Die Geschwister aus Carlow sind glücklich. Glücklich deswegen, weil sie zu dritt im Ferienlager sein dürfen. Ivan und Alex hätten ursprünglich zu Hause bleiben sollen — so wie 23 weitere Kinder.
Rückblick: Juni 2010. Für 25 von 45 angemeldeten Kindern gibt es vom Jugendamt keine finanzielle Förderung für die Ferienfahrt. Pro Kind sollen die Familien eine Summe von 180 Euro zuzahlen. Geld, das keine der sozial schwachen Familien binnen eines Monats aufbringen kann. Allen 25 Kindern wird die Ferienfahrt versagt. Doch dann ermöglichen OZ-Leser den neuntägigen Ausflug durch ihre Spenden.
Insgesamt kommt eine Summe von 5765 Euro zusammen. Organisatoren der Fahrt und Eltern sind überwältigt, die Kinder unendlich glücklich.
Zurück im Ferienlager. Im Lindenhof, einem alten Bauernhof aus den 50er-Jahren, ist es lebhaft geworden. An den Waschbecken ergattern einige Jungen die besten Plätze zum Zähneputzen, einige Mädchen sind bereits auf dem Weg zum Frühstück.
Auch Alina, Ivan und Alex machen sind auf den Weg. Im schmalen Türrahmen bleibt Alina noch kurz stehen, dreht sich zu ihren Geschwistern um und sagt dann: „Ich bin sehr dankbar, dass meine Brüder mit ins Ferienlager durften.“ Nach dem gemeinsamen Frühstück geht es nach draußen. 8000 Quadratmeter umfasst das Areal des Lindenhofes, genug Platz für Spiele und kleine Sportturniere. Jeden Abend gibt es einen sportlichen Wettkampf, doch daran denken die Sieben- bis 14-Jährigen jetzt noch nicht. Sie sind in Gedanken schon am Badesee. Dann kommt Andreas Steinhoff, Fußballtrainer des FC Parchim, auf das Feriengelände.
„Andreas, du bist der beste Mann, den es gibt“, ruft ein Mädchen und der freundliche Mittvierziger grüßt zurück. „Die Kinder lieben Andreas und er gibt alles für ihr Wohl“, sagt Jürgen Lather, Leiter des Ferienlagers. In den Sommermonaten hilft Andreas Steinhoff als Betreuer auf dem Lindenhof.
Mittlerweile ist es fast Mittag geworden. In Barkow verfliegt die Zeit sowieso viel zu schnell, ist sich ein Mädchentrupp einig. „Neun Tage sind doch zu wenig. Ich würde am liebsten 100 Wochen hier bleiben“, sagt die neunjährige Dorit Schoof. Im Ferienlager hat sie zwei weitere Mädchen kennengelernt. „Da hatte ich kein Heimweh mehr“, sagt Dorit, die das erste Mal von zu Hause weg ist. Im Ferienlager haben sich die drei ewige Freundschaft geschworen. Dorit lacht und ihre blauen Augen strahlen.
„Jetzt geht es los“, ruft ein Junge so laut, dass es über den ganzen Lindenhof schallt. Soeben ist ein grüner, umgebauter Kleinbus vorgefahren. Mit dem alten Auto fahren die Kinder an den Badesee.
Jeder Fußmarsch wäre zu weit, denn die Ferienanlage liegt mitten in der Natur, mitten zwischen Weizen- und Maisfeldern. Dicke Mauern und ein hoher Zaun sichern den Lindenhof, der schon seit den 70er-Jahren als Herberge genutzt wird. Zwei Mal tuckert der Bus vom Hof, holpert über die steinigen und sandigen Wege, dann sind alle Kinder am Badesee. Es dauert keine fünf Minuten, bis die ersten Kinder in den Kritzower See springen — überwacht von Katharina Hübbe, Rettungsschwimmerin und Sanitäterin.
Am See sind die Kinder frei, spielen Fußball, toben auf der Wiese und tollen im 25 Grad Celsius warmen Wasser. „Dieser Urlaub ist das Schönste, was in diesem Sommer passiert“, sagt Lisa-Maire. Die 13-Jährige sagt, sie sei „verdammt froh“, mit im Ferienlager zu sein. „Hier kann ich völlig ungestört Zeit mit Freunden verbringen, ohne dass meine Mutter anruft und ich nach Hause muss.“ Die Ferien in Barkow sind schön, viel schöner als sie es in Grevesmühlen sein könnten. „Zu Hause hätte Ivan, Alex und ich beim Umzug mit helfen müssen. Das wäre nicht so gut gewesen“, sagt Alina Orloff. Ganz vergessen hat sie ihr Zuhause aber nicht. Drei Briefe hat sie geschrieben, in jedem steht, dass es „tolle Tage“ in Barkow sind.
Dieser Beitrag wurde bisher 1033 mal aufgerufen - zuletzt am 02.09.2010 um 13:37.












