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Usedom Zinnowitz: Neue Licht-Düne sorgt für Streit
Vorpommern Usedom Zinnowitz: Neue Licht-Düne sorgt für Streit
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00:11 02.03.2016
(Zu viel) Durchblick? Auf der Zinnowitzer Düne sind Hunderte Bäume und Sträucher verschwunden. Nur in Höhe des Hotels Asgard (rechter Teil des Bildes) ist ein Teil der alten Sträucher stehen geblieben, damit Vögel Nistplätze behalten. Naturschützer kritisieren, dass die Gemeinde zu rigoros abgeholzt habe.

Der Anblick habe ihr gehörig den Kurz-Urlaub verdorben, sagt Anne Kotula. In Zinnowitz wollte sie dieser Tage „einfach die wunderbare Natur“ genießen.

„Doch die Abholzungen in der Düne haben mich wütend und traurig gemacht“, sagt die 32-Jährige, die heute in Erfurt lebt und Usedom als Ex-Greifswalderin bestens kennt.

Die junge Frau ist nicht die einzige Kritikerin. Die in der Bevölkerung scheinbar kaum wahrgenommenen massiven Auslichtungen, die die Gemeinde seit Ende 2015 im Zinnowitzer Dünenschutzstreifen vornehmen ließ und der Hunderte Bäume und Sträucher zum Opfer fielen (siehe Karte), bringen nun doch immer mehr Menschen auf den Plan, wie Wolfgang Nehls, Usedomer Nabu-Mitglied, bestätigt: „Die Sonne steigt höher und so kommen zunehmend Touristen, die fragen, was passiert ist.“ Auch das Zinnowitzer Parlament war irritiert über das Ausmaß, diskutierte die Meinungsverschiedenheiten aber erstmal intern. Für den ehrenamtlichen Insel-Naturschutzwart Nehls steht jedenfalls fest: „Beim Abholzen wurde übertrieben.“

Der Gemeinde droht nun Ärger. Felix Adolphi, Leiter des Forstamtes Neu Pudagla, kündigt an, dass seine Behörde wegen der Fällungen ein „Ordnungswidrigkeitsverfahren nach Landeswaldgesetz“ einleiten wird. Adolphi: „Hier ist Wald beseitigt worden, ohne dass ein entsprechender Antrag auf Waldumwandlung vorlag. Das geht nicht. Wir prüfen, wie das passieren konnte.“

Aus Sicht von Sven Gundlach, der als Zinnowitzer Bauhofchef die Arbeiten der Gemeinde koordinierte, lief alles sauber: Man habe die nötige Genehmigung vom Eigentümer der Flächen — dem Staatlichen Amt für Umwelt und Natur (Stalu) — erhalten, betont er. Allerdings, so räumt auch Stalu-Mitarbeiter Karsten Müller sinngemäß ein: Der Zinnowitzer Antrag könne im Nachhinein nicht als formvollendet betrachtet werden. „Es gab eine E-Mail, in der es hieß, die Maßnahme wurde mit allen Zuständigen abgestimmt. Inzwischen weiß ich, dass die Forst das anders sieht“, gibt Stalu-Mann Müller zu.

Forstamtschef Adolphi sagt: „Einer unserer Förster wurde lediglich darauf hingewiesen, dass etwas geplant ist. Es gab keinerlei fachliche Bewertung. Das in einer E-Mail als Zustimmung darzustellen, ist so nicht korrekt.“

Bauhof-Chef Gundlach kontert: „Die Maßnahmen seien längst fällig und wichtig für den Küstenschutz gewesen: „Die Düne war enorm vermüllt, zum Beispiel mit Plastetüten, Zelten oder Teppichen. Wir mussten da rein, um die Widerstandsfähigkeit weiter zu gewährleisten.“ Und: „Viele Bäume und Sträucher werden schnell nachwachsen, so dass alles dann schon bald gar nicht mehr so kahl wirkt.“

Naturschutzwart Nehls versteht einige Argumente der Gemeinde sogar: „Es waren auch Baum- und Pflanzenarten wie Pappeln und Ahorn drin, die dem Boden Sauerstoff und der Düne damit Festigkeit genommen haben. In dem Bereich war es sinnvoll, auszulichten. Aber: Es seien Brutplätze von Vögeln zerstört und der Promenade Windschutz genommen worden.

Ein Beigeschmack entsteht ohnehin, da die Auslichtungen (sie kosteten einen Betrag im niedrigen fünfstelligen Euro-Bereich) von Zinnowitzer Hoteliers bezahlt wurden. Sie stehen auch voll hinter der Aktion. „Bei unseren Urlaubern kommt das super an, ich höre keine Proteste. Früher war da auch kein Wald und man hat auch wieder von den unteren Etagen aus Meerblick“, sagt der Inhaber des Asgard-Hotels, Peter Lippmann.Unternehmer-Interessen dürften allerdings nicht Maßstab für die Bewertung einer solchen Maßnahme sein, meint Felix Adolphi. Es gebe nicht einmal eine Auflistung, wie viele und welche Bäume gefällt wurden, noch die notwendige Festlegung der Forstbehörde, welche Ausgleichspflanzungen oder -Zahlungen das Seebad dafür leisten müsse. „Ich hätte erwartet, dass so etwas in einem Brief und bei Vorort-Terminen mit uns geklärt wird, sagt der Forstamtschef. Seine Behörde werde nun Gemeinde und Stalu zu Stellungnahmen auffordern, dann müsse abgewogen werden.

Möglich, dass Zinnowitz das forsche Einschreiten in der Düne noch mit einem saftigen Bußgeld bezahlt.



Alexander Loew

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