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Wolgaster Ehepaar kämpft um Reha-Verlängerung nach Unfall

Wolgast Wolgaster Ehepaar kämpft um Reha-Verlängerung nach Unfall

Medizinische Gutachten widersprechen sich / Die Krankenkasse lenkt schließlich ein

Wolgast. Am 29. November vergangenen Jahres hat Rudi Duschek ein schwerer Schicksalsschlag ereilt. Ein Unfall in seinem Garten am Haus im Wolgaster Tannenkamp veränderte sein Leben urplötzlich und von Grund auf. „Es war vormittags gegen 11 Uhr, als mir im Garten auf einmal schwindlig wurde. Ich fiel zwar auf den Rasen, aber so unglücklich, dass ich mir eine Wirbelsäulenverletzung zuzog, die mit starken Schmerzen einher ging“, erzählt der 76-Jährige.

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Medizinische Gutachten widersprechen sich / Die Krankenkasse lenkt schließlich ein

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Für Rudi Duschek hatte und hat der Sturz erhebliche Folgen. Das Neurologische Rehabilitationszentrum und Querschnittsgelähmtenzentrum der BDH-Klinik in Greifswald bescheinigte ihm eine „inkomplette Querschnittslähmung“, die durch „traumatische zervikale Bandscheibenvorfälle“ hervorgerufen wurde. „Noch am Tag des Unfalls wurde ich in der Greifswalder Uni-Klinik an der Wirbelsäule operiert und zwei Tage später kam ich zur Rehabilitation in die BDH-Klinik“, schildert der Rentner. Dort brachte er ein knappes halbes Jahr zu, bis er am 25. Mai völlig überraschend nach Hause entlassen wurde.

Rudi Duscheks Hoffnung, in der Klinik möglichst schnell nach der OP mit Reha-Maßnahmen zu beginnen, war nicht aufgegangen. „Wegen Virus-Infektionen, Durchfall und einer wunden Stelle, die nur sehr langsam heilte, lag ich die ersten Monate fast nur im Bett“, erklärt er. Ende April/Anfang Mai waren die Begleitkrankheiten endlich soweit auskuriert, dass ein Reha-Programm starten konnte. Und zur Freude aller Beteiligten sorgten die Behandlungen für sichtbare Fortschritte. „Mein Mann und die Therapeuten haben sich große Mühe gegeben, und seine Mobilität wurde zusehends besser“, berichtet Ehefrau Karin (72). „Auch die Hände konnte er immer besser bewegen. Den Therapeuten gilt ein großes Lob.“

Als der Klinikaufenthalt am 25. Mai abrupt endete, brach für den Rentner und seine Frau folgerichtig eine Welt zusammen. „Die Krankenkasse hat meinen Mann praktisch aufgegeben, obwohl er doch eindeutige Fortschritte gemacht hatte“, klagte Karin Duschek. Die Krankenkasse Barmer GEK berief sich ihrerseits auf eine Einschätzung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK).

Demnach habe sich im Verlauf der Rehabilitation ein „eingeschränktes Rehapotenzial bestätigt“. Bei der „bestehenden Lähmungsausprägung“ habe „kein realistisches Ziel der überwiegenden Selbstständigkeit und eingeschränkten Gehfähigkeit mit Hilfsmitteln“ bestanden. Die Fähigkeit zum Gehen mit Hilfsmitteln bis zum Rollator in der Häuslichkeit und das Erlernen von Treppensteigen sei daher „weiterhin nicht realistisch“. Die Weiterführung der Reha sei bei also nicht zu empfehlen.

Die ärztliche Leitung der Greifswalder BDH-Klinik sieht dies völlig anders und bat die Barmer GEK daher, ihren Entschluss zur Ablehnung der weiteren Kostenübernahme der Komplexbehandlung zu revidieren. Die Begründung der ablehnenden Haltung sei „nicht nachvollziehbar“, heißt es in dem vom Chefarzt und dem Oberarzt der Klinik unterschriebenen ärztlichen Bericht. Sie bescheinigen Rudi Duschek eine positive Reha-Entwicklung. „Die Gehstrecke am Rollator ließ sich seit dem letzten Kostenverlängerungsantrag auf 80 Meter erweitern, wobei hier nur noch geringe Hilfestellung durch den Therapeuten notwendig ist“, heißt es weiter. „Bei nun stattgehabter Verbesserung der Gehfähigkeit ist auch ein Treppentraining und selbstständiges Treppensteigen zukünftig realistisch möglich.“

„Gerade diese Fähigkeiten sind wichtig, damit sich Herr Duschek zu Hause im Eigenheim bewegen und seine Frau für einige Stunden auch mal aus dem Haus gehen kann“, verdeutlicht der Wolgaster Mediziner Dr. Gero Kärst, der Rudi Duschek ärztlich betreut. Auch er kritisiert die Einschätzung des MDK scharf. „Das Rückenmark erholt sich. Bei einem Patienten, der als querschnittsgelähmt gilt, ist das eigentlich ein Wunder. Daher darf man Herrn Duschek jetzt nicht in seinem katastrophalen Zustand belassen“, so Dr. Kärst.

Vor dem Hintergrund der sich widersprechenden Gutachten lenkte die Krankenkasse gestern ein. „Im Zweifel entscheiden wir für den Versicherten. Daher haben wir dem Ehepaar mitgeteilt, dass Herr Duschek noch einmal für vier Wochen in die BDH-Rehaklinik eingewiesen wird“, informierte Barmer- Sprecher Bernd Schulte. Sollte sich der Gesundheitszustand deutlich verbessern, werde jedoch auch eine neue Pflegebegutachtung nötig, fügte er hinzu. Denn: Rudi Duschek wurde aufgrund eines separaten MDK-Gutachtens bereits die Pflegestufe 3 zuerkannt.

Die Duscheks freuen sich über die Neuigkeiten und sehen darin die Chance, die Folgen des Schicksalsschlags, der nicht rückgängig gemacht werden kann, wenigstens etwas zu lindern.

Tom Schröter

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