aber dass man weite Wege zu Krankenhäusern zurücklegen muss, kann man nicht mehr verkraften. Zur Finanzierung: Vor einigen Jahren gab es an der Medizinischen Fakultät der Greifswalder Uni eine Gehaltsreform, die seinesgleichen sucht. Die Gehälter für Oberärzte wurden fast verdoppelt, trotz des strukturellen Minus’. Für das jährliche Defizit von aktuell 13,8 Millionen Euro werden jetzt die kleinen Krankenhäuser geopfert. Das Gehaltsniveau von Oberärzten entspricht jetzt in etwa den Unikliniken in Köln oder München und übersteigt bei weitem das Niveau von Kliniken vergleichbarer Größe. Das ist ein Skandal. (Moderator Alex Loew: „Ein Fakt, der zu prüfen ist“) Ich verstehe nicht, warum keine Kooperation zwischen den Unikliniken in Rostock und Greifswald angedacht ist. Ich verweise auf das Beispiel vergleichbarer Universitätsstädte wie Heidelberg und Mannheim. Da hat man sich geeinigt, dass Ausbildung, teure Labors, naturwissenschaftliche Vorhaltungen, die sehr viel Geld kosten, nur in einer der beiden Städte stattfinden – die medizinische Versorgung auf beide Städte verteilt wird. Das geschieht im relativ reichen Baden-Württemberg. Das wäre ein Supermodell für die Zusammenarbeit zwischen Rostock und Greifswald. Zum Beispiel würden die hohen Ausbildungskosten halbiert werden, ohne dass ein Nachteil für die Bevölkerung entsteht.

Bernd Lange: Es gibt zu viele Probleme mit der ärztlichen Versorgung auf dem Land. Wir müssen das Land für Ärzte attraktiv machen. Und wir müssen gucken, ob nicht auch Fachkräfte aus dem Ausland gebunden werden konnten.

Olaf Evers: Laut Bundesgesetz gilt das Recht auf gleiche Lebensverhältnisse. Wir brauchen auch im Wolgaster Krankenhaus eine Kinderversorgung – für die Einwohner und für die vielen Touristen in der Region. Es kann nicht sein, dass im Sommer die Einwohner bis nach Greifswald fahren müssen, damit ihre Kinder medizinisch versorgt werden, oder dass Frauen erst dort Geburtshilfe bekommen. Wir brauchen eine Kinderstation in Wolgast.

Harald Heß: Das Krankenhaus ist mein Hauptthema, das man großflächig sehen muss. Es gibt einen Krieg zwischen zwei Unikliniken in Rostock und Greifswald, die sich gegenseitig hochschaukeln, wobei die Greifswalder als kleinere Klinik negative Zahlen schreibt. Können diese Unikliniken nicht zusammenarbeiten und die anderen, kleineren Kliniken einfach in Ruhe lassen, damit sie ihre Arbeit machen und die Bevölkerung versorgen können? 2018 soll es ein neues Krankenhausgesetz geben. Wenn wir Pech haben, bricht uns nicht nur das Wolgaster, sondern auch noch das Anklamer Krankenhaus weg, weil beide unter 200 Betten haben. Dann fahren wir nach Pasewalk und Greifswald und haben hier nur noch ein Ärztehaus. Eines der Krankenhäuser muss so hochgepuscht werden, dass es bleibt. Ich trete dafür an, dass 2018 nicht beide Krankenhäuser den Bach runter gehen.

 

Notiert von Angelika Gutsche

OZ

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