Doch wie wirken sich die klimatischen Veränderungen auf die historische Bausubstanz aus? Wird unser Weltkulturerbe beschädigt oder gar zerstört? Was kann man tun, um sich vor den Folgen zu schützen?
Was würde das Ganze kosten, wenn man nicht rechtzeitig dagegen ansteuert? Mit diesen Fragen beschäftigt sich das Forschungsprojekt „Climate for Culture“, das von der Europäischen Union mit fünf Millionen Euro gefördert wird, wie Projektleiterin Johanna Leissner von der Fraunhofer-Gesellschaft informierte.
Insgesamt arbeiten an dem Vorhaben 30 Partner aus 16 Ländern in Europa und Nordafrika. Untersucht werden nicht nur das vom steigenden Meeresspiegel bedrohte Venedig, das Schloss Schönbrunn in Wien oder die Pyramiden von Sakkara, sondern auch die Altstädte in Wismar und Stralsund.
„Dabei soll nicht nur eine präzise Bewertung der Schäden durch den Klimawandel ermöglicht werden, Ziel ist es, nachhaltige und vorbeugende Strategien zu entwickeln, sagt Dr. Leissner. Es sei geplant, dass die Forscher neue Simulationsverfahren einsetzen, um die regionalen Auswirkungen des Klimawandels beurteilen zu können.
Stralsunds Welterbemanagerin Steffi Behrendt hat nach dem Start des Projektes Anfang November in München Kontakt mit dem Fraunhofer Institut aufgenommen. „Wir sind natürlich sehr an den Ergebnissen interessiert, haben unser Interesse erklärt und unsere Mithilfe angeboten“, erläuterte die Stralsunderin. „Wie sehr zum Beispiel der Salzgehalt der Luft Denkmälern aus Backstein zusetzen kann, haben wir erst jüngst am Johanniskloster oder am Beispiel des Rathauskellers erlebt.“ Zum einen gehe es bei den Untersuchungen um die Auswirkungen des Klimas auf die „gebauten Kulturgüter“, also die äußere Hülle. Zum anderen aber auch um die Innenräume von Denkmälern und die wertvollen Ausstattungsgegenstände wie Wandmalereien oder Holzgegenstände. Denn die sind durch die Veränderung der Luftfeuchtigkeit stark gefährdet. „Besucherströme bringen viel Feuchte mit sich. Es kann sich Schimmel bilden. In den kommenden Jahren könnten sich die Probleme noch verstärken: Steigen die Temperaturen wegen des Klimawandels, gelangt auch mehr Feuchte in die Räume. Hier sollen innovative, energiesparende Lösungen zum Erhalt der Gebäude und Kunstwerke gefunden werden“, so Ralf Kilian vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP).
Für die weiteren Untersuchungen, bei denen man erst am Anfang stünde — das Projekt läuft über fünf Jahre — soll es eine Art Fall-Beispielliste geben. Konkrete Festlegungen, welche Objekte dabei untersucht werden, gebe es noch nicht, so Steffi Behrendt. „Wir können uns da aber durchaus den Kampischen Hof, die Kirchen oder den Rathauskeller vorstellen und bleiben am Ball“, verspricht Steffi Behrendt.
Im Rathauskeller wurden übrigens gerade die Archäologen fündig. Im Westschiff stießen sie bei ihren Grabungen auf eine sechs Meter lange und über drei Meter breite Feuerstelle aus dem Mittelalter.
„Bei dem Fundort könnte es sich um einen ehemaligen Lager- und Schankraum handeln“, vermutet Grabungsleiterin Renate Samariter. Mehrere gefundene Trinkgefäße aus dem 14. Jahrhundert lassen auf einen Schankraum schließen. „Eigentlich ist das Rathaus ursprünglich ja ein Kaufhaus gewesen und muss auch über gut temperierte Lagerräume verfügt haben", sagt die Archäologin und könnte sich vorstellen, dass der Lager- und Schankbereich damals eng bei einander lagen.














