Stralsund (OZ) - Kinder werden schon lange nicht mehr zu Bescheidenheit erzogen, für alte Leute zum Beispiel in der Straßenbahn aufzustehen. „Hai sein!“, heißt es im Umgang mit Freunden und Fremden. Fressen oder gefressen werden. Gewinner sein oder Verlierer.
Das Jugendstück „Winner and Loser" des STiC-er Theaters handelt davon. Donnerstag hatte es in der Alten Eisengießerei Premiere. Fünf Heranwachsende sind auf der Suche nach der ultimativen Party, der Liebe und sich selbst. Es ist ein „Partystück“: Andi ist echt nett und in der Schule eine Blitzbirne. Sein bester Freund Julian ist cool, kriegt aber nichts auf die Reihe. Andi macht sich Hoffnung auf die schöne Marie und organisiert eine Party, um an sie heranzukommen.
Es ist aber Julian, auf den sie steht. „Weil der doch genauso kaputt ist, wie sie“, analysiert ihre frühreife Schwester Annika, als schon alles zu spät ist. Nichts ist, wie es aussieht. Und dann gibt es noch Sven, der sich zwischen drei merkwürdigen Selbstbildern, die er im Internet anbietet, nicht entscheiden kann und in der Liebe eher auf Phantome setzt.
Die Bühne ist die Mitte zwischen zwei Seiten Publikum. Eine gelungene Metapher für die Polarisation des Lebens. Es ist die natürliche Sprache und das jugendliche Gebaren der Darsteller, deshalb wirkt dieser desaströse Abend, wie er noch wird, lebensecht. Der Text von Lutz Hübner, Autor des Stückes, strotzt vor Wortwitz und Slang.
Daniel Soran hat die Einzelszenen inszeniert. Marie und Annika fetzen sich in ständiger Konkurrenz. Julian und Andi wollen lieber nur sehen, was ihnen am anderen passt. Sven tobt seine gespaltene Persönlichkeit aus. Höhepunkt ist der Einbruch des Fremden von außen. Sylvana ist die hoch explosive Komponente, die dem Abend noch gefehlt hat. Und es knallt gewaltig.
Die Partymusik kommt von der Band „Kind of Cold“, als transparenter Auftritt hinter Gaze. Ein empfehlenswerter Abend für die ganze pubertierende Familie. JULIANE VOIGT
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