Prora Dem Dokumentationszentrum Prora droht das Aus. Nach einem Bericht des ARD-Kulturjournals „ttt — titel thesen temperamente“ vom Sonntagabend muss die Einrichtung der Stiftung Neue Kultur die Räumlichkeiten im Block III des einstigen nationalsozialistischen KdF-Erholungsheimes (Kraft durch Freude) zum 30. November verlassen. „Das ist ein Skandal, der international Wellen schlägt“, warnte der Hamburger Historiker Prof. Dr. Bernd Jürgen Wendt in der Sendung. „Prora hat den Rang von Nürnberg und Peenemünde.“ Wenigstens dem öffentlichen Interesse nach dürfte das zutreffen, denn die Dauerausstellung „MACHT Urlaub“ des Dokumentationszentrums haben bisher über 200 000 Besucher gesehen. Auch für dieses Jahr rechnet der Leiter des Doku-Zentrums, Dr. Jürgen Rostock, wieder mit rund 80 000 Gästen. Und: An keinem Ort kann man die perfide Gehirnwäsche der Nazis, ihre Erziehung zur Volksgemeinschaftsideologie so gut nachvollziehen.
Rostock dementierte allerdings gestern auf OZ-Nachfrage: „Es ist definitiv nicht so, dass wir den Block III zum Monatsende verlassen müssen. Wir stehen nach wie vor in Verhandlung mit dem Investor“, so Rostock. Auch eine Alternative — Umzug nach Block II — sei noch nicht vom Tisch. Knackpunkt ist hierbei die Finanzierung des Umzugs, dann wesentlich höherer Miete und Betriebskosten.
Die Stiftung Neue Kultur eröffnete im Jahr 2000 das Doku-Zentrum im Querriegel von Block III. Ziel ist es, Prora als historisches Denkmal zu erhalten und so zu entwickeln, wie es seiner historischen Bedeutung angemessen ist.
2004 wurde der Block III vom Bund an die Inselbogen GmbH verkauft. Der neue Eigentümer hatte der Einrichtung zum Ende 2008 den Mietvertrag gekündigt. Es gebe aber eine Vereinbarung, dass das Doku-Zentrum „bis auf weiteres“ bleiben kann, sagt der Leiter des Doku-Zentrums. Dr. Rostock machte in der ARD-Sendung für die aktuelle Misere hauptsächlich „die Nicht-Zurkenntnisnahme und Nicht-Unterstützung durch das Land“ verantwortlich. Dagegen setzt sich Jochen Schmidt von der Landeszentrale Politische Bildung in Schwerin zur Wehr. „Das Dokumentationszentrum Prora bekommt projektgebundene Fördermittel.“ In vergleichbarer Art werde auch das „Prora-Zentrum“ finanziell vom Land unterstützt.
Das „Prora-Zentrum“ besteht seit 2001 und widmet sich ebenfalls der historischen Erschließung der Anlage, allerdings in Verbindung mit einer Jugendherberge. „Ein zukunftsfähiges Projekt“, sagt Schmidt, bescheinigt aber auch den anderen Gedenk-Vereinen: „Alle haben Know How.“ Schwerin stünde nun vor der Frage „Wie kriegen wir ein fachlich gutes Angebot hin?“ Derzeit herrscht eher ein Gegeneinander, insbesondere des Dokumentationszentrums von Dr. Rostock und des Prora-Zentrums, für das sich Rügens Landrätin Dr. Kerstin Kassner (Linke) stark macht.
Alle Beteiligten erhalten demnächst eine Einladung zu einem Kolloquium am 11. Dezember in Sassnitz, berichtet Schmidt. „Es ist Teil eines Interessenbekundungsverfahrens. Danach sollen Eckpunkte formuliert werden, damit Finanzmittel des Landes effektiver eingesetzt werden können.“
Vortrag „Die Protokolle der Weisen von Zion“ (Prof. Dr. Wolfgang Benz, Leiter des Instituts für Antisemitismusforschung Berlin), Donnerstag, 17 Uhr;
Sonderaustellung „Im Totaleinsatz — Zwangsarbeit der tschechischen Bevölkerung für das Dritte Reich“, ab 12. November, 16 Uhr. Das Dokumentationszentrum Prora ist täglich von 11 bis 16 Uhr geöffnet.
Internet: www.dokumentationszentrum-prora.de; www.prora-zentrum.de
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