„Der Mann ist ein Edelstein, der führende Moorforscher der Erde“, rühmt Succow. „Er ist gefragt. Dass heute weltweit die Bedeutung der Moore für den Klimaschutz anerkannt ist, das ist Hans Joostens Verdienst. Er hat begeisterte Kollegen, arbeitet ganz hervorragend mit Studenten.“ Trockener Moorboden wird durch den Kontakt mit Luft zu Kohlendioxid umgesetzt. Das wird durch Vernässung verhindert.
Aktuell ist ein Projekt zur „nassen Landwirtschaft“ in Vorpommern. Auf Moorflächen geerntete Grünmasse soll für die Energieerzeugung genutzt werden. Das kann nicht nur Arbeitsplätze in der Region schaffen, sondern ein Exportschlager werden. Landwirtschaftliche Flächen werden nicht benötigt. In Weißrussland sammeln Hans Joosten und seine Mitstreiter bereits Erfahrungen.
Aus der Sicht des Nobelpreisträgers hat Greifswald das Zeug, das Moorkompetenzzentrum der Welt zu werden. Die Landschaftsökologie, seit 2005 einer der fünf Forschungsschwerpunkte der Uni, sollte hier „angekoppelt“ werden. Denn nach wie vor ist die Stiftung mit Partnern weltweit in Sachen Naturschutz unterwegs (siehe dazu auch den nebenstehenden Beitrag). Traditionell ist die Stiftung ganz stark im Osten aktiv, aber das Feld wird immer größer. Neue oder überhaupt die ersten Nationalparke entstehen in den Nachfolgestaaten der UdSSR wie Weißrussland, Turkmenistan, Usbekistan und Aserbaidschan.
Viele Gebiete sind auch touristisch hoch interessant. So soll am 27. Oktober in Turkmenistan ein Nationalpark eröffnet werden, dessen Einrichtung von Greifswald aus vorbereitet wird. Ein Plateau, auf dem sich mehrere hundert versteinerte Fußabdrücke von Dinosauriern befinden, wird eine der Hauptattraktionen sein.
Ein Innovations- und Kompetenzzentrum für Landschaftsökologie und Naturschutz ist schon „in Sack und Tüten“. Dafür hat die Succow-Stiftung gemeinsam mit der Familie Joosten das frühere Direktorenwohnhaus der Nervenklinik in der Ellernholzstraße von der Universität erworben, saniert und baut es für die neuen Zwecke um. Hier werden auch das Institut für Dauerhaft Umweltgerechte Entwicklung von Naturräumen der Erde (DUENE e.V.) und die Weltorganisation der Moorschützer, die International Mire Conservation Group, ihren Sitz nehmen, erläutert Sebastian Schmidt. Er ist der Geschäftsführer der Succow-Stiftung. „Ein Glücksfall für uns, ein toller Manager“, sagt Prof. Succow. „Er ist sehr erfolgreich.“ Das ist auch von großer Wichtigkeit. „Das Stiftungskapital reicht ja nur für Büromaterial“, erläutert Schmidt. „Alles andere läuft über Projektförderung und Spenden.“ Das funktioniere aber so gut, dass derzeit 18 Leute für die Stiftung arbeiten. Derzeit stehen ihnen nur eineinhalb Räume in der Soldmannstraße zur Verfügung.
Ferner wird gemeinsam mit der Uni und Wetlands International ein Systen zum Schutz und der nachhaltigen Moornutzung entwickelt. In der Ukraine wird die Wiedervernässung von 20 000 Hektar entwässerter Moore in der Pripjetregion betrieben. Schutzgebiete sollen entstehen. In Weißrussland sind Greifswalder umfassend für die Reduzierung von Treibhausgasen und die Erhöhung der biologischen Vielfalt durch Wiedervernässung großer degardierter Moorflächen aktiv. In der Türkei werden mit der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit junge Wissenschaftler im Bereich Moorökologie und Moorschutz ausgebildet. In Aserbaidshan begleitet die Stiftung seit mehr als zehn Jahren ein Programm zur Ausweisung großflächiger Nationalparks.
Turkmenistan wird bei der Ausweisung der ersten Nationalparke unterstützt. In China werden Landnutzungskonzepte für große Moorflächen Tibets entwickelt. In Indonesien sind Greifswalder aktiver Teil einer Naturschutzallianz, die die Entwässerung tropischer Moore für Palmölplantagen beenden will. Diese Art der Nutzung führt zu den weltweit zweithöchsten Emissionsraten für Treibhausgase. In Botswana wird die Moorvegetation und Dymnamik des Okavangodeltas, des größten Binnendeltas der Welt, erforscht. In Argentinien sind Greifswalder und Niederländer auf Feuerland in der Moorforschung aktiv.



















