Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
„Zur Erholung lese ich einen guten Krimi“

Wolgast „Zur Erholung lese ich einen guten Krimi“

Der Schulleiter a.D. und Kommunalpolitiker Heinz Powils aus Wolgast feiert demnächst seinen 75. Geburtstag

Wolgast. Als sich der Wolgaster Heinz Powils 1991 in die Kommunalpolitik stürzte, hatte auch ihn die Aufbruchstimmung der Nachwendezeit erfasst. Inzwischen ist bei dem Sozialdemokraten die anfängliche Euphorie einer satten Ernüchterung gewichen. „Vieles ist aus der Stadt verschwunden“, resümiert Powils mit Blick auf Kreisverwaltung, Finanzamt, Amtsgericht Krankenhaus-Abteilungen – wobei er mit Blick auf die Landespolitik unumwunden einräumt: „Meine eigene Partei war dabei federführend. Für Wolgast tut es mir leid. Mir geht es da so wie jedem, der für die Stadt was übrig hat.“

 

OZ-Bild

Jubilar Heinz Powils aus Wolgast mit seinem Langhaardackel Attila vom Prägelbach. Immer früh am Morgen sind beide in der Stadt am Peenestrom auf Tour.

Quelle: Tom Schröter

Ich hatte immer ein tolles Team an meiner Seite, so dass die Arbeit trotz mancher Probleme Spaß gemacht hat.“Heinz Powils (74) aus Wolgast

Allerdings: Verbittert ist Powils nicht. Sein durchgängiges Engagement bis heute in der Wolgaster Stadtvertretung basiert, so scheint es, zunehmend eher auf Trotz. Er mag die Sympathiebekundungen auf der Straße, wenn er der Stadtverwaltung wieder mal auf den Zahn gefühlt hat, auch als ihm dies im Falle der Bauamtsleiterin ein juristisches Nachspiel einbrachte. „Am Ende siegte die freie Meinungsäußerung. Das hat mich gefreut“, meint der Peenestädter, der am 3. November seinen 75. Geburtstag begeht.

Heinz Powils hat eine interessante Wegstrecke hinter sich. Als Sohn eines Kraftfahrers und einer Arbeiterin wurde er am 3. November 1941 in Ragnit, Kreis Tilsit in Ostpreußen, geboren. „Meinen Vater habe ich nicht bewusst kennengelernt; er ist im Krieg verschollen“, erzählt er. Nun oblag es der Mutter, für ihn und seine drei Geschwister zu sorgen, nachdem die Familie 1944 ihre Heimat verlassen und in Rambin auf Rügen einen Neuanfang organisieren musste. „Es hieß damals, nach 14 Tagen können wir zurück nach Hause“, so Powils. „Die 14 Tage sind heut’ noch nicht rum.“

Auf Rügen wuchs Powils in bescheidenen Verhältnissen auf. Wie er, seine Geschwister und die Mutter in einer engen Mägdekammer hausen mussten, hat er nie vergessen. „Heute weiß ich meine großzügige Wohnung zu schätzen“, sagt er. 1956 wechselte Powils als 14- Jähriger nach Putbus, um sich, wie sein Bruder Helmut, am Institut für Lehrerbildung zum Unterstufenlehrer ausbilden zu lassen. 1960 folgte die Delegierung in den noch jungen Kreis Wolgast, wo er als Absolvent am 1. September die Schule in Karnin nahe der Zecheriner Brücke übernahm. Nur ein Jahr später verschlug es Powils nach Klotzow in den Lassaner Winkel. „Hier war ich Hausmeister, Lehrer und Schuldirektor in einer Person, hatte drei Klassen, die ich zusammen in Sport, Musik, Mathematik und Deutsch unterrichtete, und wohnte im Schulhaus“, erzählt er. Dem hochgewachsenen jungen Mann gelang es ruckzuck, die übermütige Dorfkinderschar zu bändigen. „Und mein Organ war schon immer nicht zu überhören, was mir zusätzlich Respekt verschaffte.“

