„Haugesund“ steht in großen Lettern am Gebäude, der Name einer norwegischen Küstenstadt, eingerahmt von norwegischen Staatsflaggen, die der Hersteller auch auf seine Textilien druckt und für Werbezwecke missbraucht. Gegen den Willen des Landes Norwegen, das gegen die Modemarke klagt wegen „widerrechtlicher Verwendung staatlicher Hoheitszeichen“.
Die prangen nun im Kurt-Schumacher-Ring gleich über „Ute‘s Bierstube“. Der Ladeneingang ist nur von hinten über die Laderampe vorbei an der Videothek „Movie Star“ zu erreichen. Die Tür ist zu, nur wer klingelt, wird eingelassen und in den Laden in der oberen Etage geführt. Hier wird das komplette Thor-Steinar-Sortiment angeboten, wohl sortiert in Regalen und auf Tischen.
Eine Verkäuferin fragt nach den Wünschen der Kunden. Für Informationen zum Laden ist der Chef zuständig, doch der hat gegenüber der Presse keinen Gesprächsbedarf, weist die für ihn ungebetenen Gäste zur Tür.
„Bisher war alles ruhig“, erzählt Dieter Bergholz, Betreiber der benachbarten Videothek. Die Kundschaft verirre sich manchmal zu ihm ins Geschäft, um zu fragen, wie man denn in den neuen Laden käme.
Der Besitzer des Objektes war froh, die Räume wieder vermieten zu können. Erst vor eineinhalb Jahren hat der Rostocker das Haus von der TLG gekauft. Die freien Verkaufsflächen habe er im Internet ausgeschrieben. „Diese Textilfirma hat sich gemeldet, ihr Modelabel beschrieben, mir eine Gewerbegenehmigung vorgelegt“, berichtet er. Erst nach der Eröffnung am 18. Februar sei ihm aufgegangen, dass Thor Steinar eindeutig rechter Lifestyle sei. „Ich möchte mit der rechten Szene nichts zu tun haben“, betont der Geschäftsmann. „Mit jetzigem Wissen hätte ich anders gehandelt, aber nun bin ich an den Mietvertrag gebunden.“ Vor vier Jahren hatte sich schon einmal ein Thor-Steinar-Laden im Rostocker Hof niedergelassen. Es hagelte Proteste von Politikern, Kunden, Ladennachbarn. Auch hier wollte die Centerleitung den Mieter schnell wieder loswerden. Doch die Marke ist nicht verboten, auch wenn der Hersteller, die Firma Mediatex aus Königs Wusterhausen bei Berlin, vom Verfassungsschutz wegen Verbindungen zur rechten Szene beobachtet wird. Letztlich verließ der Laden den Rostocker Hof.
„Es ist eine sehr unangenehme Zeiterscheinung“, kommentiert SPD-Landtagsabgeordneter Mathias Brodkorb den neuen Laden in Dierkow. „Wir haben Gewerbefreiheit in Deutschland und können in diesem Fall nur erneut aufklären, dass mit dem Verkauf dieser Sachen die rechte Szene mitfinanziert wird.“ Die von Brodkorb mitgegründete Internet-Initiative „Endstation rechts“ wird seit einem Jahr von Thor Steinar verklagt wegen des angeblich verunglimpfenden Satire-Projektes „Storch Heinar“. Bislang ohne Ergebnis.
Brodkorb will nun reagieren und sich über „Endstation rechts“ mit den Schulen in Dierkow und Toitenwinkel in Verbindung setzen, um über die Marke Thor Steinar aufzuklären.
Auch SPD-Kreis-Vize Julian Barlen von der Initiative „Schöner leben ohne Naziläden“ ist besorgt darüber, wie versucht wird, sich mit trendigen Klamotten einer Marke, die ganz klar der rechten Szene zuzuordnen ist, in das Stadtbild einzuschleichen.
Dennoch hat sich inzwischen die Marke zur beliebtesten Mode in der Neonazi-Szene entwickelt. Sie gilt nach Einschätzung des brandenburgischen Verfassungsschutzes als „identitätsstiftendes Erkennungszeichen“.
Im Gegensatz zu Marken wie Lonsdale oder Fred Perry, die aus normalen Sportgeschäften stammen und von Rechtsextremen vereinnahmt wurden, gab es Thor Steinar anfangs fast ausschließlich bei einschlägigen Naziläden und Versänden zu kaufen. Inzwischen gibt es Läden in Berlin, Dresden, Erfurt, Halle, Magdeburg, Plauen, Nürnberg und Essen. Immer wieder gibt es gegen diese Läden massive Proteste.
Derzeit ist das Tragen von Thor Steinar im Deutschen Bundestag, im Landtag Mecklenburg-Vorpommern und in verschiedenen Fußballstadien, auch in der Rostocker DKB-Arena, verboten.
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