Seitdem schmückt ein neuer Schriftzug das Gebäude. Die „Schwarze Schar“, die sich nach eigenen Angaben am 1. Dezember 2008 gegründet hat, erklärt auf ihrer Internetseite, dass man sich entschieden habe, sich zu seiner deutschen Herkunft zu bekennen und dementsprechend die Ämter und Bezeichnungen der deutschen Sprache zu unterwerfen. Der Name des Clubs stamme aus der Zeit der napoleonischen Kriege Anfang des 19. Jahrhunderts, als sich in Deutschland Freikorps gründeten, die gegen die französischen Besatzer kämpften. Eines dieser Korps hieß „Schwarze Schar“.
Dass sich der Klubname mit einem verfassungsfeindlichen Kürzel darstellen lässt und die Biografien einiger Mitglieder den Staatsschutz hellhörig werden lassen, lässt Vermutungen aufkommen, dass der Motorradklub zur rechten Szene gehören könnte. „Das mag vielleicht auch so sein“, sagt ein Motorradfahrer aus dem Wismarer Umland, der einige der Mitglieder kennt und vor wenigen Tagen auf einer Party im ehemaligen Black Paradise war: „Aber nach außen ist davon nichts zu merken.“ Man könne nicht jeden MC in die rechte Ecke schieben, nur weil deren Mitglieder Glatzen hätten oder national denken würden, sagt der Biker. „Man kann schlecht in die Köpfe der Leute schauen, aber so wie die erste Party gelaufen ist, war von einer rechten Szene nichts zu sehen.“ Zudem habe es im Klubheim weder Fahnen noch andere Symbole aus der NS-Zeit gesehen. „Es gab Musik aus den 80er-Jahren, die Stimmung war super.“ Natürlich sei auch ihm bewusst, dass einige der Biker der Polizei durchaus bekannt seien. Aber die „Schwarze Schar“ gleich in die rechte Ecke zu drängen, sei auch typisch für die heutige Zeit. „Keine Frage, es gibt Klubs, die Stress machen. Aber nicht jeder Motorradfahrer mit Glatze und Tattoos ist ein Nazi.“ Für Gägelows Bürgermeister Uwe Wandel ist die Entwicklung in dem Klubheim trotz aller Unklarheiten, was dort wirklich passiert, kein gutes Zeichen. „Aber den Verkauf konnten wir nicht verhindern, das ging von privat an privat. Darauf hat die Kommune keinen Einfluss.“ Gespannt blickt auch die Polizei auf das Treiben im Gägelower Gewerbepark. MC-Präsident und Klubheimbesitzer Philipp S. ist schließlich kein Unbekannter. Auch wenn derzeit noch unklar sei, welche Beziehungen er — wenn überhaupt — zur rechten Szene habe.
Phillip S., ehemalige Betreiber des Werwolf-Shops in Wismar, hat nach OZ-Informationen bereits 2008 damit begonnen, seine Leidenschaft für Motorräder zu organisieren. Ursprünglich gehörten einige der Wismarer Biker zu den „Red Devils“, die sich später auflösten. Im Dezember 2008 gründete sich dann der „Schwarze Schar MC Wismar“, der auf seiner Internetseite ausdrücklich darauf hinweist, dass sie niemanden unterstützen und keine Stellungnahmen abgeben. Seit dem 1. Februar 2010 ist das „Black Paradise“ in „Schwarzer Herzog“ umbenannt worden und Sitz des MC.





