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Usedom Wolgaster Totentanz-Zyklus erstrahlt in neuem Glanz
Vorpommern Usedom Wolgaster Totentanz-Zyklus erstrahlt in neuem Glanz
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12:25 23.08.2014
Das „Jüngste Gericht“ ist wieder zurück an alter Stelle. Restauratorin Ulrike Hahn brachte es gestern in der St. Petri-Kirche an. Quelle: Fotos: Reik Anton

Er ist ein besonderes Stück Kirchengeschichte und wird künftig die Besucher der St. Petri-Kirche wieder erfreuen. Der Totentanz-Zyklus ist nun komplett restauriert, gestern wurden die letzten beiden Bilder der Sammlung an ihrem Bestimmungsort eingesetzt. „Es ist der Comic des Mittelalters“, sagt Kirchenmitarbeiter Ulrich Kober über den Zyklus. „Denn früher konnten die wenigsten Menschen lesen. Da musste alles visuell passieren.“

Und doch ist der Wolgaster Totentanz mehr als nur ein Unterhaltungsinstrument. „Der Tod hatte früher eine andere Bedeutung als heute. Die Menschen wurden zuhause geboren und starben dort auch“, weiß

Kober. Die Vergänglichkeit des Lebens sei früher ein Teil der Gesellschaft gewesen. „Heute beschäftigt man sich doch kaum mit dem Thema. Es ist den meisten unangenehm.“ Wie zum Beweis kommt in diesem Moment eine Mutter mit ihrem kleinen Sohn an den Bildern vorbei. „Guck, wie schaurig die sind“, sagt sie zu ihrem Sprössling.

Sechs Jahre dauerten die Arbeiten — mit Unterbrechungen. Die letzten beiden runderneuerten Bilder thematisieren das Kindersterben und das Jüngste Gericht. Mehrere Wochen brauchten Restauratorin Ulrike Hahn und ihre Kollegin Anja Bujak für ein Bild. Das hat auch mit der Befestigung der Motive zu tun. Je drei oder vier sind nebeneinander in einem besonderen Gestühl mit Holzvertäfelung angebracht. Nägel verbinden die Rahmen der Bilder mit der Vertäfelung. „Wir mussten aufpassen, dass wir die Werke nicht zerstören“, erklärt Hahn.

Wegen der Nägel konnte das Holz nicht arbeiten. So entstanden Spannungen, auf die die Restaurationsexpertinnen achten mussten. Vor ihrem Engagement in Wolgast hatte sich Hahn noch nie mit dem Totentanz-Zyklus beschäftigt. „Auch während meiner Arbeit habe ich mich nur auf das Fachliche konzentriert“, so die Rüganerin.

Etwa 75 000 Euro kostete das Projekt. „Im Jahr 2007 setzten wir uns zusammen und überlegten, wie wir das Geld für die Restaurierung zusammen bekommen können“, erinnert sich Annemarie Klingner, Vorsitzende des Fördervereins der Kirche. Hilfe bekamen die Ehrenamtler von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler. Über eine Aktion gab die Stiftung zu jedem eingeworbenen Euro 50 Cent dazu. „Damit kamen wir auf 23 470 Euro“, so Kober. Auch private Spender und andere Stiftungen leisteten einen Beitrag. „Außerdem gaben viele Kirchenbesucher Geld. Und wir haben Lesungen, unter anderem mit Margot Käßmann, veranstaltet. Die Einnahmen flossen in das Projekt“, erzählt Kober. „Wir sind froh, dass die Bilder nun in neuem Glanz erstrahlen“, sagt Annemarie Klingner und verweist auf die wechselhafte Geschichte der mehr als 300 Jahre alten Werke. „Beim Kirchenbrand 1920 wurden sie gerettet, weil sie noch nicht angebracht waren. Sie waren irgendwo geschützt untergebracht“, schildert Klingner. „Der Vater eines früheren Mitglieds des Fördervereins bewahrte als Feuerwehrmann die Bilder vor den Flammen.“ Das 25. und letzte Bild ist seit der Katastrophe allerdings verschwunden. Nun warten die 24 Motive, die von Adrian Dietrich Bentschneider gemalt wurden, auf Besucher. Laut Kober immerhin 40 000 pro Jahr.

Spezielle Kunstform
Der Totentanz ist eine spezielle Kunstform, die nach den Pestepidemien im Mittelalter immer wichtiger wurde. Das Motiv des Tanzes stammt aus dem Volksglauben, nach dem die Toten nachts auf dem Friedhöfen tanzen. Die humorvollen Motive sollten Trost spenden, aber auch unterhalten. Der Wolgaster Totentanz stammt aus der Zeit um 1700. In Norddeutschland ist er nahezu einmalig.
Denn mittlerweile gibt es hierzulande kaum noch Sammlungen, die überhaupt existieren.



Reik Anton

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