Nach der Bundestagswahl war bekannt geworden, dass Sellering seinen Erstwohnsitz im Sommer in die Landeshauptstadt verlegt hatte. Er stimmte bei der Wahl zum ersten Mal als Schweriner ab (OZ berichtete). SPD-Regionalgeschäftsführer Lothar Brandt sagt, der Ministerpräsident habe ihn „wohl Ende Juni“ gebeten, die Post aus dem Wahlkreis künftig nach Schwerin weiterzuleiten.
Teile der Partei-Basis sowie der SPD-Nachwuchsorganisation Jusos wollen ihrem Abgeordneten nun die Gefolgschaft aufkündigen. „Ein Wahlkreisabgeordneter muss seine Region im Landtag vertreten, auch wenn neue Aufgaben dazukommen“, kritisiert Juso-Kreischef Eric Hartmann.
Christian Pegel, Kreisvorsitzender der Sozialdemokraten, bestätigt, dass es in der Partei Unmut über die plötzliche Nachricht vom neuen Erstwohnsitz des SPD-Landeschefs gebe. Das sei anders geplant gewesen. Pegel: „Er hat im August mit mir vertraulich darüber gesprochen.“ Im Oktober hätte die Partei über diesen Schritt unterrichtet werden sollen. „Ich habe das jetzt aus der OZ erfahren“, kritisiert Andreas Kerath, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft, die schlechte Kommunikation.
Nach Parteiangaben wolle Sellering trotz der Ummeldung des Hauptwohnsitzes in seine schon seit längerem bestehende Schweriner Dienstwohnung weiter am Direktmandat festhalten. Ende 2008 hatte er sich von seiner in Greifswald lebenden Ehefrau getrennt.
Hartmann kann sich eine erneute Direktkandidatur bei den Landtagswahlen 2011 jedoch nur schwer vorstellen. „Angesichts der jetzigen Lage wäre es nicht gerechtfertigt, ihm das Direktmandat zu überlassen“, sagt er.
Kerath spricht bei der Auswahl eines passenden Direktkandidaten von „einer politischen Entscheidung“. Er betont aber, dass der Ministerpräsident beim Thema Kreisgebietsreform eine gänzlich andere Linie vertrete als die, die in Greifswald favorisiert werde. Erst in der jüngsten Bürgerschaftssitzung hatte Sozialsenator Ulf Dembski, selbst SPD-Mitglied, Sellering offen angegriffen. Während die Greifswalder Parlamentarier Egbert Liskow (CDU) und Sebastian Ratjen (FDP) im Landtag gegen das Reformwerk gestimmt hätten, „war nur ein Greifswalder Wahlkreisabgeordneter dafür“. Gemeint war der Regierungschef. Er kündigte für den 27. Oktober eine parteiinterne Sitzung an. Sellering: „Ich bleibe Greifswalder Abgeordneter und werde weiter vor Ort Wahlkreis-Termine machen.“ Ein Teil der SPD-Basis ärgert sich zudem über den Kurs der Bürgerschaftsfraktion. Einem parteiinternen Papier zufolge solle die Fraktion der von der Stadtverwaltung vorgelegten Streichliste in wichtigen Punkten nicht zustimmen, um die Glaubwürdigkeit der Sozialdemokraten nicht zu beschädigen. Mit den in der Liste vorgeschlagenen Maßnahmen will die Stadt bis 2013 eine Summe von 14
Millionen Euro einsparen. Kerath kommentiert das Parteiansinnen mit den Worten: „Wir haben für uns als Fraktion beschlossen, die Haushaltssicherung mit zu unterstützen.“
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