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Usedom Zu Gast auf dem herzerwärmend anderen Adventsmarkt
Vorpommern Usedom Zu Gast auf dem herzerwärmend anderen Adventsmarkt
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00:00 28.11.2016

. Einmal im Jahr ist im Behindertenzentrum „Am kleinen Haff“ in Zirchow besonders viel los. Wenn die Bewohner ihren Adventsmarkt veranstalten, kommen Freunde und Bekannte. Schwarzlichttheater, Weihnachtsmann und Leckereien sorgen für eine herzliche Vorweihnachtsstimmung.

„Ich bin der Weihnachtsmann von Zirchow“, sagt der weißbärtige Mann in der roten Robe mit tiefer Überzeugung. Jeder hier weiß, dass André Döge alle Jahre wieder nur zu gern in das Weihnachtsmannkostüm schlüpft, um den Bewohnern und Besuchern des Behindertenzentrums die Geschenke zu bringen. Ohne ihn geht es nicht, sagt er mit Stolz. Dafür schwitzt er gern unter der dicken Kluft. Heute soll er mit der kleinen Bimmelbahn zu den Leuten kommen. Die hat die Heimleitung extra für den Adventsmarkt organisiert. Ein bisschen aufgeregt sei er schon – trotz der jahrelangen Erfahrung. Einrichtungsleiterin Ines Weiland freut sich darüber, dass ihr Schützling seine Aufgabe so wichtig nimmt: „Obwohl es für ihn anstrengend ist, will er die Rolle jedes Jahr unbedingt übernehmen.“

Und dann ist es soweit. Die Heimbewohner begrüßen den rotgekleideten Mann freudig. Döge nimmt sich Zeit, kniet sich vor den kleinen Gästen sogar nieder und hört sich geduldig die auswendig gelernten Gedichte an. Denn ohne gibt’s keine Geschenke. Er ist das Highlight des kleinen Adventsmarktes.

Das weiß auch Simone, die mit ihrer besten Freundin Ramona von Bude zu Bude schlendert und sich anschaut, was es dort alles Leckeres gibt. Dabei habe sie gar keinen Hunger. Denn sie ist auf Diät, flüstert sie. Simone Riedel und ihre Freundin sind seit 1993 in der Zirchower Einrichtung, und sie freuen sich noch jedes Mal auf den Adventsmarkt. „Dann ist endlich richtig was los“, sagen sie.

Langsam füllt sich der Platz mit Familienangehörigen, Freunden, Betreuern und natürlich den Bewohnern. Es duftet nach Bratwurst und süßem Popcorn. Vor einer Bude steht ein altmodischer Wagen, der in einem fort gepoppten Mais ausspuckt.

Der Nachmittag startet mit einer kleinen Theateraufführung. Der alte Kinosaal aus NVA-Zeiten ist rammelvoll. Bewohner und Gäste sind gespannt, was die fünf Behinderten der Theatergruppe sich mit ihren Betreuerinnen Christa Kickhefel, Sybille Krause und Hannelore Sauck für sie ausgedacht haben. „Schwarzlichttheater“, raunt Ute Beckmann, die von allen nur Peggy genannt wird. Sie steckt bis über die Ohren in einem schwarzen Anzug. Nur die Augen sind durch einen kleinen Schlitz zu sehen. Theaterspielen macht ihr Spaß. Auch wenn ihr unter der Skimaske mächtig war ist. Und wenn sie einmal aufgeregt ist: „Hilft einfach anfangen.“ Die Bühne ist stockfinster. Man sieht die Hand vor Augen nicht. Doch die wichtigen Utensilien wie Kerzenleuchter, Kirchenglocken oder das Bühnenbild strahlen im Schwarzlicht in den schrillsten Farben. Es gibt ein Weihnachtspotpourri, in dem die kleine Truppe bekannte Weihnachtslieder szenisch nachstellt. Das Publikum ist begeistert. „Hat alles geklappt“, freut Peggy sich und zeigt die mit Leuchtfarben bemalte Pappwolke, die sie auf der Bühne gespielt hat. Jetzt hat sie sich einen Kaffee und Kuchen verdient. „Oder lieber Bratwurst?“

Sandra Grüning

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