Leere Betten bringen aber Verluste und gefährden so Arbeitsplätze: Denn Personal wird trotzdem benötigt, auch andere Allgemeinkosten fallen unabhängig davon an, ob ein Patient da ist oder nicht. „Der demographische Wandel macht sich auch in der Kinderheilkunde bemerkbar, weil weniger Geburten zu verzeichnen sind“, begründet Prof. Zykmunt weiter. „Dazu kommen neue Behandlungskonzepte. Wir versorgen die Kinder heute weit stärker ambulant oder in der Tagesklinik als früher.“ Die frei werdenden 25 Betten im neuen Klinikum sollen anderweitig genutzt werden. Sie mit Patienten aus Berlin, Stettin oder anderswo zu füllen, funktioniere nicht, schätzt Zykmunt ein. Darum beschreitet man einen anderen Weg.
„Andere Abteilungen des Klinikums haben Auslastungen von 120, ja 130 Prozent, und niemand soll ja im Bett auf dem Flur stehen“, argumentiert der Ärztliche Direktor, der zugleich Direktor der Universitätsfrauenklinik ist. Im Winter lag die Auslastung der Unfallchirurgie sogar bei 140 Prozent. Nach gegenwärtigem Stand benötigen besonders die Neurologie und die Altersmedizin (Geriatrie) mehr Betten. „Wir haben jetzt endlich auch eine Chance, Betten für die Palliativmedizin einzurichten“, freut sich der Ärztliche Direktor.
Die Patienten der Kinderchirurgie werden auch nicht auf den Flur verbannt. Sie werden künftig in der „normalen“ und für diese Zwecke veränderten Kinderklinik mit untergebracht. Das ist relativ leicht möglich, denn deren Betten waren zuletzt auch nur zu 60 bis 70 Prozent ausgelastet. Die Krankenschwestern müssten sich nicht um ihre Arbeitsplätze sorgen, weil sie weiter für die neuen Aufgaben gebraucht werden, betont Prof. Zykmunt. „Alle Professoren sind sich einig, dass es künftig nur noch ein Kindermedizinisches Zentrum im Universitätsklinikum geben soll, in dem die Betten gemeinsam belegt werden. Dafür stellen wir einen Lotsen für die Patienten ein. Betten müssen frei gemeldet werden“, erläutert der Ärztliche Direktor. „Ein Bettenpool ist beispielsweise in Berlin bereits völlig normal. Auch in Greifswald gibt es keine Fürstentümer.“ Für die Wirtschaftlichkeit hat das neue System weitere Vorteile. Denn es werden weniger Ärzte für Nachtdienste benötigt.
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