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Zahl der Hartz IV-Empfänger sinkt

Greifswald Zahl der Hartz IV-Empfänger sinkt

Landkreis weist innerhalb von fünf Jahren 22 Prozent weniger Bedarfsgemeinschaften auf

Greifswald. Im Landkreis Vorpommern-Greifswald beziehen immer weniger Menschen Hartz IV-Leistungen. Laut Agentur für Arbeit gab es Ende vorigen Jahres 15360 Bedarfsgemeinschaften, in denen 27460 Personen lebten. Fünf Jahre zuvor waren es noch 20006 Bedarfsgemeinschaften mit 35225 Betroffenen. Das entspricht einem Rückgang um rund 22 Prozent. Zum Vergleich: Im Landkreis Vorpommern-Rügen sank die Zahl der Bedarfsgemeinschaften innerhalb von fünf Jahren lediglich um 15 Prozent.

Heiko Miraß, Chef der Greifswalder Agentur für Arbeit, sieht gleich mehrere Ursachen für diese positive Entwicklung: „Zum einen trägt die gute Konjunktur dazu bei, dass der Hilfebedarf im Landkreis sinkt – wie überall in Mecklenburg-Vorpommern“, sagt er. Zum anderen spiele natürlich auch die Demografie eine Rolle; der Anteil der Älteren steige gegenüber dem der Jüngeren. „Darüber hinaus schreibe ich diese Entwicklung unserer erfolgreichen Integrationsarbeit zugute“, sagt Miraß selbstbewusst und erklärt: „Wir können in unserem Haus keinen Arbeitsmarkt erfinden. Aber wir können die Leute vorbereiten und in die richtigen Maßnahmen leiten. Das heißt auch: Weniger Ein-Euro-Jobs, mehr Bildung“, betont er. Das Zusammenspiel von Arbeitsagentur (vermittelt und fördert Arbeitssuchende) und Jobcenter der Kommune (betreut Arbeitslosengeld-II-Bezieher) habe sich in Vorpommern-Greifswald absolut bewährt, ist Miraß überzeugt. Zwar wolle er keinesfalls die Arbeit der Kollegen im Nachbarkreis anzweifeln. „Doch ich bin der Meinung, dass es bei uns flüssiger läuft. Immerhin haben wir einen viel stärkeren Rückgang der Zahlen als Vorpommern-Rügen“, sagt er. Der Nachbarkreis schlug vor fünf Jahren einen anderen Weg ein. Dort wurde ein Kommunales Jobcenter gegründet, das eigenständig agiert – ohne Arbeitsagentur. Miraß dazu: „Ich denke, wir können mit unserem System schneller und effektiver auf manche Probleme agieren, bündeln sehr gut unsere vermittelnde Tätigkeit mit der sozialpolitischen Kompetenz der Jobcenter.“

Trotzdem, weiß auch Miraß, ist jeder Hartz IV-Empfänger einer zu viel. Noch immer gibt es fast 20000 Menschen in unserem Landkreis, die erwerbsfähig sind, zugleich aber Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch II beziehen. 53 Prozent der Betroffenen sind Männer. Zwar gebe es unter ihnen eine Reihe von Leuten, die in Qualifizierungs- oder Trainingsmaßnahmen integriert seien. Auch Aufstocker zählten in diese Gruppe – Menschen also, die arbeiten, davon jedoch nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten können und deshalb Hilfe bekommen. Doch unterm Strich gehe es darum, mehr denn je Menschen in gut bezahlte Jobs zu bringen.

„Und das muss über Qualifizierungen laufen. Also nicht mehr wie bislang den Schadensfall Arbeitslosigkeit abwarten und dann agieren, sondern präventiv tätig werden“, sagt Heiko Miraß und liegt damit voll auf der Welle von Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD). Der hatte erst jüngst in einem Interview mit der OZ erklärt, dass die Arbeitsagenturen zu Arbeits- und Qualifizierungsagenturen ausgebaut werden müssten, um den Erfordernissen der Wirtschaft gerecht zu werden.

Miraß: „Wer das letztlich macht ist sekundär. Aber die Qualifizierung muss auf jeden Fall gestärkt werden, denn die Anforderungen an Arbeitnehmer ändern sich sehr schnell. Deshalb sollte es Unterstützungsangebote während der Beschäftigung geben.“ Besonders kleine und mittelständische Firmen würden heutzutage häufig ins Hintertreffen geraten: „Sie bilden aus und die großen Unternehmen stellen ein“, beschreibt der Agenturchef ein Phänomen, dem er gern etwas entgegensetzen würde.

Heiko Miraß plädiert dafür, „die Hürden des Einstiegs in den ersten Arbeitsmarkt zu senken“. Heißt: Es gebe eine Vielzahl von Menschen, die lange Zeit nicht im Arbeitsprozess standen, aber durchaus das Potential besitzen, wieder an die Wirtschaft herangeführt zu werden. „Doch das dauert. Und das gelingt nicht mit einem Eingliederungszuschuss von maximal zwölf Monaten, wie das jetzt der Fall ist. Dazu brauchen wir ordentliche Subventionen“, fordert Miraß.

Petra Hase

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