Nach OZ-Informationen soll die Projektgesellschaft zumindest so lange am Leben gehalten werden, bis über die Genehmigung entschieden ist. Die Dänen hielten 74,9 Prozent der Anteile, während der Rest der Aktiengesellschaft WV Energie mit Sitz in Frankfurt a. Main gehört. Darüber sind wiederum mehrere Stadtwerke in das Vorhaben eingebunden.
Ein Dong-Sprecher bestätigte der OZ auf Anfrage, dass es Überlegungen gebe, einen Teil der schon investierten Summe über den Verkauf der Genehmigung zu kompensieren. In der Vorphase seien mehrere Millionen Euro ausgegeben worden. Der Stromkonzern gehe weiterhin davon aus, dass ein Steinkohlekraftwerk am Standort Lubmin genehmigungsfähig sei. Ausschließlich wirtschaftliche Gründe hätten im Dezember den Ausschlag dafür gegeben, vom Bau des 1600-Megawatt-Kraftwerkes abzurücken. So habe Dong Ende 2009 in Dänemark selbst zwei Kohlemeiler stilllegen und 200 Mitarbeiter entlassen müssen.
„Vor diesem Hintergrund lässt sich eine 2,3 Milliarden-Investition in Deutschland im eigenen Land nicht rechtfertigen“, hieß es weiter. Außerdem hätten sich die Dänen von der Landesregierung in Mecklenburg- Vorpommern schikaniert gefühlt. Für die Arbeit des Staatlichen Amtes für Umwelt und Natur (StAUN) hat sich deshalb wenig geändert. „Das Genehmigungsverfahren läuft völlig normal weiter, der Antragsteller ist der gleiche geblieben“, sagte Sabine Wolleschensky, zuständige Abteilungsleiterin im StAUN. Die Projektgesellschaft würde die offenen Fragen abarbeiten. Einige naturschutzrechtliche Dinge seien aber noch ungeklärt.
Die WV Energie AG treibt als Juniorpartner derweil nicht nur die Genehmigung voran, sondern hält auch Ausschau nach einem oder mehreren neuen Großpartnern, mit denen sich der Bau des Steinkohlekraftwerkes in Lubmin realisieren ließe. WV-Energie-Projektleiter Albert Uwe Schön: „Ich rechne damit, dass wir Ende März wissen, wie es konkret weitergeht.“ Mehr sagte er nicht.
Für Verwirrung sorgt zusätzlich ein undurchsichtiges Firmengeflecht, das Dong Energy in der Region unterhält. Neben der den Genehmigungsbehörden bekannten Projektgesellschaft existieren die Kraftwerke Greifswald Verwaltungs GmbH sowie die Kraftwerke Greifswald Beteiligungs GmbH. Alle drei Kapitalgesellschaften verbuchten 2008 insgesamt eine Bilanzsumme von knapp 37 Millionen Euro und haben ihren Sitz im ostvorpommerschen Dörfchen Rubenow. Als Geschäftsführer taucht neben dem dänischen Dong-Projektleiter Peter Gedbjerg Kay Langley aus Dorsten (Nordrhein-Westfalen) auf. Er ist zugleich Chef des deutschen Dong-Mutterunternehmens Kraftwerke Holding GmbH in Hamburg. Zu den Unternehmensstrukturen sagte Langley: „Kein Kommentar.“ Oskar Gulla, Chef der Greifswalder Bürgerinitiative gegen das Steinkohlekraftwerk, kündigte weiteren Widerstand an. „Wir wollen den Totenschein für den Kohlemeiler und haben noch genug Geld und Power, um gegen das Kraftwerk vor Gericht zu ziehen, egal wer es bauen will.“ In einem Brief an Anders Eldrup, Aufsichtsrats-Chef von Dong Energy, verlangen die Umweltschützer nun Aufklärung über die Aktivitäten in Lubmin. Noch sind acht Stadtwerke weiterhin an Strom aus Lubmin interessiert.
Viernheim (Hessen) Bad Vilbel (Hessen) Innsbruck (Österreich) Lünen (Nordrhein-Westfl.) Vogelsbergkreis (Hessen) Salzburg (Österreich) Schwabach (Bayern) Grüne und Umweltverbände werben in den Regionen dafür, aus dem Projekt auszusteigen.


















