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Usedom Zinnowitzer Ehepaar muss Schimmel-Wohnung räumen
Vorpommern Usedom Zinnowitzer Ehepaar muss Schimmel-Wohnung räumen
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07:52 06.12.2017
Birgit Nsaka zeigt die Proben, die in der Wohnung genommen wurden.
Zinnowitz

Es ist die Horrorvorstellung einer jeden Familie: Das Bett, der Schrank, die Schuhe, die Kleidungsstücke – bei Familie Nsaka aus Zinnowitz sind alle Gegenstände aus dem Haushalt ein Fall für den Sperrmüll. Ihre Wohnung im Gnitzer Weg betreten Birgit und ihr Ehemann Jean-Jacques nur noch äußerst ungern. Nach einer Abwasser-Havarie Anfang September in der Küche und in der Toilette hat die Familie Schimmel in der kompletten Wohnung.

Die Suche nach einer neuen Bleibe gestaltet sich bisher schwierig

Mit Hochdruck versuchte ein Handwerker, das Rohr in der Küche frei zu spülen. Durch den Druck stieg der Wasserspiegel in der Toilette und ein Großteil der Wohnung stand unter Wasser. Diese wurde von Gesundheitsämtern und Gutachtern als unbewohnbar eingestuft. Bis 21. Dezember leben die Nsakas daher in einer Ferienwohnung, was danach wird, ist unklar. „Wir stehen praktisch auf der Straße, weil unsere Ferienwohnung dann wieder an Urlaubsgäste vermietet wird“, sagt Birgit Nsaka, die auf Hilfe hofft: „Wir sind eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern.

Wichtig ist für uns, aufgrund meiner Erkrankung, ein Fliesenfußboden, am besten Kalksandstein. Viele Wohnungen, die wir bisher gesehen haben, sind entweder zu teuer, zu klein oder zu weit weg.“ Dass die Familie nicht jede Wohnung nutzen kann, hängt mit der chronischen Knochenmarkerkrankung zusammen, unter der Birgit Nsaka leidet. Oft liegt die 46- Jährige im Bett, weil ihr die Kraft fehlt, sich aufzuraffen.

Und jetzt noch die Fäkalienhavarie. „Wir leiden in der Wohnung unter Durchfall, Schwäche und allgemeinem Unwohlsein“, erklärt sie. Vom Vermieter fühlt sie sich im Stich gelassen. Laut Gutachten hätte dieser technische Trocknungsmaßnahmen veranlassen müssen. Die Wohnung riecht muffig. An fast jeder Stelle ist Schimmel zu finden. Birgit Nsaka zeigt Proben in die Kamera, die in der Wohnung genommen worden seien.

Auch die Mieter über ihrer Wohnung, Karla und Henry Haase, sollen zum Jahreswechsel ihre vier Wände verlassen. „Nach einem vorherigen Zeitungsartikel und einem Bericht im Fernsehen hat uns der Vermieter gekündigt“, sagt Henry Haase. Viele Unterlagen von Gesundheitsämtern und Behörden habe er inzwischen der Staatsanwaltschaft übergeben. „Ich habe durch den Schimmel Herzprobleme, ein Stechen im Brustbereich, brennende Atemwege, Kopfschmerzen und Schwächezustände“, berichtet Haase, der im Februar 2015 mit seiner Frau aus Leipzig an die Ostsee gezogen ist. „Dieses Haus ist voller Schimmel.

Es wurde beim Bau gepfuscht. Wir können nicht verstehen, wenn hier noch jemand einziehen möchte“, sagt er. Er vermutet, dass nach ihrem Weggang die nächsten Mieter in das Haus ziehen: „Hier wird nochmal der Schimmel übergestrichen und dann beginnt das Theater von vorne.“ Offiziell heißt es, dass der Vermieter selbst dort einziehen möchte. Grund: die Trennung von der Ehefrau.

Der in Schönhausen bei Strasburg wohnhafte Vermieter war gestern trotz mehrfacher Versuche für die OZ nicht erreichbar. Ihn hätten wir zum Beispiel gern gefragt, warum er in eine vom Schimmel befallene Wohnung ziehen möchte.

Hannes Ewert

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