Nach der Narkose sei Sanga natürlich müde gewesen, „aber es ging ihr den Umständen entsprechend gut“. Erst am Freitag sei sie gar nicht mehr richtig auf die Beine gekommen, habe keinen Appetit gehabt. „Da sind wir stutzig geworden.“ Regelmäßig habe der Pfleger nach der Patientin geschaut, „um 15.45 Uhr hat er dann festgestellt, dass sie nicht mehr atmet“. Gestern bestätigten die Pathologen nach der Autopsie, dass Sanga den Folgen ihres Gebärmuttertumors erlegen sei. „Das Herz hat wohl im Schlaf aufgehört zu schlagen“, sagt Zimmermann.
45 Jahre hatte Sanga, die noch in der afrikanischen Wildnis geboren wurde, im Barnstorfer Wald gelebt. Lieb und freundlich sei sie gewesen, erzählen die Pfleger. „Aber man musste es sich schon erarbeiten, dass sie einen mochte“, erzählt Zimmermann. Gegenüber Fremden sei Sanga eher norddeutsch kühl gewesen. „Und sie konnte eine richtige Zicke sein“, sagt die Kuratorin und lacht. Generell habe Sanga „mit Männern besser gekonnt“.
So auch mit Gorillamann Assumbo. Ein Jahr nach dem Tod von Sangas früherem Gefährten Copo waren Nicra und Assumbo 1999 aus Prag in die Hansestadt umgezogen, um Sanga Gesellschaft zu leisten. Die Beziehung zu Assumbo, der als Flaschenkind im Zoo von Jerey aufwuchs, sei fast von Beginn an „liebevoll und harmonisch gewesen“, erinnert sich die Kuratorin. Aber Nicra habe ihren Mann stets eifersüchtig bewacht. Als sie vor vier Jahren starb, hätten sich Sanga und Assumbo noch besser verstanden. Auf den Meldezetteln notierten die Pfleger seitdem regelmäßig: „Bei den Gorillas ist die große Liebe ausgebrochen.“ Für Kinder war die Dame aber schon zu alt.
Einen Tag lang habe Assumbo immer wieder nach seiner Gefährtin gesucht und selbst nur wenig gefressen, erzählt Zimmermann. „Als ihre Schlafbox gesäubert wurde, hat er wohl verstanden, dass sie nicht mehr da ist.“
Dann kann der große Umzug beginnen: Die zwei Schimpansen sollen im Darwineum ihren Alterswohnsitz beziehen, Gorilla Assumbo und die vierköpfige Orang- Utan-Familie ein schöneres Zuhause bekommen. Das jetzige Affenhaus gibt es seit den 60er Jahren und ist sehr beengt. Innen und außen können die Gorillas etwa 250 Quadratmeter bewohnen, in der neuen Anlage sollen es allein innen bis zu 1500 werden. „Und dazu kommt die Außenanlage mit 2500 bis 3000 Quadratmetern“, sagt Zoo-Chef Udo Nagel.
2004 hatten Freunde des Zoos die Aktion „Schaffen für die Affen“ gestartet, bis heute beteiligten sich mehr als 300 000 Spender. Der Zoo rechnet mit 18,3 Millionen Euro Fördermittel aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung. Neben dem bereits gesammelten Eigenanteil will der Zoo einen Kredit über 2,9 Millionen Euro aufnehmen, um die neue Anlage zu finanzieren.
In diesem Jahr, von den Vereinten Nationen (Unesco) und dem Weltverband der Zoos und Aquarien (Waza) zum Jahr des Gorillas proklamiert, heißt das Spendenziel eine Millionen Euro.






