In der Vorwoche hatten Äußerungen von Umweltminister Till Backhaus (SPD) zur Reduzierung der Vogelbestände Irritationen bei Naturschutzverbänden ausgelöst. An dem Gespräch mit dem Minister am Freitag nahmen Vertreter von Naturschutzbund (Nabu), WWF, BUND und der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft des Landes (OAMV) teil.
Der Kormoran steht in Europa unter Schutz, die meisten Brutkolonien liegen in Schutzgebieten. Der Landesfischereiverband übergab Backhaus nach eigenen Angaben Listen mit mehreren tausend Unterschriften für die Reduzierung der Kormoranbestände.
Nach Ansicht von Backhaus wären 3000 Brutpaare in Mecklenburg-Vorpommern bestandserhaltend. Dies solle nicht so verstanden werden, dass er die jetzt etwa 15 000 Brutpaare drastisch reduzieren wollte, stellte der Minister klar. „Wir wollen langfristig und schonend auf die Geburten Einfluss nehmen“, sagte er. Laut Kormoranverordnung des Landes sind Eingriffe wie Vergrämungen (Verscheuchen) oder das Ölen der Eier aber nur im Binnenland und nicht in Schutzgebieten erlaubt. Der Vizepräsident des Landesfischereiverbandes, Ulrich Paetsch, sagte, die Fischer hofften auf wissenschaftliche Untersuchungen gemeinsam mit der Uni Rostock, wie sich Eingriffe in das Brutgeschehen auf die Bestände auswirken.
Bisher liegen Backhaus zufolge keine qualifizierten Anträge mit wissenschaftlich begründetem Hintergrund von Fischern zur Bestandsverringerung in den Kormorankolonien vor. Er stimme den Naturschutzverbänden zu, die meinten, dass „das Problem dann nicht so groß sein“ könne. Paetsch sagte, die Schäden seien belegbar. In Teichwirtschaften seien die Verluste bei zweijährigen Karpfen von früher 25 auf jetzt 70 bis 80 Prozent gestiegen. Dabei würden die Teiche „bewacht wie die Bank von England“. Die Zahl der Kormoranpaare habe sich aber verzehnfacht.
Der OAMV-Vorsitzende Klaus-Dieter Feige sagte: „Der Kormoran ist nicht die Ursache für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die die Fischer haben.“ Dazu zählten auch die Gewässerverschmutzung oder Hindernisse auf den Wanderstrecken der Aale. Backhaus erwägt, „in Brüssel Druck“ zu machen, um wieder Ausgleichszahlungen für Schäden durch Kormorane zu erhalten.
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