Ihre Lebensgeschichte zog einen anderen Pastor so in den Bann, dass er beschloss, ein Buch über Thea Schreiber zu verfassen: Matthias Burkhardt, Pastor im (Un-)Ruhestand. Vorgänger von Matthias Borchert, der nun die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde in Kühlungsborn führt.
Die Vorstellung des Buches „Thea Schreiber — Malerin, Partisanin, Mystikerin“ in der vergangenen Woche in der Pfarrscheune wurde zum großen Erfolg. Der Saal war brechend voll. Matthias Burkhardt schien sichtlich ergriffen über so viel Interesse. Der Historiker Alexander Schacht hielt eine eindrucksvolle Laudatio.
Matthias Burkhardt stieß auf Thea Schreiber-Gammelin, als er in den Chronikbänden ihres Vaters, der 34 Jahre die Kirchgemeinde leitete, stöberte, um sich auf seine erste Predigt vorzubereiten. Das war Mitte Mai 1987. Doch erst jetzt fand er die Ruhe zu recherchieren. Reiste sogar nach Slowenien, wo Thea gemeinsam mit ihrer Lebenspartnerin, der 17 Jahre älteren Alma M. Karlin, viele Jahre verbrachte. Nachdem Thea ein Buch der Weltreisenden und Schriftstellerin in die Hände bekam, wollte sie Alma kennenlernen. Dazu musste sie nach nach Celje in Slowenien reisen, damals ein Teil von Jugoslawien. Ohne zu wissen, dass das Land bald zu ihrer Heimat werden würde. Doch zuerst wollte Thea das Kunststudium in Schweden beenden. Alma M. Karlin beschäftigte sich auch mit Aberglauben, Mystik und Okkultismus. Die Malerin Thea besaß bis ins hohe Alter das sogenannte „zweite Gesicht“. Sie verfügte über heilerische Fähigkeiten, konnte Ereignisse voraussagen. Die Bücher beider Frauen über diese Themen, die Thea mit Zeichnungen illustrierte, blieben jedoch erfolglos.
Matthias Burkhardt hatte das Glück, in Slowenien Dokumente zu finden, die ihm bei der Recherche für das Buch weiterhalfen. Auch Zeitzeugen oder deren Nachfahren in und um Kühlungsborn machte er ausfindig und entdeckte dabei wunderschöne Malereien, Schriftstücke oder hörte Geschichten.
So fand er einige Briefe, in denen Thea — eine konservativ erzogene Pastorentochter — erzählte, wie sie in den jugoslawischen Wäldern mit den kommunistischen Partisanen gegen die Faschisten kämpfte.
Am 14. Januar 1950 verstarb die Seelenschwester und Lebenspartnerin Alma. Thea orientierte sich neu: Sie konvertierte zur katholischen Kirche. Unter anderem deshalb, weil in Slowenien der Katholizismus vorherrschte und sie sich dem Land stark verbunden fühlte. Im Alter von 62 Jahren beendete sie in ihrem elften Semester 1969 ein Theologiestudium. Am 26. März 1988 verstarb Thea Schreiber-Gammelin im Alter von 82 Jahren im Krankenhaus von Celje. Dem Buch ist anzumerken, wie nahe Matthias Burkhardt der Malerin, Partisanin und Mystikerin kam. Die sich Zeit ihres Lebens für eine englische Königstochter hielt. Das Buch ist spannend, unterhaltend und dokumentarisch. Geschrieben von Matthias Burkhardt (66), verheiratet, fünf Kinder, als Pastorenkind aufgewachsen. Es erschien im BS-Verlag-Rostock von Angelika Bruhn, mit Sitz in Bargeshagen.
