
Arge-Chef Peter Hüfken bezeichnete das Verhalten des Wirts als „unanständig und sittenwidrig“. Richter Thies Luther nannte Stundenlöhne von 1,50 Euro oder 2 Euro als „äußerst problematisch“.
Ein zweiter, ähnlicher Prozess, der gestern ebenfalls vor dem Arbeitsgericht Stralsund verhandelt werden sollte, wurde vertagt. In diesem Fall fordert die Arge von einem italienischen Restaurant 10 800 Euro. Der Betreiber soll Kellnern, Pizzafahrern und Angestellten im Küchenbereich teils Stundenlöhne von nur 1,50 Euro gezahlt haben.
Dumpinglöhne wie diese sind keine Sonderfälle: „Das Problem durchzieht den gesamten Dienstleistungssektor“, so der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB)
Vorpommern, Volker Schulz. Er berichtet von Fällen, in denen ein Friseur für 90 Stunden Arbeit einen Lohn von 160 Euro (1,78 Euro pro Stunde) erhalten habe. Eine Wohlfahrtseinrichtung habe einen Vorleser für 2,20 Euro oder einen Mediengestalter für einen Stundenlohn von gut zwei Euro beschäftigt.
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es laut Arbeitsagentur Nord 15 700 Menschen, die zwar vollzeitbeschäftigt sind, dabei mehr als 800 Euro verdienen und trotzdem staatliche Leistungen empfangen müssen, um davon leben zu können.
Überwiegend seien die geringen tariflichen Löhne daran Schuld, sagt Thomas Buhse, Sprecher der Bundesagentur für Arbeit in Kiel. Zum anderen gebe es aber auch Arbeitgeber, die deutlich unter Tarif zahlten. Arge-Chef Peter Hüfken, der sich in früheren Verfahren bereits 7000 Euro von Stralsunder Arbeitgebern zurückholen konnte, kündigte weitere Klagen gegen sittenwidrige Löhne an.






