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Usedom Zemitz: In 90 Jahren nur drei Wehrführer
Vorpommern Usedom Zemitz: In 90 Jahren nur drei Wehrführer
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00:05 12.12.2017
Nach einer Inspektion der Zemitzer Wehr am 4. Oktober 1931 posierten Wehr und Inspekteure aus Wolgast vor der Kamera. Quelle: Foto: Feuerwehr Zemitz

Die Freiwillige Feuerwehr Zemitz ist offensichtlich reif fürs Guinness-Buch der Rekorde: In den 90 Jahren ihres Bestehens, sie wurde am 3. Dezember 1927 gegründet, standen nur drei Wehrführer an ihrer Spitze. Der erste Chef der Zemitzer Brandschützer, der bei der Gründung 20 Kameraden an seiner Seite hatte, war der Maurermeister Bernhard Schubbe, der das Amt erst 1952 aus Altersgründen an seinen Nachfolger Bruno Gottschalk übergab. Der wiederum brachte es fertig, mit gut 44 Jahren fast über die Hälfte des Alters der Wehr zu amtieren, und nachdem Wehrführer Nummer drei, Klaus Paeder, 1997 die Aufgabe übernommen hatte, kann er inzwischen auch schon das 20-jährige Dienstjubiläum feiern.

Dabei waren die Anfänge vor 90 Jahren höchst bescheiden. Die Ausrüstung der Wehr bestand aus einer Handdruckspritze, einem Wasserwagen und allerlei Kleingeräten. Spanndienst leisteten Bauern, alarmiert wurde mittels Signalhörnern, die persönliche Ausstattung hatte jeder Feuerwehrmann zu Hause. Erst 1942 erhielten die Zemitzer eine Tragkraftspritze; ein Jahr später führte der durch die Einberufung der jüngeren Männer eingetretene Personalmangel zur Bildung einer Frauengruppe, auch relativ unerfahrene Jugendliche mussten in dieser Zeit zu Einsätzen herangezogen werden.

Im Jahre 1972 wurde in Zemitz ein neues Gerätehaus seiner Bestimmung übergeben, zehn Jahre später konnten die Kameraden ihr erstes „richtiges“, wenn auch schon anderenorts gebrauchtes, Löschfahrzeug in Besitz nehmen, nachdem zuvor nur ein so genanntes Kleinlöschfahrzeug (KLF) als Provisorium zur Verfügung gestanden hatte. Bis 1988 musste dann auf ein neues Löschfahrzeug gewartet werden, wobei dessen Indienststellung auch eine Reaktion darauf war, dass sich das Gebiet der Gemeinde inzwischen erheblich vergrößert hatte. Im Widerspruch zu der relativ modernen Ausrüstung der Zemitzer Wehr standen allerdings, auch noch bis längere Zeit nach der Wende, die Zustände im alten Gerätehaus. Nach einem erheblichen Kraftakt der Kommune konnte die Feuerwehr neben dem am 27. Mai 2010 eingeweihten Gemeindezentrum ihr neues Domizil beziehen.

Hier hat auch die Jugendfeuerwehr ihre Heimstatt, die von Bruno Gottschalk 1994 ins Leben gerufen worden war. Der hatte schon zu DDR-Zeiten durch die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft „Junge Brandschutzhelfer“ frühzeitig sein Augenmerk auf Nachwuchsgewinnung gerichtet. Auch die Jugendwehr zeichnet sich, was ihre Leitung betrifft, durch eine bemerkenswerte Kontinuität aus, denn auch sie hatte bisher mit Bruno Gottschalk, Wolfgang Nehls und heute dem Doppelgespann Karina Breuhahn und Marlen Krüger nur drei Führungsteams.

Heute zählt die Freiwillige Feuerwehr Zemitz insgesamt 51 Mitglieder in ihren Reihen, 30 in der aktiven Löschgruppe, acht in der Ehrenabteilung und 13 in der Jugendwehr. Dass das Gründungsjubiläum nicht nur in diesem recht kleinen Kreis gefeiert wurde, sondern dass dazu um die 150 Gäste ins Gemeindezentrum gekommen waren, unter ihnen auch Vertreter der Kreis- und der Amtsverwaltung sowie des Kreis-Feuerwehrverbandes, zeugt von der hohen Anerkennung, die die ehrenamtlichen Brandschützer aus Zemitz weithin genießen. Das kommt offensichtlich auch darin zum Ausdruck, dass von den acht Abgeordneten der Gemeindevertretung fünf zur Feuerwehr gehören. Für Bürgermeisterin Susanne Darmann kein Problem: „Auch das zeigt, dass die Rolle der Wehr keine einseitige Angelegenheit ist, sondern dass sie als fester Bestandteil zum Leben in unseren Dörfern gehört. Gut wäre es, wenn neben Zemitz und Hohensee aus weiteren Ortsteilen Zuwachs käme.“

Dietrich Butenschön

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