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Usedom Zirchower fühlen sich von Regierung veräppelt
Vorpommern Usedom Zirchower fühlen sich von Regierung veräppelt
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01:40 08.05.2018
Auf der Hauptstraße durch Zirchow laufen Fußgänger und Radfahrer, Kinder und alte Menschen Gefahr, überrollt zu werden. Quelle: Foto: St. Adler

Die Einwohner der Haffgemeinde Zirchow haben die Nase gestrichen voll. Verstopfte Straßen, die kaum Gegenverkehr zulassen, enge Gehwege, die nicht mit Kinderwagen oder Rollator befahrbar und selbst für Solo-Fußgänger lebensgefährlich sind, und schließlich die nur äußerst vage Hoffnung auf einen Sanktnimmerleinstag, an dem vielleicht, eventuell, möglicherweise eine Ortsumgehung für den zunehmenden Durchgangsverkehr errichtet wird. All das bringt das Fass voller Wut, Enttäuschung und Frust zum Überlaufen.

Detlef Buske von der Straßenverkehrsbehörde: „Wenn Tempo 30 in den nächsten Wochen hier kommt, werden wir die Einhaltung auch kontrollieren.“ Quelle: Foto: Steffen Adler
Zirchows Bürgermeister Gerd Wendlandt: „Wir kämpfen seit Ende der 1990er Jahre um eine vernünftige Lösung – langsam ist unsere Geduld am Ende: Es reicht!“ Quelle: Foto: St. Adler
Das Ansinnen der Zirchower, eine Ortsum- fahrung zu bekommen, hat an Hoffnung gewonnen. Jens Krage, Leiter des Straßenverkehrsamtes Neustrelitz

Grund genug, gestern zu einem Ortstermin an die Abzweigung B 110/Lindenstraße einzuladen, um aus berufenem Munde die aktuelle Situation beschrieben zu bekommen. Immerhin wollen die Dörfler schon in wenigen Tagen gen Schwerin reisen, um ihrem Unmut vorm Landtag erneut Luft zu machen. Mit welcher Botschaft also können sie diese Tour antreten?

Jens Krage, Chef des Straßenbauamtes Neustrelitz, verbreitete Optimismus in ganz kleinen Chargen. Zwischen den zuständigen Verkehrsministerien in Schwerin und Berlin sei eine Verständigung im Gange.

Die Hoffnung, dass eine Ortsumgehung (aber es ist bislang völlig unklar, welche Route sie nimmt) „mittelfristig, also vielleicht in sieben bis 15 Jahren,“ doch kommen könnte, speist sich aus den Folgen des Tunnelprojektes in Swinemünde. Es bedeute einen substantiell anderen Straßenverkehr, weshalb ein Ausnahmeparagraph greifen und die einschränkende Wirkung des Bundesverkehrswegeplanes aushebeln könnte. Immerhin geht mit dem Tunnelbau außerdem ein wesentlich günstigerer Kosten-Nutzen-Faktor einher, als bislang berechnet. An diesem Punkt aber intervenierten die Einwohner:

„Sicherheit muss vor Wirtschaftlichkeit gehen“, forderten sie einhellig. Und Kathrin Flindt von der Bürger-Arbeitsgruppe gestand: „Wir haben Angst. Eine Ortsumgehung, und zwar keine, die den Ort zerschneidet, ist die einzige Alternative zur jetzigen, unhaltbaren Situation.“

Dafür wollen auch Bürgermeister Gerd Wendlandt und Amtsvorsteher Karl-Heinz Schröder weiter kämpfen. „Wir geben nicht auf“, versichert der CDU-Mann. Da Minister Pegel (SPD), dem in der Runde wiederholt Arroganz unterstellt wurde, gesagt haben soll, am Geld mangele es nicht, erwarten die Zirchower, dass endlich was passiert. „Wir haben die Schnauze gestrichen voll, fühlen uns verscheißert“, waren sich Anwohner einig.

Krage verwies freilich darauf, dass es landesweit 30 bis 40 ebenso vehement geforderte Ortsumgehungen gebe, an denen man noch etliche Jahrzehnte zu bauen habe. In Zirchow dürfte nach häufigen Unfällen zunächst vor allem Tempo 30 im Ortszentrum eingerichtet werden. Verantwortliche der Verkehrsbehörde beim Kreis stellten dies für die nächsten „etwa vier Wochen“ in Aussicht. Und zugleich Kontrollen zur Einhaltung des Tempolimits.

Steffen Adler

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