und Cornelia Roxin
Lindow – Scheunenbesitzer Jürgen Schulz bestätigt seine Verkaufsabsichten gestern noch einmal. Doch damit erschöpft sich seine Auskunftsfreudigkeit. Weitere Informationen will er nicht geben, vertröstet auf Monatsmitte. Dann würde er sich äußern. Er bestätigt aber, dass das bis zum Dezember geplante Programm auf jeden Fall stattfinden kann. Nach der Sommerpause nämlich läuft am 6. September der neue Veranstaltungsreigen an. Sandra Möller vom Naturschutzbund gibt dann viel Wissenswertes über Fledermäuse preis und geht mit den Gästen auch auf Exkursion.
Mit dieser Ankündigung sieht sich Jörn Friedrichsen, der auch schon auf den am 3. Oktober stattfindenden Kunstmarkt verweist, in seiner optimistischen Haltung zum Fortbestand der Kulturscheune erst einmal bestätigt. Piet Wiethölter sieht das etwas anders als der 50-jährige Skulptör: „Es war eine schöne Zeit. Jetzt kommt etwas Neues. So viel war ja zuletzt auch nicht mehr los.“ Petra Cordes vom Verein Lindower Scheunenkultur sieht die Mitglieder in der Verantwortung, ihr Engagement weiterzuführen. Selbst wenn das an einer anderen Stätte im Ort passiere, aber Lindow müsse es bleiben. Wie hat es angefangen? Auf der Landkarte war der 50-Seelen-Ort Lindow zu DDR-Zeiten gar nicht eingezeichnet. Damals war der Flecken Erde nur als Schweine-Lindow bekannt. Im Dorf lebten mehr Schweine als Menschen. „Hier stank es fürchterlich“, weiß Denis Schlatow noch. Nach der Wende zogen junge Leute zu, bauten sich aus Ruinen schicke Häuser. Einer von ihnen: Piet Wiethölter. „Es gab ein Grundstück mitten im Dorf, das ich mir leisten konnte.“
Jörn Friedrichsen verschlug es ebenfalls nach Lindow. „Mich haben die Natur, die Landschaft und die Leute begeistert. Ich stamme aus dem Westen. Von der Ostseeküste, aus Scharbeutz. Da ist alles mit Touristen überflutet. Und hier war es eben einfach wunderschön.“
Nachdem viele der jungen Leute ihre eigenen Häuser saniert hatten, packten sie gemeinsam an. Aus einem Schweinestall machten sie einen Treffpunkt für viele. Und Lindow zu einem Ort für Kultur. In der Kulturscheune gab es Live-Musik, Kinoabende, Theater und Partys. „Wir haben viel getanzt, Kino gemacht und Cocktails getrunken. Es war toll“, sagt Piet Wiethölter. Er, Jörn Friedrichsen sowie Rena Popken und Stephan Bönert schlossen sich zu einem Künstlerverbund mit dem Namen „Lindower Kleeblatt" zusammen.
Aus Textilien, Holz, Papier und Metall machten sie Kunst. Sogar bis nach Hamburg hatte sich das Niveau ihrer Arbeiten und das gemütliche Ambiente in Lindow herumgesprochen, erzählt Jörn Friedrichsen. „Das hat das Dorf auf jeden Fall populärer gemacht in der Gegend. Denn eigentlich war Lindow ja schon abgeschrieben.“
Mittlerweile hat das Kleeblatt drei Blätter verloren. Nur Jörn Friedrichsen arbeitet noch als Künstler im Ort. Zwei zogen weg, Piet Wiethölter nimmt gerade eine Auszeit.
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