Die Einberufung zu den Grenztruppen setzte dem idyllischen Leben als Landschullehrer ein jähes Ende, zumal Powils ab 1965, nach einem Studium in Erfurt, in Wolgast im Fach Kunsterziehung unterrichtete und ab 1967 25 Jahre lang als Fachberater bei Kollegen im gesamten Landkreis hospitierte und Hilfe gab. „Selbst unterrichtet habe ich an der Wolgaster Hilfsschule, erst am Kirchplatz und dann am Paschenberg, und an der EOS am Lustwall. Gleichzeitig beriet ich die Lehrer an den polytechnischen Schulen“, schildert Powils, der auf diese Weise einen Erfahrungsschatz anhäufte, der ihm später nutzen sollte. „An der erweiterten Oberschule am Lustwall erlebte ich meine schönste Lehrerzeit. Dort hatte ich mit Karin Braun, Gero Kärst, Sabine Sußmann, Reinhard Knappik, Gabriele Beyer, Harald Tresp und vielen anderen Top- Schüler. Es gab Diskussionen, auch über moderne Kunst, und auch die verschiedensten Meinungen wurden zugelassen.“

Ungezählte Schüler ließen sich von Powils musisch bilden – von der antiken bis zur DDR-Kunst. Als er auf Wunsch des Kreisschulrates Günter Mesing 1992 die Leitung der Hauptschule in der Schützenstraße antrat, lauerte eine völlig neue Herausforderung. „Für uns als Lehrerteam bedeutete es harte Arbeit, dort Ordnung reinzubringen. War die Schule doch ein Sammelbecken für Lernschwache und -unwillige und für Schüler, die schon Bekanntschaft mit der Polizei geschlossen hatten.“

„Ich schätze an ihm besonders seine Zuverlässigkeit“, sagt Ehefrau Jutta. Es mögen dieser Wesenszug, pädagogisches Geschick und eine Prise Humor sein, die Powils auch die neue Leitungsaufgabe meistern ließen. Als sich das Schulhaus als zu klein erwies, folgte 1993 der Umzug in die ehemalige Oberschule IV in der Heberleinstraße, wo Powils bis zum Ruhestand 2004 als Direktor die bis zu 500 Schüler und 30 Lehrer zählende Grund-, Haupt- und Realschule und schließlich die Regionalschule mit Grundschule managte. „Ich hatte immer ein tolles Team an meiner Seite, so dass die Arbeit trotz mancher Probleme Spaß gemacht hat“, sagt er. Auch, dass der Holzdrache „Heinz“ bis heute den Schulhof ziert, erfüllt ihn mit Stolz.

Von der Politik konnte Powils, der seit 46 Jahren verheiratet ist und eine 45-jährige Tochter hat, bis heute nicht lassen. Sowohl im Stadtrat als auch im Kreistag von Vorpommern-Greifswald fungiert er heute als Alterspräsident. Zudem ist er seit 25 Jahren als Schöffe an verschiedenen Gerichten in Greifswald und Stralsund aktiv. Allmählich will er sich aus all diesen Gremien zurückziehen. Im beeindruckenden Bücherregal wartet spannende Lektüre: „Denn zur Erholung lese ich gerne einen guten Krimi.“ Zudem lauert Langhaardackel Attila auf den nächsten Rundgang. „Schon als Kind hatte ich immer einen Dackel“, sagt der Jubilar. „Dies ist eine kluge und liebe Hunderasse – und ein bisschen eigensinnig.“

Tom Schröter

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Bergen

Stadtvertreter haben einen Jugendbeirat beschlossen / Ein Rederecht in den Ausschüssen ist nicht vorgesehen

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Usedom
Verlagshaus Zinnowitz

Neue Strandstraße 31
17454 Ostseebad Zinnowitz

Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. von 10:00 bis 17:00

Leiter Lokalredaktion: Dr. Steffen Adler
Telefon: 03 83 77 / 36 10 14
E-Mail: zinnowitz@ostsee-zeitung.de

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Termine, Events, Veranstaltungen Teaser der den User auf die Seite "Termine" führen soll image/svg+xml Image Teaser Termine 2015-09-23 de Veranstaltungen Aktuelle Termine Konzerte, Kino, Ausstellungen, Vorträge, Theater, Workshops, Tanz und noch vieles mehr. Alle Veranstaltungen und Freizeittipps in Ihrer Nähe finden Sie hier.
Städtewetter
Heute -° / -° -
- -°/-° -
- -°/-° -
RSS-Feeds

Wissen, was in Rostock und der Welt los ist

Benjamin Barz Ostsee-Zeitung Ostsee-Zeitung Lererbriefe, Meinung, Teaser der den User auf die Seite "Leserbriefe" führen soll image/svg+xml Image Teaser „Leserbriefe“ 2015-09-23 de Meinung Ihre Leserbriefe Über unser Kontaktformular können Sie uns gern Lob, Kritik, Ideen oder andere Anmerkungen zu aktuellen Themen aus Ihrer Region, MV und der Welt zusenden. Wir freuen uns auf Ihre Meinung. Hier geht es zum Formular.