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Usedom Wolgaster basteln an Innenstadt-Konzept
Vorpommern Usedom Wolgaster basteln an Innenstadt-Konzept
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15:28 13.03.2019
Lydia Reincke (rechts), die in Greifswald in der Richtung Tourismus und Regionalentwicklung studiert, gehörte zu den Moderatoren des Abends im Kaminzimmer des alten Wolgaster Rathauses. Quelle: Tom Schröter
Wolgast

Konzeptionell unternimmt Wolgast innerhalb kurzer Zeit den zweiten Versuch, Ideen zu entwickeln, um die Innenstadt wieder mit mehr Leben zu erfüllen. Erste Altstadtforen hatte es ab 2016 im hiesigen „Postel“ gegeben. Nun knüpft Innenstadtmanager Daniel Trebing an diese Initiative an mit dem Ziel, bis November dieses Jahres ein Entwicklungskonzept für die von immer mehr Leerstand gekennzeichnete Innenstadt zusammen zu stellen.

Der Auftakt am Dienstagabend war vielversprechend. Etwa 50 Interessierte aus Wolgast und Umgebung fanden sich im Kaminzimmer des alten Rathauses ein, um dieses leidige Wolgaster Thema gemeinsam neu anzugehen. Als fachliche Verstärkung hatte Trebing, selbst studierter Stadt- und Regionalplaner, Studenten der Uni Greifswald an seiner Seite, die den Abend moderierten. Kurzum machten sich die Anwesenden an vier separaten Tischen an eine Bestandsanalyse. Stärken, Schwächen, Risiken und Chancen der Stadt am Peenestrom wurden zusammengetragen, um anschließend Themenfelder für konkrete Entwicklungsprojekte abzustecken.

Daniel Trebing , seit November 2018 der Innenstadtmanager in Wolgast. Quelle: Hannes Ewert

„Spezielle Ideen zu diskutieren, dafür ist es heute noch zu früh“, hatte Trebing dem Abend vorausgeschickt. Vielmehr gehe es ihm und seinem Team zunächst darum, Leitziele zu definieren. Zu den Diskutanten zählte auch Dr. Ulrich Vetter von der Förder- und Entwicklungsgesellschaft Vorpommern-Greifswald mbH, deren Gesellschafter die Stadt Wolgast seit 2017 ist. „Wolgast muss aus dem Windschatten der Insel Usedom heraus und selbst ein Ziel des Tourismus werden“, meinte er.

Doch wie ist dies zu bewerkstelligen? Wenn man den Ideen des Auftaktabends folgt, dann sind auf dem Weg zu einer vitalen Stadt viele kleine Schritte nötig. „Wolgast hat große Potenziale“, erklärte Trebing. Davon sind auch die eingefleischten Peenestädter überzeugt. Angeregt wurden kulturelle Veranstaltungen, die Nutzung maritimer Flächen, ein professionelles Stadtmarketing für eine bessere Außenwirkung, ein neues Verkehrskonzept, die systematische Förderung der regionalen Wirtschaft, eine weniger behäbige Bauverwaltung und die Vermarktung der wechselvollen Geschichte der einstigen Herzogstadt.

Sowohl Chance als auch Risiko

Als Wolgaster Chancen und Risiken herausgearbeitet wurden, tauchten interessanterweise hier wie da die gleichen Begriffe auf. So wird die geplante Ortsumgehungsstraße zum Beispiel sowohl als günstiges Moment als auch als Gefahr für Wolgast angesehen. Auch der Leerstand vieler Geschäfte – allein in der Langen Straße und in der Steinstraße sind inzwischen etwa 60 Prozent aller Ladenlokale verwaist – wird von Einigen als wachsende Bedrohung, von Anderen als Gelegenheit angesehen, Neues zu etablieren. „Authentische Erlebnismanufakturen im Kontext mit der Stadtgeschichte“ könnten hier laut Björn Kiesow beispielsweise Einzug halten.

Stärken & Schwächen – eine Auswahl

Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken der Stadt Wolgast wurden aufgelistet. Hier eine Auswahl der Stärken: Kirche, Rathaus, Fischmarkt, alter Stadtkern, Museen, Geschichte, Begriff Schlossinsel.

Schwächen: schlechte Nutzung des Hafengeländes, kaum öffentliches WLAN, fehlende Hinweise auf Sehenswürdigkeiten, fehlendes Leitbild, mangelhafte Kaufkraft, keine Ergebnisse zur Gestaltung der Schlossinsel, fehlende Identifikation mit der Heimatstadt

Chancen: bessere maritime Nutzung, kulturelle Veranstaltungen, Ortsumgehung, Route der Backsteingotik, Förderung der regionalen Wirtschaft, Stelle des Innenstadtmanagers auf drei Jahre verlängern, Außenwerbung verbessern

Risiken: Ortsumgehung, Schwächung der Industrie durch Politik in Berlin, Wolgast wird zum Altersheim, zu wenig Unternehmensnachfolger, weiterer Kaufkraftverlust.

„Wir müssen an unseren Alleinstellungsmerkmalen arbeiten, um die Aufmerksamkeit auf Wolgast zu lenken“, argumentierte Arne Koplin, Mitglied des Handels- und Gewerbevereins. Gäste ließen sich gern von einem „Bunten Band“ durch die Stadt lenken und in geeigneter Weise auf Sehenswürdigkeiten und besondere Fakten hinweisen. Als Beispiele wurden Philipp Otto Runge als Begründer der Romantik und eine galerieartige Präsentation weiterer Maler, wie etwa Willy Stöwer, Elsa von Corswant, Paula von Hünercop und Harry Vaegler genannt. Auch eine Kulturbühne im Bereich der Amazonenbrücke wurde angeregt.

Auf Daniel Trebing und seine Mitstreiter kommt nun die Aufgabe zu, die vielen Anregungen zu sichten und in greifbaren Kategorien zusammenzufassen. Auf dem nächsten Altstadtforum in etwa vier Wochen sollen erste Zielvorstellungen formuliert werden. „In rund acht Wochen wollen wir dann erste konkrete Projekte benennen, die in einem bestimmten zeitlichen Rahmen umzusetzen sind“, so Trebing, der mit seiner Initiative für Aufbruchstimmung sorgte und nicht müde wurde, die Wolgaster für eine Mitarbeit Mut zu machen.

Bereits in den 1920-er und 1930-er Jahren gab es ähnliche Initiativen zur Hebung des Fremdenverkehrs in Wolgast. Einen ausführlichen Bericht gibt es hier.

Tom Schröter

Als 1934 die Peenebrücke eröffnet wurde, glaubten viele Wolgaster, nun endlich vom Tourismus auf der Insel Usedom stark zu profitieren. Doch diese Rechnung ging schon damals nicht automatisch auf.

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