Für Kritiker ist das kein Sport, sondern dumpfe Gewaltverherrlichung. Im November beschloss die rot-schwarze Regierungskoalition in Schwerin, MMA-Veranstaltungen in Mecklenburg-Vorpommern so weit wie möglich zu verhindern und sich für ein gesetzliches Verbot stark zu machen. „Das ist reine Zurschaustellung von Gewalt unter dem Deckmantel des Sports“, sagt der sportpolitische Sprecher der CDU-Fraktion Wolfgang Waldmüller. Die Kämpfe seien „menschenverachtend“, der Vorstoß der Landesregierung richtunggebend für ganz Deutschland.
Ein Dienstagabend in der Sporthalle des Greifswalder Ringervereins. Etwa 20 Männer in dunkler Gymnastikkleidung sitzen paarweise auf dem Boden. Sie üben Ringer- und Judogriffe und beharken sich gegenseitig. Die Atmosphäre ist ruhig und konzentriert. Atemgeräusche und Anweisungen hallen leise durch den Raum.
Zwei Mal in der Woche trainieren die insgesamt 25 Mitglieder vom „MMA-Team East“, einer Unterabteilung des Ringervereins. Philipp Groß (26) ist ihr Gründer und Trainer. Eric Bluhm ist seit eineinhalb Jahren dabei und für die Box-Ausbildung zuständig. Die Greifswalder Gruppe ist die einzige aus MV, die beim Bundesverband Free-Fight-Association bekannt ist. 35 000 Sportler soll es in Deutschland geben.
Groß räumt ein, dass MMA ein Imageproblem hat. Politiker, die seinen Sport — eine Mischung unter anderem aus Boxen, Kickboxen, Judo und Ringen — verbieten wollen, hält er für schlecht informiert.
„Die Bedenken werden immer im selben Wortlaut vorgetragen, wie voneinander abgeschrieben.“ Kein Politiker habe je mit ihnen gesprochen oder beim Training zugeschaut.
Dabei sei MMA alles andere als sinnlose Prügelei ohne Grenzen. „Das Regelwerk ist 29 Seiten dick“, sagt Groß, der noch mit weißer Hose von der Arbeit als Physiotherapeut im kleinen Vereinsbüro sitzt.
Der Greifswalder ist seit seinem fünften Lebensjahr Ringer. An dem Mix-Kampf reize ihn vor allen die Kombination mehrerer Kampfsportarten.
In Amerika ist der Sport heute populärer als Boxen. Allerdings sollen auch drei Todesfälle weltweit dokumentiert sein. Im Internet kursiert ein Video, bei dem ein Kämpfer immer wieder auf seinen stark blutenden, am Boden liegenden Gegner einschlägt. Der Mann soll kurz darauf gestorben sein. Groß kennt den Film. „Das war ein Kampf in Osteuropa, mit chaotischen Bedingungen“, sagt er.
Hierzulande sei so etwas nicht möglich.
Und dann ist da noch der Käfig, der den Ring bei manchen Kämpfen umzäunt. Manche finden das besonders brutal, weil es den Eindruck eines Gladiatoren-Duells auf Leben und Tod befördere. Wieder so ein Vorurteil, meint Groß. Der Käfig habe eine Schutzfunktion. Er solle verhindern, dass ein Kämpfer aus dem Ring fliegt und sich dabei verletzt. „Wir wollen keine Gewalt verherrlichen“, sagt der Trainer. „Lieber ausgepowert auf der Matte liegen als die Aggressionen auf der Straße lassen“, sei das Motto. Wer durch Gewalt außerhalb des Rings auffalle, bekäme Probleme, bis hin zum Vereinsausschluss.
„Ein paar blaue Flecken, ein paar Prellungen.“ Mehr Blessuren habe er beim Mix-Kämpfen noch nicht erlitten, sagt Eric Bluhm. Boxen mit vielen Kopfschlägen in kurze Folge sei gefährlicher. Mutter Bluhm müsse sich also keine Sorgen machen, meint ihr Sohn. Um die Sorgen der Politiker will sich Philipp Groß kümmern. Kommende Woche hat er den Sportausschuss der Bürgerschaft zum Trainingsbesuch eingeladen.
In Deutschland wurden die ersten MMA-Kämpfe Anfang der 90er-Jahre als sogenannte Mix-Fight-Galas organisiert. Dabei werden verschiedene Kampfstile ausgetragen, beispielsweise drei Boxkämpfe gefolgt von drei Kickboxkämpfen und dazwischen drei MMA-Auseinandersetzungen.
Die Sportart steht oft in der Kritik, weil die Kämpfe auch am Boden noch weitergeführt werden können. Studien aus den USA zufolge ist das Verletzungsrisiko bei MMA nicht höher als bei konventionellen Box-Kämpfen.














